Bildungsrendite

07. Juli 2014 23:07; Akt: 07.07.2014 23:07 Print

Fachhochschule lohnt sich mehr als Uni

von Yves Hollenstein - Ökonomen haben ausgerechnet, wie gut sich eine Ausbildung im späteren Berufsleben auszahlt. Überraschend: Ein Fachhochschul-Abschluss rentiert mehr als die Uni – zumindest für Eilige.

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Wer investieren will, soll Aktien und Immobilien kaufen, lautet ein Credo aus der Finanzwelt. Gewinnbringend kann jedoch auch eine Investition in die eigene Bildung sein, wie eine aktuelle Studie der UBS zeigt. Die Grossbank hat dafür die sogenannte Bildungsrendite für verschiedene Abschlüsse wie Berufslehre, Maturität oder Studium berechnet.

Das Ergebnis zeigt: Bildung lohnt sich. Auf jeder Ausbildungsstufe ist der zukünftige Ertrag höher als die zuvor getätigte Investition. Das heisst: Der höhere, durch die Ausbildung resultierende Lohn ist im Durchschnitt höher als die Kosten für die Ausbildung und der in der Ausbildungszeit entgangene Lohn.

Am meisten profitieren die Abgänger einer Fachhochschule FH. Bei Männern wirft der FH-Abschluss eine durchschnittliche jährliche Rendite von über zehn Prozent ab. Bei ihren Kolleginnen sind es knapp neun Prozent. Das ist mehr als ein Aktien-Investment. Wer an der Börse Papiere kauft, erzielt damit im Schnitt acht Prozent Rendite.

Frauen bei der Berufsbildung vorne

Ein Uni-Titel bringt Männern eine Bildungsrendite von knapp sechs Prozent, Frauen nur etwas mehr als zwei Prozent. Dass die Frauen den Männern hinterherhinken, hat laut den UBS-Ökonomen damit zu tun, dass Frauen auch bei höherer Ausbildung eine geringere Erwerbsbeteiligung (Teilzeit, Mutterschaft) aufweisen und niedrigere Löhne als die männlichen Kollegen erzielen.

Sehr lohnend ist für Frauen hingegen eine Berufslehre. «Frauen erhöhen damit ihre Chancen auf ein höheres Einkommen massiv», begründete UBS-Chefökonom Daniel Kalt am Montag in Zürich an einer Medienveranstaltung. Männer können jedoch auch ohne Lehre einen relativ hohen Lohn erzielen – beispielsweise als Hilfskraft auf dem Bau.

Warum aber schlägt ein FH-Abschluss mehr zu Buche als ein Uni-Abschluss? Diese Frage lässt mit der Dauer der Ausbildung erklären. Ein Studium an einer Universität nimmt um die sieben Jahre in Anspruch, meist gefolgt von weiteren Praktika. Einen FH-Titel hat man jedoch bereits nach drei Jahren in der Tasche. Da die Ausbildung oft sehr praxisnah ist, finden FH-Abgänger meist schnell eine adäquate Stelle. Viele absolvieren das Studium zudem berufsbegleitend, wodurch sich die Investitionskosten für die Ausbildung senken.

Grosse Lohndifferenzen

Ein Ausbildung ist also auch aus ökonomischer Sicht eine Investition in die Zukunft, die von immer mehr Personen genutzt wird. Laut der UBS ist der Anteil der Uni- und FH-Absolventen in der Schweiz im letzten Jahrzehnt auf 40 Prozent hochgeschnellt.
«Dies auch, weil in immer mehr Berufsfeldern ein solcher Abschluss verlangt wird», sagt Ökonom Kalt.


Dennoch sei aber auch eine gute Ausbildung noch keine Lohngarantie. Gemäss der neusten Lohnstrukturerhebung liegt der Median-Lohn bei einem universitären Abschluss bei rund 10'500 Franken. Ein Viertel der Uni-Abgänger verdient aber mehr als 14'000 Franken und im Gegensatz dazu ein Viertel weniger als 8'000 Franken. Die UBS-Experten schliessen aus diesen Schwankungen, dass die Höhe des Lohnes auch von der Berufserfahrung, dem Alter und den individuellen Kompetenzen abhänge.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. FH am 08.07.2014 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    FH ing

    ...leider wird immer wieder vergessen, das (zumindest die meisten) FH Studenten eine Lehre von min. 3 üblicherweise 4 Jahren absolviert haben, zusätzlich die Berufsmaturität von 1 Jahr.... Harte Arbeit!!

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  • C. Meyer am 08.07.2014 00:02 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsächlich?

