Heikle Partnerschaft

02. Oktober 2019 17:22; Akt: 02.10.2019 17:22 Print

Was der CS-Skandal für Roger Federer bedeutet

Der Tennisprofi macht Werbung für die Grossbank. Doch diese blamiert sich derzeit international. Ist Federers Image in Gefahr?

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Hier, im September 2019, traf Roger Federer auf Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam. Der Tennisspieler steht bei der Schweizer Bank als Werbebotschafter unter Vertrag. Sechs Millionen Franken gibt die Bank für diese Zusammenarbeit aus. Jetzt aber überschattet die CS die hausgemachte Beschattungsaffäre. «Roger Federers Werte, die mitunter auch die Credit Suisse für sich beansprucht, stehen im klaren Widerspruch mit dem aktuellem Handeln der Bank», sagt Experte Hans-Willy Brockes. Doch Federer dürfte kein Nachbeben erleben: «Dem Sportler droht wegen der Sache kein Imageschaden», sagt Brockes. Und die Credit Suisse teilt mit, die Zusammenarbeit mit den Sponsoringpartnern bleibe unverändert. Roger Federer ist auch für andere Schweizer Firmen ein Aushängeschild. So ist er etwa bei Lindt & Sprüngli unter Vertrag. George Clooney hat Nespresso, Federer Jura: Der Tennisstar ist seit über zehn Jahren auch Markenbotschafter dieser Schweizer Kaffeemaschinen. Auch wirbt der Schweizer für Rolex. Eher neuer ist er auch ein Werbegesicht von Sunrise. Auch Mercedes konnte den Superstar engagieren. Roger Federer wird immer mehr zur Luxusmarke. 2018 hat er einen Vertrag mit Rimowa unterzeichnet. So posiert er auch mit dem luxuriösen Reisegepäck des deutschen Herstellers, der zum französischen Luxusgüter-Imperium LVMH gehört. Weiter geht der Luxus: Moët & Chandon, Marktführer für Champagner, ist Sponsor des Sportlers. Im vergangenen Jahr widmete das Unternehmen Federer eine eigene Champagner-Kollektion. Der Verkaufserlös der 20 Magnum-Flaschen, die produziert und zu einem Preis von rund 20'000 Euro verkauft wurden, kamen der Roger Federer Foundation zugute. Hinzu kommt auch noch ein Vertrag mit dem Privatjetvermittler Netjet. Doch Roger Federer ist wandelbar, er macht nicht nur in luxuriöser Umgebung eine gute Falle. 2018 wurde auch ein Deal mit dem Pastaproduzenten Barilla abgeschlossen: Ende Jahr konnte das Federer-Team einen Fünfjahresvertrag über geschätzte 3 Millionen Dollar unter Dach und Fach bringen. Nach Nike ist nun die japanische Marke Uniqlo der Ausrüster des Superstars. Beste Werbung für die aufstrebende Kleidermarke. Eine innige Partnerschaft gibt es auch mit der Schläger-Marke Wilson. Federer hat mit dem Schläger-Hersteller einen «lebenslangen» Vertrag ausgehandelt.

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Die Credit Suisse (CS) erlebt derzeit hektische Tage: Über den hausgemachten Beschattungsskandal rund um Iqbal Khan wird seit Tagen international berichtet. Dies ist nicht gerade förderlich für das Ansehen der Schweizer Grossbank.

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Roger Federer soll ...

Doch ansonsten ist das Bestreben der Credit Suisse, bei Kunden und Partnern Vertrauen zu erwecken, gross: Mit Tennis-Superstar Roger Federer etwa hat die Bank einen gewichtigen Botschafter an Bord. Rund sechs Millionen Franken soll die Bank jährlich ausgeben, um mit Federers Werten zu werben. Laut der CS-Website sind dies: «Schweizer Weltklasse. Globales Denken. Starke Werte. Beständiges Streben nach überdurchschnittlicher Leistung. Zielstrebigkeit. Philanthropie.» Doch was bedeutet die aktuelle CS-Affäre für den Tennisspieler?

«Eine brisante Angelegenheit», sagt Sponsoringexperte Hans-Willy Brockes, «eine Sponsoring-Partnerschaft wie die mit Roger Federer steht im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Und natürlich wird sofort hinterfragt, wie ein so prominenter Botschafter die Vorgänge bei der Credit Suisse beurteilt.» Doch ganz klar sei: «Federer hat mit der ganzen Sache natürlich nichts zu tun.» Vom Botschafter hat es bislang auch keinen Kommentar zum Skandal gegeben.

