Interne Kommunikation

17. November 2014 07:33; Akt: 17.11.2014 18:57 Print

Facebook im Büro bald offiziell erlaubt?

Das soziale Netzwerk soll bald offiziell Einzug in den Arbeitsalltag halten. Mit «Facebook at Work» können sich Mitarbeiter austauschen und gemeinsam an Projekten arbeiten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das weltgrösste Online-Netzwerk Facebook will laut einem Zeitungsbericht auch bei der internen Kommunikation in Unternehmen mitmischen. Mit «Facebook at Work» sollen sich Mitarbeiter untereinander austauschen und gemeinsam an Dokumenten arbeiten können, berichtete die «Financial Times».

Ausserdem könnten sie sich mit beruflichen Kontakten vernetzen. Die Unternehmensversion soll äusserlich der klassischen Facebook-Website gleichen, aber Nutzern erlauben, berufliche und private Profile zu trennen. Der Dienst werde gerade mit Firmen getestet, hiess es unter Berufung auf informierte Personen.

Veraltete E-Mail-Kommunikation

Der Bedarf an einer Revolution ist unumstritten: Viele Beschäftigte bekommen jeden Tag vorgeführt, wie stark die Informationswege in ihren Firmen veraltet sind. Privat kommen die Neuigkeiten aus Facebook oder dem Kurznachrichtendienst Twitter, für den schnellen Kontakt gibt es WhatsApp, Suchmaschinen wie Google picken sekundenschnell Informationen aus den unendlichen Weiten des Netzes heraus.

Im Büro hingegen herrscht die Kommunikation per E-Mail vor. Unwichtige Mitteilungen werden häufig zu breit gestreut, relevante Fakten dagegen oft ein Geheimnis weniger Empfänger. Das Wissen ist im Intranet oder spezialisierten Datenbanken verteilt, die Mitarbeiter bekommen zu viele Informationen - und oft doch nicht die richtigen.

Ein «Facebook at work», das die Funktionsweise des Onlinenetzwerks in den beruflichen Alltag überträgt, wäre nicht der erste Versuch, das zu ändern. So sagte der französische IT-Dienstleister Atos bereits 2011 den E-Mails intern den Krieg an - weil der Informationsfluss mit ihnen zu schlecht funktioniere.

Umkämpfte Sparte

Inzwischen gibt es viele Werkzeuge, die Abhilfe schaffen sollen. Zum Beispiel firmeninterne Kurznachrichtenplattformen, in denen Informationen auf einen Schlag für viele Mitarbeiter sichtbar sind. Einer der Pioniere, das Start-up Yammer, gehört inzwischen zum Platzhirsch Microsoft, der sein Angebot verstärkt über die klassischen Office-Büroprogramme ausweiten will.

Bei Facebook selbst nutzen die inzwischen knapp 8500 Mitarbeitenden das eigene Netzwerk auch zum beruflichen Austausch. So kommunizieren etwa Produktteams in eigenen Facebook-Gruppen untereinander, wie Mitarbeiter Medien erzählten. Auch Newsfeeds, wie man sie als dem privaten Facebook kennt, oder der Messenger würden für Kurzmitteilungen genutzt.

Einen ersten Hinweis, dass Facebook darüber nachdenkt, dieses System auch anderen Unternehmen schmackhaft zu machen, gab es bereits im Juni. Damals berichtete das Technologie-Blog «TechCrunch» von einem Projekt namens «FB@Work». Details blieben recht vage, aber «TechCrunch» erwähnte bereits, dass die Firmenplattform in London entwickelt werde.

Datenschutz als Sorge

Nun legt die «Financial Times» mit mehr Details nach: Kommunikation in Facebook-Gruppen, Vernetzung mit beruflichen Kontakten, gemeinsame Arbeit an Dokumenten. Der Vorteil für Facebook sind die 1,35 Milliarden Menschen, die sich im Onlinenetzwerk bereits zu Hause fühlen.

Doch die Datenschutzsorgen könnten die Pläne für ein Firmen-Facebook durchkreuzen. Insbesondere nach dem NSA-Skandal sind zum Beispiel die Europäer so misstrauisch geworden, dass amerikanische Cloud-Dienste einer nach dem anderen Rechenzentren auf dem Kontinent eingerichtet haben.

Grosse Konkurrenz

Facebook würde mit einem solchen Schritt viele Rivalen auf einmal angreifen. So wetteifern unter anderem Microsoft und Google darum, Unternehmen eine Plattform für die Arbeit mit Dokumenten zu bieten. Die Verbindung zu beruflichen Kontakten könnte ins Geschäft heutiger Karriere-Netzwerke wie LinkedIn oder Xing schneiden.

Facebook ist das mit Abstand grösste Online-Netzwerk mit über 1,3 Milliarden Nutzern. Allerdings sperren einige Unternehmen Facebook derzeit aus, weil sie befürchten, dass Mitarbeiter zu viel Bürozeit damit verbringen würden.

(sda)