Mobility Pricing

12. April 2015 17:12; Akt: 12.04.2015 17:25 Print

FDP fordert teurere Billette zu Stosszeiten

Zugfahren soll zur Rushhour künftig mehr kosten als in den Randzeiten. Dies fordert die FDP. Experten stehen der Idee kritisch gegenüber.

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Die Züge der SBB sind zu Stosszeiten sehr gefragt. (Bild: Keystone/Dominic Favre)

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Am Abend und am Morgen sind die Schweizer Züge proppenvoll, tagsüber oft halb leer. Mit dem Abend-GA und Online-Rabattbilletten versucht die SBB, dies zu ändern und die Passagierströme besser zu verteilen. Für die FDP und den Wirtschaftsverband Economiesuisse gehen diese Anstrengungen jedoch zu wenig weit: Um die Züge besser auszulasten, fordern sie laut «NZZ am Sonntag» nun einschneidende Massnahmen auf Bundesebene.

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Der Bund soll dafür sorgen, dass die Kosten für ein Billett von Ort und Zeit abhängig sind, so die Forderung. Zu Stosszeiten und auf viel befahrenen Strecken sollen die Pendler mehr bezahlen – zu Randzeiten und auf wenig genutzten Strecken weniger. «So wird die Lenkungswirkung optimiert und langfristig die Verkehrsinfrastruktur entlastet», schreibt die FDP in einer Stellungnahme zur anstehenden Trassenpreisrevision.

Passagierzahlen gleichmässig gestiegen

In der Branche kommt der Vorschlag jedoch schlecht an. Der Verband öffentlicher Verkehr glaubt, die Forderung sei eine Gefahr für das gesamte Bahnsystem. Die Übersichtlichkeit ginge verloren, die Zugangshürden zum öffentlichen Verkehr würden erhöht. Pro Bahn sagt dem Vorstoss gar den Kampf an. «Wir werden uns mit allen Mitteln dagegen wehren», so Verbandspräsident Kurt Schreiber. Die Arbeitnehmer müssten aufgrund der starren Arbeitszeiten zu den Hauptverkehrszeiten im Zug sitzen. «Die Arbeitgeber haben es in der Hand, diese Umstände anzupassen.»

Welche Chancen die Forderung beim Bund hat, ist unklar. Noch 2013 schrieb die Regierung in einem Bericht: «Lösungen wie zeit- oder fahrzeugabhängige Fahrausweise, geschlossene Anlagen oder gar eine Reservationspflicht für einzelne Züge können und sollen in der Schweiz aus Kundenakzeptanzgründen nicht eingeführt werden.» Im vergangenen Oktober dachte Bundesrätin Doris Leuthard jedoch anlässlich des Infrastrukturtags an der Universität St. Gallen laut über das Thema Mobility Pricing nach. Künftig solle für Mobilität zwar nicht mehr, aber anders bezahlt werden, liess die Verkehrsministerin verlauten. Verschiedene Mobility-Pricing-Modelle seien für die Schweiz «grundsätzlich praktikabel».

Auf Anfrage von 20 Minuten zweifelte Rolf Steinegger, Experte für Verkehrssysteme an der ZHAW, den Nutzen von teureren Rushhour-Billette damals an: «Wenn sich die Passagiere etwas besser über den Tag verteilen, führt das höchstens dazu, dass die Infrastruktur etwas langsamer ausgebaut werden muss.» Er befürchtete zudem, dass durch ein solches System soziale Ungerechtigkeiten entstünden. «Überspitzt gesagt: Der Banker vom Paradeplatz könnte noch abends um 17 Uhr mit dem Zug nach Hause, seine Putzfrau hingegen müsste warten, bis es wieder günstige Verbindungen gibt.» Der Bundesrat wird voraussichtlich noch dieses Jahr einen Konzeptbericht zum Thema Mobility Pricing im öffentlichen Verkehr vorlegen.

(hae/jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thierry Gschwind am 12.04.2015 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Flexiblere Arbeitszeiten

    Das Problem ist, dass alle zwischen 7:30 und 8:30 bei Arbeite sein müssen oder wollen. Wenn man den Arbeitszeitbeginn besser verteilen könnte, dann wären die Züge auch weniger voll.

    einklappen einklappen
  • Pendler am 12.04.2015 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss SBB

    Jaaa genau... Schraubt die Preise noch weiter nach oben, es wird Zeit das Auto zu nehmen.

    einklappen einklappen
  • Mike am 12.04.2015 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Sie lernens schon noch

    Kaum gewählt - hier das Resultat. Mal schauen wann es die "Wähler" endlich lernen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arbeitnehmer am 14.04.2015 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair

    Das soll wohl ein Witz sein.... Sollen also wir - das arbeitende Volk - bestraft werden durch höhere ÖV-Preise, damit wir arbeiten gehen können! und die Reichen können weiterhin mit dem Auto in die Arbeit fahren!?!

  • ... am 14.04.2015 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie bitte ?

    Und solch Politiker fahren natürlich auch Bahn ! Ich fahre seit 4 Jahren Bahn und bin von der Dienstleistung der SBB gar nicht zufrieden, unfreundliches Personal, Mangel an Plätzen und einige Ausfälle und Verspätungen. Sehe es nicht ein für solch eine Dienstleistung mehr zu bezahlen!!

  • Harry Grunder am 13.04.2015 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    FDP Bonzen noch länger im Stau

    Liebe FDP Bonzen, wenn ihr das durchbringt, werdet ihr noch länger in Euren Mercedes etc im Stau stehen, weil sich niemand mehr den öV leisten kann. Wie geht das nun schon wieder, höhere Preise, weniger öV Pendler (mehr Arbeitslose?) -> höhere Stückkosten, noch höhere Preise, noch weniger öV Pendler ... doch genau, was wir bezwecken, oder?

  • Flavio am 13.04.2015 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    POLITIKER-GRATIS-SBB-ABO STREICHEN

    Man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben, die Zocken für ihren Teilzeit-Job im Bundeshaus schon genug von den Steuerzahlern ab, und verdienen noch mit div. Nebenjobs genug Geld.

  • Mr.F am 13.04.2015 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich

    Ich kenne das Angebot sehr wohl nur wer mal seinen Job verloren hat und dadurch Schulden gemacht hat und jetzt abzahlt bekommt kein GA auch nicht im Monats Abo! Und ja sonst ist das definitiv eine Lösung nur geht die Rechnung dennoch um den Vergleich! Wie kann es sein das wir so viel mehr Bezahlen und sie immer mehr wollen?