Nahrungsmittelpreise

09. August 2012 18:45; Akt: 09.08.2012 18:45 Print

Extreme Dürre in den USA hat schwere Folgen

Die anhaltende Trockenheit in den USA bekommt die ganze Welt zu spüren. Die Preise für Nahrungsmittel schnellen in die Höhe. Wegen der ausfallenden Ernten rechnen Versicherungen mit gewaltigen Kosten.

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Der Mais auf einem Feld in der Nähe von Percival (Iowa) ist völlig verdorrt. Der Frosch hat noch überlebt, der Fisch in einem Teich bei Waterloo ist verendet. Der Platte River bei Yutan führt kaum noch Wasser. Der Pegel des Mississippi auf Rekordtiefe. Ein lang ersehntes Gewitter nähert sich Elburn. Hier legt kein Boot mehr an: In Cicero, Indiana, liegen die Schiffsstege auf dem Trockenen. Der Wasserstand liegt fast zwei Meter unter dem normalen Niveau. Die extreme Dürre im Mittleren Westen der USA hat sich dramatisch verschärft. Von der Trockenheit ist inzwischen ein Fünftel des Landes betroffen. Es ist die schlimmste Dürreperiode seit mehr als 50 Jahren. Die Dürre trifft vor allem die Farmer, die nun um ihre Ernte fürchten. Delbert Graig und seine Frau Margie betreiben eine Farm in Goreville, Illinois. 70 Prozent des Bundesstaates gelten als Notstandgebiet. Auch die letzten Regenfälle konnten die Ernteerträge nicht retten. Die Farmer rechnen nun mit steigenden Lebensmittelpreisen. Viele Gewässer haben aufgehört, zu fliessen. Wasserbiologen versuchen, bedrohte Fische aus dem Fluss Brazos, Texas, zu retten. Der O. C. Fisher Lake in San Angelo, Texas, war einmal über 2000 Hektaren gross. Die Hitze und der fehlende Regen führten dazu, dass der ganze See austrocknete. Hier gibt es nichts mehr zu holen: Royce Cross steht auf seinem ausgetrockneten Feld in Unadilla, Georgia. Grün ist die Hoffnung - Ronnie Sharp und Brandy Birdwell besprayen ein ausgetrocknetes Landstück in Indianapolis.

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Der Juli 2012 war in weiten Teilen der USA der heisseste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1895. Das Land bekommt gemäss Jake Crouch vom Nationalen Archiv für Wetterdaten (NCDC) einen Cocktail aus örtlicher Hitze und Dürre sowie den Auswirkungen des globalen Klimawandels zu spüren.

Nach offiziellen Erhebungen leiden fast zwei Drittel der US-Bundesstaaten - unterschiedlich stark - unter Dürre. Mehr als 3000 Hitzerekorde wurden im vergangenen Monat gebrochen.

Der heisse, trockene Sommer im Mittleren Westen der USA fordert weltweit seinen Tribut: Nach Angaben der Weltbank sind die Preise für wichtige Nahrungs- und Futtermittel seit Mitte Juni stark gestiegen: der Preis für Weizen um 50 Prozent, der für Mais um 45 Prozent. Der Preis für Soja kletterte seit Anfang Juni um 30 Prozent, seit Ende 2011 sogar um 60 Prozent.

Teure Ernteausfälle

Wegen der anhaltenden Dürre in den USA legt der weltgrösste Rückversicherer, Munich Re, etwa 160 Millionen Euro Reserven zurück. Die Versicherung hat in der Landwirtschaft bisher noch nie so einen Schaden begleichen müssen. 75 Prozent der Mais- und Sojaanbauregionen sind betroffen. Die USA liefert mehr als die Hälfte der weltweiten Mais-Exporte sowie ein Viertel der Weizen-Exporte.

Weltbankpräsident Jim Yong Kim fürchtet steigende Lebensmittelpreise weltweit wegen der anhaltenden Dürre in den USA. Er warnte vor den «verhängnisvollen Folgen» dieser Entwicklung für die Ärmsten der Armen.

