Fakes aus Asien

01. Dezember 2016 12:35; Akt: 01.12.2016 12:35 Print

Fälscher hebeln Schweizer Uhrenbranche aus

von K. Wolfensberger, Biel - Fälscher verkaufen im Internet millionenfach Kopien von Schweizer Uhren. Der neuste Trick: Sie lassen auf Fotos die Marken-Logos weg. Damit wird die Verfolgung massiv erschwert.

Wie erkennt man eine Uhrenfälschung? Das zeigt Uhrmacher David Luther vom Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH in Biel.
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In einer grossangelegten Razzia gegen Markenpiraterie hat die europäische Polizeibehörde Europol letzte Woche mehr als 4500 Verkaufsseiten im Internet gesperrt, über die gefälschte Markenartikel verkauft wurden.

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Mehrere Millionen Inserate musste auch schon der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH, Mitglied von Stop Piracy Schweiz, in diesem Jahr bereits auf Online-Plattformen löschen lassen, wie er auf Anfrage von 20 Minuten mitteilte. Grund: Bei den angebotenen Uhren handelte es sich eindeutig um Fälschungen von Schweizer Uhren. Hauptverdachtsmerkmal war meist der viel zu tiefe Preis. Besonders häufig fanden sich die Annoncen für die Kopien auf chinesischen Marktplätzen wie Aliexpress oder Wish.

Da diese Plattformen inzwischen relativ gut mit dem FH kooperieren und für diesen auf Anfrage gegen die Produktpiraten vorgehen, haben sich die Verbrecher nun eine neue Strategie zurechtgelegt: Sie verzichten auf die Verwendung von Markennamen bei der Annoncen-Schaltung. Dabei gehen sie so weit, dass sie bei den Fotos in den Anzeigen mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop das Logo der Marken entfernen.

Anzeigen nur schwer löschbar

Dem Verband FH wird es somit fast unmöglich gemacht, die entsprechenden Anzeigen löschen zu lassen. Erst wenn beim Schweizer Zoll ein entsprechendes Paket beschlagnahmt wurde, können die Anbieter auf den Marktplätzen gesperrt werden. Auch für die Käufer hat eine solche Beschlagnahmung sehr unangenehme Folgen. Sie müssen zwar keine Busse bezahlen, meist werden ihnen aber durch die Markeninhaber die Kosten für die Überprüfung und Vernichtung der Fälschung durch den Zoll in Rechnung gestellt. Kostenpunkt: zwischen 250 und 300 Franken.

Besonders ärgerlich für die Kunden: Da das Logo der Uhrenmarke auf dem Foto durch die Bearbeitung des Bildes entfernt wurde, ist vielen gar nicht bewusst, dass sie eine gefälschte Schweizer Markenuhr kaufen. Sollte es das Paket dann trotzdem durch den Zoll schaffen, sind sie sogar erstaunt, dass sie beispielsweise eine Audemars Piguet in der Hand halten. Wird die Uhr hingegen durch den Zoll vernichtet, so haben die Käufer meist das Nachsehen, da sie den Kaufpreis bereits an die Fälscher überwiesen haben.

Kunden sollten vorsichtig sein

Michel Arnoux rät Käufern von Uhren auf Marktplätzen wie Aliexpress und Wish daher zu besonderer Vorsicht. Der Romand ist Chef der Fälschungsabteilung des FH. Zu 20 Minuten sagt er, dass der Schweizer Zoll dieses Jahr bereits knapp 1200 Pakete mit gefälschten Schweizer Uhren beschlagnahmt habe. «Jedesmal haben wir bestätigt, dass es sich um eine Fälschung handelte», so der Experte.

Um mit den Fälschern aus China Schritt halten zu können, beschäftigt der FH auch selbst Uhrmacher. Diese nehmen die beschlagnahmten Uhren in einem eigenen Labor in Biel auseinander und analysieren die Einzelteile. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse nutzen sie, um das Zollpersonal zu schulen. Dabei gilt: Steht auf einem Paket aus China in der Deklarationsbeilage «Geschenk/Uhr», dann ist der Fall für die Zöllner bereits klar. Es handelt sich um eine Fälschung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zu Spät am 01.12.2016 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die andere Sichtweise

    Einer der sich eine echte Top-Uhr leisten kann, kauft keine gefälschte. Wer eine gefälschte Uhr kauft, kauft aus finanziellen Gründen kein Original. Das heisst, dass der effektiv entgangene Umsatz für die Hersteller eher gering ist. Eigentlich sind die Leute, die mit Fälschungen rumlaufen die idealen Werbeträger und nützen der Uhrenindustrie - sie sagen mit dem Tragen einer solchen Uhr implizit aus: "Diese Marke würde ich tragen, wenn ich es mir leisten könnte". Viele dieser Originale sind so überteuert, dass mir der Spruch einfällt: Haltet den Dieb, haltet den Dieb, ruft der Dieb.