    "Die UBS-Experten schliessen aus diesen Schwankungen, dass die Höhe des Lohnes auch von der Berufserfahrung, dem Alter und den individuellen Kompetenzen abhänge." - Das sind ja mal Erkenntnisse... Sind das die gleichen "Experten", die auch an der Börse spielen?

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  • Jio am 08.07.2014 05:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gemäss Berufsberatung

    hängt der Lohn nach dem Uni-Studium auch stark von der Studienrichtung ab, weil teilweise irgendwie 30% der Uni-Abgänger keinen Job auf dem entsprechenden Fach finden. (Geschichte war meines Wissens so ein Beispiel)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Elite am 08.07.2014 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Beste an der Uni ist:

    ...dass nicht jeder hingehen darf. Da trennt sich die Spreu vom Weizen ;-)

    • Realistin am 08.07.2014 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Dummschwätzer

      Also die spreu in der uni, der weizen in der FH und in der berufsbildung.

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  • Manfred F. am 08.07.2014 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    FH Studium

    Immer wieder lustig, wie sich Leute mit einem 8-17 Uhr Job und sonst keinerlei Verpflichtungen haben über Studierende aufregen. Schlussendlich versuchen wir wenigstens etwas zu erreichen, anstatt immer nur über den Chef und die Wirtschaft zu motzen. Wenn es zudem so einfach ist, warum hat dann nicht jeder einen Abschluss. Klar sind wir als BB-Studierende nicht non-stop am Anschlag. Ich will auch nicht rumjammern, aber die letzten drei Wochen vor den Prüfungen sind wirklich kein Zuckerschlecken. Ausserdem hilft es einem den Horizont zu erweitern.

  • Peter Glaudemanns am 08.07.2014 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Unrealistische high-flyer Roboterisierun

    Diese high-flyer Roboterisierung von Spezialisten wie sie heute verlangt wird hat nichts mehr mit dem Wesen Mensch zu tun. Auf diesem Niveau kann ein Spezialist heute gut 15 Jahre up-to-date und entspr. gefragt sein. Danach bist Du überqualifiziert oder einfach nicht mehr aktuell. Das muss in die Karriereplanung miteinbezogen werden. Ab 40ig hat man von diesem unmenschlichen Zyklus langsam die Nase voll. Das Problem ist nicht Fachkräfte Mangel aber unrealistische Anforderungen an Menschen eines überzüchteten Systems.

  • Student am 08.07.2014 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber...

    Eliteunis wie ETH oder HSG lohnen dich immer!

    • Mlaw am 08.07.2014 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nur...

      Sehe ich auch so, und darüber hinaus kann man eine Universität doch nicht mit einer Fachhochschule vergleichen. Das sind Welten. Mir ist diese Diskussion ansonsten egal, denn Gott sei Dank betrifft sie uns Juristen nicht! Studier weiter und hol dir dein Diplom, wünsche Dir als "Ex-Leidensgenossen" viel Erfolg! ;-)

    • Auch Student am 08.07.2014 14:46 Report Diesen Beitrag melden

      HSG?

      HSG ist sicher keine Eliteuni ;)

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  • Patrick Schmidt am 08.07.2014 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Lehre ist das A und O

    ich habe mal ausgerechnet. Ich bin 29 und habe bereits meine erste Million verdient. Ich habe "nur" eine 3 Jährige KV Lehre absolviert. Ein Freund von mir, ist gestern 29 geworden und hat den Doktor in Chemie. er lebt vom RAV und hat noch keinen eigenen Franken verdient. Zum Glück habe ich nie studiert.

    • Kain Wunder am 08.07.2014 14:11 Report Diesen Beitrag melden

      Doktor

      Schön. Dein Chemiedoktorfreund wird seine Million bereits in ein paar Jahren verdienen, die zweite Million wird dann auch nicht lange auf sich warten lassen und wenn er erstmal dein Vermögen überholt hat, wirst du ärgerlich auf deine nur mit Arbeit verbrachten Teenager- und 20er Jahre blicken. Zum Glück hat er den Doktor in Chemie gemacht, grüss ihn nett von mir.

    • Adam Riese am 08.07.2014 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      Sträflich verallgemeinert

      Ich glaube nicht, dass man das so verallgemeinern kann. Vom Einzelfall kannst Du nicht auf alle schliessen. Ich bin nicht viel älter als Du, habe studiert (sogar ein vermeintlich brotloses Studium) und schon weit mehr als zwei Millionen verdient. Was leitest Du daraus ab?

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