Fischsterben

Auch die Fische werden Opfer dieses extrem trockenen und heissen Sommers. Allein im US-Bundesstaat Iowa sollen nach Angaben von Experten rund 40 000 Störe verendet sein. Im Bundesstaat Nebraska sprechen Fischereivertreter von Tausenden toten Fischen im Platte River, darunter vom Aussterben bedrohte Schaufelstöre. Und in Illinois sagen Biologen, dass die Hitze Zehntausende Barsche und Welse das Leben gekostet sowie das Überleben grosser Saugkarpfen gefährdet hat.

«So etwas habe ich noch nie in meiner Karriere gesehen, und ich bin hier seit mehr als 17 Jahren», sagt Mark Flammang, ein Fischerei-Biologe am Referat für natürliche Rohstoffe in Iowa. Die dortigen Experten beziffern den Wert der allein im Des Moines River tot aufgefundenen Störe auf fast zehn Millionen Dollar (8,06 Millionen Euro). Störe sind als Lieferant von Kaviar hochbegehrt.

«Diese Fische waren für Abertausende von Jahren in den Flüssen und haben sich an alle Wetterbedingungen angepasst», sagt Flammang. «Aber manchmal scheint es, dass Bedingungen herrschen, die den Toleranzbereich sprengen.»

(whr/sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul am 10.08.2012 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    !!!

    Ich denke empfinde diese Dürreperiode als deutliches Zeichen: 10 Mio. Schweizer reichen!

  • René Zwicky am 09.08.2012 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Israelis machen es ja schon lange

    den Amerikanern vor. Statt hunderte von Milliarden Dollar in andere Staaten (Afghanistan etc.) und überhaupt in die Rüstung zu stecken, könnten sie ja einige Meerwasserentsalzungs- Anlagen bauen und das Wasser mit Pipelines ins Landesinnere führen und dort in Zisternen lagern. Mit Oel und Gas geht es ja auch, aber die rentieren sich besser. Zudem sollten sich die USA endlich vermehrt der Umwelt widmen und zwar nicht mit Zeithorizont 2040 sondern 2013. Israel hat aus Wüsten fruchtbare Gärten gemacht und das vor Jahrzehnten.

    einklappen einklappen
  • Martin am 10.08.2012 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Landwirt

    Bemüht man sich die Menschen mit Lebensmitel zu versorgen.Das ist in der Schweiz noch möglich, leider gibt es mehr und mehr Stimmen die die Landwirtschaft abschaffen wollen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 807687 am 12.08.2012 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht wäre es an der Zeit,

    die Ethanolproduktion aus Lebensmitteln wie Mais zu verbieten. Über 40% des in den USA angebauten Maises geht für die Ethanolproduktion drauf, also um Maschinen anzutreiben statt Menschen satt zu machen. Die Spekulation auf Lebensmittel tut noch das Ihre zum Desaster und sollte ebenfalls verboten werden. Auch darum verhungern andernorts die Menschen zu Millionen. Erst wenn weltweit keine Hungertoten mehr zu beklagen sind, sollte allfälliger Überschuss anderweitig verwendet werden dürfen.

  • Silvia F. am 12.08.2012 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kalt und Nass

    war der Sommer bei uns. Kulturklima. Man muss sich eben auf eigene Lebensmittel konzentrieren und den Bauern nicht immer Knüppel zwischen die Beine werfen.

  • Paul am 10.08.2012 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    !!!

    Ich denke empfinde diese Dürreperiode als deutliches Zeichen: 10 Mio. Schweizer reichen!

  • Dave am 10.08.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Tja einmal triffts jeden... Muss so sein

    Wer sich nicht ändern will und nicht in die Zukunft denkt, den erwischts halt einfach früher oder später... Wir Menschen sind ja dazu nicht fähig, ausser der aktuelle finanzielle Anreiz stimmt. Da müssen wir nun durch... mal schauen ob sich was andern wird. Z.b das vorhandene Getreide richtig einsetzten... Aber ich denke eher nicht.

  • Martin am 10.08.2012 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Landwirt

    Bemüht man sich die Menschen mit Lebensmitel zu versorgen.Das ist in der Schweiz noch möglich, leider gibt es mehr und mehr Stimmen die die Landwirtschaft abschaffen wollen.