«Akzeptieren oder Gehen»

23. Mai 2018 21:41; Akt: 23.05.2018 21:41 Print

Facebook will vorsichtige Nutzer austricksen

von R. Knecht - Was Datenschutz angeht, sind Nutzer derzeit misstrauisch gegenüber Facebook. Mit diesen Tricks will der Konzern trotzdem an ihre Daten kommen.

So sieht das Formular aus, in dem Facebook-Nutzer wählen können, welche Daten sie preisgeben wollen. (Video: rkn)
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Facebook fordert Nutzer derzeit auf, ihre Dateneinstellungen zu überprüfen. Wie dieses Formular aussieht, sehen Sie im Video. Dabei geht es etwa darum, neue Nutzungsbedingungen zu akzeptieren. Tut man das nicht, muss man Facebook verlassen. «Viele Nutzer wollen heute gar nicht mehr auf Facebook verzichten», sagt Aldo Gnocchi, Unternehmensberater und Digital-Experte, zu 20 Minuten. Für die, die aber unsicher sind, hat sich der Konzern für das Formular einige Tricks ausgedacht:

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• Positive Sprache
Facebook spricht in Bezug auf die neue EU-Datenschutzverordnung von «besonders geschützten Daten». Dazu gehören etwa Religion oder sexuelle Orientierung. Tatsächlich schützen will das Unternehmen diese Daten aber nicht: Nutzer müssen wählen, ob sie diese Informationen komplett von ihrem Profil entfernen oder auch dem Konzern zur Verfügung stellen wollen. Es ist also nicht möglich, etwa seine sexuelle Orientierung den eigenen Facebook-Freunden anzeigen zu lassen, ohne dass diese Information auch zu Werbezwecken verwendet werden könnte.

• Ablehnen ist mühsam
Die von Facebook vorgegebenen Standard-Einstellungen lassen sich mit einem Klick akzeptieren. Anders ist es, wenn man mit diesen Einstellungen nicht einverstanden ist: Wer etwa nicht will, dass Facebook seine religiösen Ansichten nutzt, um Funktionen oder Produkte zu personalisieren, muss sich durch vier Menüs klicken. Auffällig ist, dass Nutzer noch einmal explizit gefragt werden, ob sie die Informationen wirklich entfernen wollen. Umgekehrt ist keine extra Bestätigung nötig, dass man mit den Standard-Einstellungen einverstanden ist.

• Versprechen
«Wenn wir die Daten für die Auswahl von Werbung verwenden, siehst du für dich relevantere Anzeigen», verspricht Facebook seinen Nutzern in der Hoffnung, dass sie einwilligen. Denn der grosse Gewinner ist laut Experte Gnocchi der Konzern – auch wenn Nutzer durch relevantere Anzeigen etwas weniger genervt würden.

• Änderung kaum spürbar
Wer seine «besonders geschützten Daten» auf Facebook löscht, wird darauf hingewiesen, dass er möglicherweise trotzdem Werbung sehen wird, die etwa mit seiner sexueller Orientierung zu tun hat. Das liege an anderen Handlungen, die das Interesse an diesen Themen zeige. «Facebook weiss sowieso, ob ein Nutzer etwa homosexuell ist», sagt Gnocchi zu 20 Minuten. Dank der riesigen Datenmengen, die das Unternehmen hat, müsse das gar nicht explizit angegeben werden.

• Facebook-Entzug angedroht
Der Konzern hat seine Nutzungsbedingungen, Datenrichtlinien und Cookie-Richtlinien aktualisiert. Wer auf den Link «deine Möglichkeiten» für diejenigen, die die Änderungen nicht akzeptieren wollen, klickt, wird eingeladen, sein Konto zu löschen. Das könne nach einigen Tagen nicht mehr rückgängig gemacht werden, lautet die Warnung. Subtil: Das Layout des Formulars suggeriert mit Symbolen in der rechten oberen Ecke, dass auf den Nutzer Nachrichten warten, auch wenn das in Wirklichkeit gar nicht der Fall ist. «Das könnte ein psychologischer Trick sein, um dem Nutzer einen Anreiz zu geben, die Änderungen zu akzeptieren», so Gnocchi.