Skandal erschüttert Roger Federer kaum

Das Schweigen des Superstars sei korrekt: «Wie die Bank sich nicht einmischt, wenn Roger Federer Tennis spielt, mischt sich der Gesponserte auch nicht in das Business der Bank ein», sagt Brockes. So glaube er auch nicht, dass Federer der Credit Suisse jetzt den Rücken zukehren werde – in einer solchen Partnerschaft müssten auch mal Irritationen ausgeharrt werden. Während das Management von Roger Feder auf eine entsprechende Anfrage nicht reagierte, teilte die Credit Suisse mit, die Zusammenarbeit mit den Sponsoringpartnern bleibe unverändert.

Auch Federer dürfte kein Nachbeben erleben: «Dem Sportler droht wegen der Sache kein Imageschaden», sagt Brockes. Diese Einschätzung teilt auch Markenexperte Kaspar Loeb: «Die Beschattungsaffäre kann Roger Federer nichts anhaben. Hierfür ist er selber eine zu starke Marke.» Viel eher könne der Tennisprofi jetzt der CS dienen: «Roger Federer hat bekanntlich weltweit eine einmalige Reputation.»

Deshalb gerieten sich Partner in die Haare

Ist Federer vielleicht gar vertraglich dazu verpflichtet, das Ansehen der Bank wieder anzuheben? Was im Abkommen zwischen der Bank und dem Tennisspieler steht, weiss extern niemand – doch kann es in Sponsoringverträgen durchaus Klauseln für solche Fälle geben.

In Sponsoringverträgen gibt es so auch Austrittsklauseln wegen Imageschadens. In den meisten Fällen sind es aber die Unternehmen, die von solchen Vertragsbestimmungen Gebrauch machen. So sorgte etwa Fussballer Mesut Özils politische Haltung für den Bruch mit seinem Sponsor Vodafone. Tiger Woods Geldgeber zogen sich zudem zurück, als das wilde Sexleben des Golfers ans Licht kam.

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • philipp am 02.10.2019 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Money rules

    Letzlich geht es auch hier nur ums Geld.

  • Martial2 am 02.10.2019 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld stinkt nicht...

    Solange Roger Federer so viel Geld von CS bekommt, bleibt er bestimmt dabei!

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  • j.w. am 02.10.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrag auflösen

    Wäre RF in eine ähnlich Angelegenheit verwickelt, hätte die CS das Sponsoring mit Sicherheit beendet. Wenn es RF nicht nur ums liebe Geld geht, müsste er logischer Weise das Selbe machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sensation.white am 04.10.2019 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RF was nun

    RF hat sicher genug Geld verdient, und um nicht weiter mit der CS in Verbindung gebracht zu werden wäre eine Vertragsauflösung nur der logische Schritt.

  • Willy von der Heide am 03.10.2019 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oha !!!!

    Die ganze Angelegenheit hat mit keinem einzigen Anleger oder sonstigen Person zu tun.! Nur der Boss ist hier der gesalbte.! Bedenklich das eine Schweizer Grossbank Steuermänner hat die ohne Kompassnadel und mit Oel am Hut herum Gondeln .!,,

  • Terra am 03.10.2019 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt

    Das passt doch super. Geldgierige zusammen.

  • nichtneidisch am 03.10.2019 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeiten für das Gehalt

    Lasst doch einfach den Roger Tennis spielen und die Banker die Leute abzocken. Die Top-Banker müssen ja auch von ihrem mikrigen Gehalt leben.

  • Uwe am 03.10.2019 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum

    war es nicht die CS die den Skandal verursacht hat. Warum hackt ihr hier wieder alle auf Roger Federer rum ?

    • MoVa am 03.10.2019 13:55 Report Diesen Beitrag melden

      Warum

      Ganz einfach, weil alle Hater so geblendet von ihrem eigenen Neid sind.

    • D.K. am 03.10.2019 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      Ja....

      ...genau das frage ich mich gerade auch. Soooooooooooo blöd....

    • eide Sind Gierig Auf Geld am 03.10.2019 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MoVa

      Was sie nicht sagen, es passt einfach nicht, das Bild vom lieben und netten Roger mit dem Abzocker- Bänker, oder doch'

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