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  • No Lex am 01.12.2016 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Schaden wird massiv überbewertet

    Wenn ich für 20000Fr eine Uhr kaufen kann oder will, gebe ich mich nicht mit einer Fälschung zufrieden. Schließlich lässt sich Platin rein optisch ja auch nicht von Weissgold unterscheiden. Trotzdem werden sie gekauft obwohl sie nochmals deutlich teurer sind. Umgekehrt: Wenn ich mir keine Uhr für 20000 leisten kann, geht kein Franken Umsatz verloren. Egal ob ich eine Fälschung kaufe oder nicht.

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  • Mike Zürcher am 01.12.2016 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wäre gern jemand wichtiger...

    Wenn du deinem Outfit nicht würdig bist, kaufst du gefälschte Artikel. Man sieht es vielleicht den Artikel fast nicht mehr an, aber den Personen, die sie herumtragen merkt man sofort an, dass diese nicht echt sein kann. Ich würde mich schämen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Crigs am 03.12.2016 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AUSWÜCHSE VON UHREN

    Hublot "Big Bang" ist ein Armbandchronometer und kostet stolze 5 Millionen SFr. Jaeger-LeCoultre hat die komplizierteste Armbanduhr der Welt. Sie besteht aus 1300 Einzelteilen. Die neue Version von Hybris hat ein Gyrotourbillon um 2 Achsen ! Sie kostet 1,8 Millionen SFr. Hoffentlich sind Sie so richtig neugierig geworden, noch mehr über Uhren lernen zu wollen. Ich rate Ihnen: Seien Sie vorsichtig vor dem Wahnsinn ! Falls Sie sich für die Forschung interessieren, dann wünsche ich Ihnen nur viel Lebensfreude und Spass mit Mathematik und Physik !

  • Crigs am 03.12.2016 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GESCHICHTE DER ZEITMESSUNG

    Die Accutron von der Uhrenfabrik Bulova (später Mido) in Biel schrieb Geschichte. Es war die erste Armbanduhr auf dem Mond ! Später folgten Omega, Fortis, .... und wer immer es sich leisten konnte, Werbung mit dem Mond zu machen ! Mythen, Legenden, Nostalgien, .... verführen meistens die Menschen ins Träumen, Schwärmen, ins Abgehobensein ! Ich nenne es schlicht: Wahnsinn ! Die Accutron war der genauste Chronometer seiner Zeit. Heute gehört auch diese Uhr auf den Müll. EcoDrive von Citizen ist neben meiner Apple Watch ein treuer Begleiter. Keine Wartungen und angenehm zu tragen. Titan !

  • Crigs am 02.12.2016 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WIRTSCHAFTSWUNDER IST TEMPI PASSATI

    1957 patentierte Hans Kocher von der Uhrenfabrik Büren AG und Universalt seinen "Planetenrotor", Kaliber 1000A. Er galt lange Zeit als das flachste automatische Uhrwerk der Welt. Ich trug als Sekundarschüler der 7. Klasse so eine Uhr ! Mit "uhrforum.de/die-uhren-der-50er-60er-jahre-t198030" können Sie mehr zu diesem "Wirtschaftswunder" erfahren. Heute ist alles Tempi passati ! Ich trage nun eine Apple Watch ! Die Büren Watch landete im Müll !

    • Gottfried Stutz am 03.12.2016 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Crigs

      Schade, ihre Büren Watch hätte mich sehr interessiert :-)

    • Crigs am 03.12.2016 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gottfried Stutz

      Damals kostete die Büen Watch in Edelstahl rund SFr. 600.- Das war damals viel Geld für einen Schüler !!!!

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  • Crigs am 02.12.2016 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    LUXURY 18K SOLID GOLD APPLE WATCH 2 DIAMOND ECSTAS

    Heute trage ich die Apple Watch. Ich bin ein Mensch der Postmoderne. Mit dieser Uhr habe ich viel mehr als mit irgend einem Luxusticker ! Ich habe GPS, Remote Foto Watch, Music, E-Mails, Infos, Alarm, Agenda, ....Sie kostet nur SFr 17'500.- und ist aus 18 karätigem Gold. Die Luxury 18 K Solid Gold Apple Watch 2 Diamond Ecstasy kostet 144'233 SFr. Sie ist wunderbar !

  • Mike Meier am 02.12.2016 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Innovationen nötig

    Die Schweizer Uhrenindustrie hat ein grosses Fachwissen. Sie müsste aber endlich aufwachen und wirklich innovative Produkte herstellen. Wohlverstanden nicht nur Uhren. Das Uhrenhandwerk dürfte zwar noch einige Zeit bestehen bleiben, aber in hundert Jahren wohl inexistent sein. Eine Armbanduhr braucht's dann kaum mehr.

    • Crigs am 03.12.2016 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike Meier

      Zeitmessung ist in der Forschung an die erste Stelle zu setzen. Je genauer die Zeit gemessen werden kann, umso tiefer ist unser Verstehen von der Natur ! Hier kann die Schweiz schlicht nichts mehr bieten. Nostalgie ist out und höchstens nur noch bei den Reichen in ! Es sind die USA, die die Forschung anführen und uns immer tiefer ins Universum blicken lassen. Es sind die USA, die die Zirkonkörner von Jack Hill, Pilbara, Western Australia datieren konnten und mit 4.404 Milliarden registrierten. China holt auf und rangiert mit Sunway Taihu Light (93 Petaflops) an erster Stelle. Was kommt ?

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