Preisexplosion

19. Februar 2011 09:29; Akt: 19.02.2011 09:54 Print

Fällt Chinas Monopol auf Seltene Erden?

von Daniel Lüchinger, AWP - China hat mit 97 Prozent Marktanteil faktisch ein Monopol auf Seltene Erden. Wegen der Preisexplosion könnte sich dies aber bald ändern.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Seltenen Erden sind begehrte Metalle, die zum Beispiel für die Produktion von Handys und Computern notwendig sind. Anders als der Name suggeriert, sind die Materialien nicht rar. Allerdings hat China mit einem Anteil von 97 Prozent an der Weltförderung faktisch ein Monopol.

In letzter Zeit sind Seltene Erden vermehrt in den Blickpunkt des Interesses geraten, nachdem China seit 2005 kontinuierlich die Ausfuhrmengen gesenkt hat. Am meisten aufgeschreckt hat die Ankündigung Pekings, im ersten Halbjahr 2011 die Ausfuhrmenge gegenüber der Vorjahresperiode um 35 Prozent zu kürzen.

Bereits 2010 sind aufgrund des knapperen Angebots bei einigen der Metalle die Preise um bis zu 700 Prozent gestiegen. Kommentatoren diskutieren, ob China damit nur hohe Preise herausschlagen will, oder ob politische Motive dahinterstecken. Demnach will China verarbeitende Industrien ins Land locken und Zugang zu den Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts gewinnen.

Eingesetzt werden die Seltenen Erden nämlich nicht nur in der Elektronik, sondern auch in den so genannten grünen Technologien wie Windturbinen und Hybridfahrzeugen. Dazu benötigt sie auch die Rüstungsindustrie zum Beispiel für Raketen und Radarsysteme.

Unbegründete Angst

Die Angst vor einem Engpass bei den Rohstoffen oder einer erzwungenen Ansiedlung der verarbeitenden Industrie in China scheint jedoch übertrieben. Der Punkt ist vor allen, dass es momentan keinen alternativen Anbieter zum Reich der Mitte gibt, da dort bisher konkurrenzlos billig produzieren werden konnte.

Dies dürfte sich aber bald ändern. Die stark gestiegenen Preise haben die Förderung der Rohstoffe für andere Anbieter wieder attraktiv gemacht. So kündigte die australische Lynas Corporation an, dass die Mine am St. Mount ab Ende 2011 rund 20 000 Tonnen Seltene Erden pro Jahr liefern werde.

Auch in den USA und in Kanada gibt es ähnliche Projekte. Interessant ist, dass die Unternehmen mit neuen Produktionsverfahren die Kosten reduzieren wollen. Demnach sollen die Gewinnungskosten auf rund die Hälfte der gegenwärtig in China anfallenden Kosten sinken.

Preise fallen ab 2014

Durch den Markteintritt neuer Anbieter dürfte ab 2014 mit einer Entspannung der Preise gerechnet werden, erklärte Pierre-Yves Bolinger, Rohstoff-Experte der Credit Suisse.

Der Experte geht, konform mit den Schätzungen anderer Institute, von einem steigenden Bedarf der hochtechnologischen Industrie an Seltenen Erden aus. War die Nachfrage nach den Rohstoffen Ende 2010 noch bei 125 000 Tonnen weltweit, so dürfte der Bedarf bis 2015 auf etwa 200 000 Tonnen jährlich ansteigen.

Politik schaltet sich ein

Neben den USA ist vor allem Japan besorgt, neben China der Hauptverarbeiter Seltener Erden. Nach der Krise um die Verhaftung eines chinesischen Fischers durch die japanische Küstenwache haben mehrere japanische Unternehmen geklagt, dass die Lieferung Seltener Erden unterbrochen worden sei.

Die politischen Spannungen dürften sich jedoch entschärfen, wenn die neuen Anbieter am Markt erscheinen. Japan hat sich im vergangenen Monat vertraglich einen Teil des Ausstosses aus der australischen St. Mount-Mine gesichert. Ebenso will die Regierung beträchtliche Summen zur Förderung des Abbaus Seltener Erden bereitstellen.