• Die Zusammenfassung, die keine ist
Im Formular werden Änderungen an den Nutzungsbedingungen zwar aufgelistet, bei genauerem Hinschauen zeigt sich aber, dass es sich dabei nicht um eine richtige Zusammenfassung handelt. So steht etwa, die Veränderungen beträfen Informationen über die Datenverarbeitung. Wer wissen will, was das für Veränderungen sind, muss sich trotzdem den Nutzungsbedingungen widmen. So entsteht der Eindruck, man habe eine Kurzversion des Dokuments gelesen, auch wenn man dessen Inhalt nicht kennt. Das gebe den Nutzern vor allem ein gutes Gefühl, gerade nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica, sagt Gnocchi dazu.

• Angst vor Identitätsdiebstahl
Um Nutzer vor Identitätsdiebstahl zu schützen, setzt Facebook auf Gesichtserkennungstechnologie. Das steht zumindest im Formular. Die Angst vor Identitätsdiebstahl dürfte ein guter Grund für die Verwendung der Technologie sein, sagt Gnocchi. Schliesslich komme es oft vor, dass Datenschnüffler von Personen – auch von solchen, die nicht im öffentlichen Interesse stehen – Profile nachbauen, um so an die Daten anderer zu gelangen. Zudem weiss Gnocchi von keiner konkreten Methode, mit der Facebook derzeit die Bilddaten fürs Profiling oder zu Werbezwecken nutzt, und glaubt auch nicht, dass das Unternehmen das tun würde.

Facebook betont, dass Nutzer diese Einstellungen auch im Nachhinein jederzeit wieder ändern können.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kein Internetheld am 23.05.2018 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    braucht man nicht

    krass. ich nutze schon 2 Jahre kein Facebook. kein Instagram und kein Twitter. es geht gut ohne

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  • Kay Bedarf am 23.05.2018 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit mir nicht

    habe meinen account vor 3 wochen deaktiviert.

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  • Gipfeli am 23.05.2018 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironischerweise....

    Alle beschweren sich über Facebook und wie unsicher ihre Daten sind, während sie auf ihrem Smartphone im McDonalds Wlan rumsurfen. Doppelmoral läuft bei euch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • FunkytownBern am 24.05.2018 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Facebook ade

    Ich habe meinen Account vor 3 Jahren gelöscht. Mir fehlt nichts,und ich kann mich aufs wesentliche konzentrieren. Fishing for compliments ? No thanks :-)

  • Rico S am 24.05.2018 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Geschäftsmodell sind die Daten der Kunde

    Wer sich mit Facebook einlässt, weiss, dass seine Daten damit Facebook zur freien Verfügung sind. Das war immer so und wird so bleiben, solange es Facebook gibt. Das ist das Geschäftsmodell von Facebook auch wenn die amerikanische Untersuchungskommission des Kongresses das scheinbar nicht gemerkt hat und die Abordnung des EU-Parlaments noch viel weniger. Darum wird es genau so weitergehen. Zuckerberg hatte ein leichtes Spiel mit den Politikern, die sich besonders in Europa vor ihm nur selber wichtig machten und dem mässigen Kommunikator so ein leichtes Spiel bereiteten.

  • Ramses am 24.05.2018 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Internet-Leichen...

    Wusste gar nicht dass die olle Plattform noch benutzt wird...Wieviele Internet-Leichen sich da wohl tummeln?

  • Mina am 24.05.2018 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    ich lebe glücklich und zufrieden

    Ich hatte noch nie ein Facebook-Account und lebe immer noch glücklich und zufrieden mit einer handvoll echten Freunden, die auch in weniger guten Zeiten für mich da waren/sind

  • John Hunki am 24.05.2018 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nie

    Facebook hatte ich schon von Anfang an nicht vertraut und heute bestätigt es sich immer mehr. Bin froh hatte ich nie kFb. Benüzt.

    • No FB am 24.05.2018 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John Hunki

      Klug und weise :-)

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