Libra

27. August 2019 12:52; Akt: 27.08.2019 12:52 Print

Facebooks Weltwährung ist praktisch tot

von Raphael Knecht - Der Widerstand gegen die Weltwährung von Facebook ist gross – die Zweifel, ob Libra es jemals auf den Markt schafft, steigen.

So will Facebook mit seiner eigenen Währung unser Leben verändern. (Video: RKN)
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Bereits in der ersten Hälfte des kommenden Jahres soll Facebooks Kryptowährung Libra auf den Markt kommen (siehe Box). Vergangene Woche trafen sich Abgeordnete des US-Repräsentatenhauses mit Vertretern der Schweizer Finanzbehörden – denn die Digitalwährung soll von der in Genf ansässigen Libra Association verwaltet werden. Das Ergebnis der Gespräche ist noch unbekannt.

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Der Widerstand gegen Libra ist...

Doch Experten zweifeln zunehmend daran, ob es mit der Devise des amerikanischen Techkonzerns überhaupt noch klappen wird: «In der Form, wie Facebook die Währung angekündigt hat, wird sie wohl gar nicht erscheinen», vermutet etwa Christoph Kley, Finanzexperte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Das sind die Gründe für die Zweifel:

Regulatorischer Widerstand

Insbesondere in den USA hat Facebook mit wesentlich mehr Widerstand zu kämpfen, als die Firma erwartet hatte, wie Kley sagt. Die Regierung und die Notenbank (Fed) seien nicht von der Idee einer Weltwährung aus dem Hause Facebook begeistert: «Die Fed will den Dollar als wirtschaftspolitisches Instrument erhalten – eine globale Konkurrenzdevise könnte dieses Ziel gefährden.»

Druck auf Partner

Bei der Lancierung vor zwei Monaten konnte Facebook eine ganze Liste von Partnern vorweisen, die bei Libra dabei sind. Viele davon – etwa Mastercard, Uber und Paypal – haben auf Anfragen von «Business Insider» jedoch nicht bestätigen wollen, dass sie das Projekt immer noch unterstützen. Laut Kley ist denkbar, dass die US-Politik schon jetzt Druck auf die Partner macht, sich von der Idee einer Weltwährung zu distanzieren.

Vorsichtige Finma

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) hat bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für Libra mitzureden. Dabei dürfte man sich nach den Wünschen der US-Politik richten, so Kley. Weil die Amerikaner signalisieren, dass sie Libra nicht gut finden, werde die Finma besonders vorsichtig sein. In der aktuellen Form hat Libra darum keine Chance: «Facebook wird noch einmal über die Bücher gehen müssen», sagt Kley. Aber selbst eine gestutzte Version des Projekts werde wohl kaum schon Anfang 2020 bereit sein.

Fehlendes Vertrauen

Die Stärke einer Währung ist vom Vertrauen in sie abhängig. Dass ausgerechnet Facebook eine Weltwährung lancieren will, ist darum überraschend: «Die Firma hat ein massives Vertrauensproblem», so Kley. Facebook habe wiederholt gezeigt, dass man den Versprechen des sozialen Netzwerks nicht trauen könne. So hat Facebook etwa bei der Übernahme von Whatsapp versprochen, dass die Daten aus der App nicht in die Werbeprofile des Unternehmens integriert würden. Mittlerweile tut die Firma das aber doch. «Solange Facebook nicht zu seinem Wort stehen kann, wird eine solche Währung wenig Akzeptanz finden», sagt der Experte.

Warnung an Investoren

Selbst Facebook selbst scheint nicht wirklich von Libra überzeugt zu sein – in einem Schreiben an Investoren warnte der Konzern kürzlich: «Es kann nicht garantiert werden, dass Libra fristgerecht oder überhaupt lanciert wird.» Der Grund sei einerseits die Skepsis der Behörden und andererseits, dass dem Unternehmen die Erfahrung mit Digitalwährungen und Blockchain fehle.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Spock am 27.08.2019 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte nicht noch mehr

    Macht und Kontrolle für Zucki. Der Konzern ist jetzt schon kaum noch kontrollierbar.

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  • kalauer am 27.08.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    noch nie gebraucht

    Man braucht nicht alles was es gibt. Habe diese Firma noch nie gebraucht!

  • Reto P. am 27.08.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Seit nicht so bequem.

    Alleine Bitcoin braucht soviel Strom wie die ganze Schweiz in einem Jahr. Diese Digitalisierung ist sowas von umweltfeindlich, menschenfeinlich und klimaschädigend. Dieser Forschritt ist einzig ein Fortschritt zum totalen Blackout.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni am 03.09.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    ist doch praktisch

    Immer diese jammeries, ist doch praktisch. Nurnoch Facebook APP zum bezahlen. Es braucht bald keine Brieftasche mehr zum mitschleppen.

  • Marco C. am 28.08.2019 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Datenkrake FB

    Sie wissen jetzt schon alles und wollen auch noch wissen, für was ich mein Geld ausgebe? Nein danke, ohne mich! Niemals!

  • Widerlich am 28.08.2019 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen wir das

    Facebook auch stirbtL

  • cookie am 28.08.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Libra ist keine digitale Währung

    Die Libra entsteht nur mit Bargeld-Einzahlungen und Auszahlungen. Sie ist alles andere als digital. Auch mit Blockchain hat sie nicht zu tun, da Blockchain von Anfang bis Ende dokumentiert sein muss, dies ist mit Bargeld nicht gegeben. Libra wäre einen weiteren Topf für Schwarzgeld und Geld aus der Kriminalität zu waschen. Schon heute schwirren jährlich über 300 Milliarden aus und in Europa herum via Western Union & Co.

    • Pfreak am 28.08.2019 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @cookie

      du kannst btc, eth und alles andere per sofortüberweisung/kreditkarte kaufen. darum gibts kyc!

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  • Der Professor am 28.08.2019 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Facefracture

    "Facebook" generell & alle übrigen Plattformen sind Mumpitz & tragen zu Abschottung & Intelligenz Mangel in der heutigen Gesellschaft bei. Gut, wenn dieselben für immer verschwinden . . .