Abgas- und Lärmfrei

10. Juli 2013 13:50; Akt: 10.07.2013 17:46 Print

Feldschlösschen und Coop testen Elektrolaster

von Sandro Spaeth - Eine Zürcher Firma hat einen Elektrolaster entwickelt. Der umweltfreundliche 18-Tönner schlägt die Diesel-Konkurrenz in vielen Bereichen. Feldschlösschen und Coop sind begeistert.

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Am Anfang stand ein Rennen für Elektrofahrzeuge – dann eine Vision: Ein mit Strom betriebener Lastwagen, der in seinem Einsatzgebiet die modernen Dieselfahrzeuge das Fürchten lehrt: «Wir wollen gleich gut oder besser sein als die Diesellaster», sagt Entwickler Tobias Wülser, CEO der Zürcher E-Force One AG.

2010 gewann der Elektromobilitätspionier mit einem strombetriebenen Kabinenmotorrad das 80 Tage dauernde «Zero Emission Race». Auf der damals verwendeten Technologie basiert nun auch der erste 18-Tonnen-Elektrolastwagen der Schweiz, den Wülser und sein Team zur Marktreife gebracht haben. «Der Unterschied zwischen Motorrad und Lastwagen ist gar nicht so gross», so Wülser. Beim Lastwagen sei einfach alles etwas grösser und werde in zweifacher Ausführung eingesetzt: Zwei Motoren, zwei Batterien, zwei Ladegräte.

Testbetrieb in der Region Zürich

Detailhändler Coop ist vom E-Force überzeugt. Er hat bereits ein Exemplar des 408 PS-starken des Lasters gekauft. Kostenpunkt: Rund 450’000 Franken. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Diesellaster kostet rund 250'000 Franken weniger. Die Reichweite des russfreien Fahrzeuges beträgt rund 300 Kilometer, die Nutzlast beträgt 10 Tonnen. Das ist eine Tonne weniger als bei der Konkurrenz und liegt an den Batterien. Coop wird den E-Transporter ab Oktober für die Verteilung der frühmorgens ausgelieferten Frischprodukte in der Region Zürich einsetzen.

«Weniger Schadstoffe beim Transport ist ein wichtiger Teil fürs Erreichen unserer CO2-Vision», sagt Coop-Chef Joos Sutter bei der Präsentation des Lasters. Der Detailhändler hat sich auf die Fahne geschrieben, bis 2023 CO2-neutral zu sein. «Da gilt es die Innovationen des Marktes zu nutzen», so Sutter. Zugleich reduziere der E-Force One die Lärmbelastung. Speziell am Laster von Coop sind die auch dem Dach montierten Solarzellen. Um die Batterien nicht mit der Kühlung des Laderaums zu belastet, setzt man auf eine Photovoltaikanlage als zweite Energiequelle.

Coop will 100 E-Laster schweizweit

Auch Feldschlösschen hat einen Elektro-Laster in seinem Fuhrpark. Wie Coop hat sich die Brauerei zum Ziel gesetzt, die Kunden in Zukunft CO2-neutral zu bedienen. Derzeit betreibt Feldschlösschen in der Schweiz 130 Diesellastwagen. «Wir sind stolz, unsere Kunden in der Region Zürich ab August effizient, leise und abgasfrei beliefern zu können», sagt Feldschlösschen CEO Thomas Amstutz.

Eine erste Bilanz werden Feldschlösschen und Coop Ende 2013 ziehen. Im Gespräch mit 20 Minuten sagt Coop-Chef Sutter: «Wenn der Test erfolgreich verläuft werden wir das Konzept multiplizieren und auf andere Regionen ausdehnen.» Allein in Zürich liegt das Potenzial laut Sutter bei 20 Fahrzeugen, in der gesamten Schweiz bei etwa 100 Stück.

Energieverbrauch fünfmal kleiner

Langfristig könnte sich der Elektrolastwagen auch finanziell rechnen – trotz der höheren Investition. Gemäss Hersteller betragen die Betriebskosten des E-Force pro 100 Kilometer 10 Franken. Bei einem Diesellaster sind es 50 Franken. «Ab 40'000 Kilometer pro Jahr wird der Elektrolastwagen günstiger», so E-Force-Präsident Hansjörg Cueni.

Coop plant mit dem Laster jährlich 50'000 Kilometer zu fahren. Gute Noten erreicht der schadstofffreie Transporter auch beim Energieverbrauch: In städtischen Gebieten hat er pro 100 Kilometer einen Verbrauch von lediglich 6 Dieseläquivalenten (1 kWh Strom = 1l Diesel). Zum Vergleich: Beim Diesellaster sind es 31 – rund fünf Mal mehr.

Bereits ein erstes Mal geblitzt

Und auch beim Tempo steht der umweltfreundliche 18-Tönner seinen Diesel-Konkurrenten in nichts nach. Die Spitzengeschwindigkeit beträgt nach Angaben des Herstellers 87 km/h. Dass es auch schneller geht, beweist Coop: Während den Testfahrten hat es bereits eine erste Busse abgesetzt: Der Elektro-Flitzer wurde mit 100 km/h geblitzt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Teddy Bär am 10.07.2013 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Rascher und ohne Gestank

    Gute Idee. Am meisten erhoffe ich mir ein massiv rascheres Anfahren. Das dauert heute bei beladenen Diesel-Lastwagen zu lange. Geht die Strasse zudem noch etwas bergauf und ist noch eine Ampel dabei, so wird's zur Schneckenfahrt, da der Bodensensor keinen Verkehr meldet und die Ampel umgehend wieder auf Rot wechselt. Dann kann's ja nur besser werden. Fehlende Diesel-Abgase werde ich auch nicht vermissen.

  • Mario68 am 10.07.2013 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Strom

    Was bei diesem CO2 neutral/kein Benzin/sauber Thema scheinbar niemanden interessiert: Woher kommt der Strom?

    einklappen einklappen
  • Michael Züger am 11.07.2013 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sauberer Strom?

    Da haben wohl einige Leute das Gefühl, sie beziehen tagtäglich sauberen umweltfreundlichen Strom... Das wird wohl auch so auf der Rechnung stehen. Man sollte sich nur fragen, woher der billige bis fast kostenlose Strom herkommt, mit dem Wasser wieder in den Speicher gepumt wird um dann wieder teuren "sauberen" Strom zu produzieren...

Die neusten Leser-Kommentare

  • luk am 11.07.2013 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hier wird Diesel noch mit Liebe verbrannt

    War ja nur eine frage der Zeit. Aber interessant das Leute hier schreiben...obwohl sie ein riesenproblem mit Trucks auf der Strasse haben und nur rumheulen. Interessant ist auch der Witz mit 100 Camion für coop. Die haben eine reichweite von nur 300km, was heisst 150km weg fahren und dann wider um kehren zur ladestation...auf die lenkzeit gerechnet kannst nicht mal einen ganzen tag mit der kiste arbeiten. absolut dämlich

    • stizli am 11.07.2013 14:13 Report Diesen Beitrag melden

      warum dämlich... finds super

      Zum Ein- und Ausladen braucht es Zeit. Zeit welche zum Laden der Akkus perfekt genutzt werden kann. Braucht also nur noch Ladestationen an allen Standorten. Die ABB wirds freuen :)

    einklappen einklappen
  • Basler Tybli am 11.07.2013 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder muss helfen

    Es ist ein Anfang, ihr skeptiker! nur duch schwarzsehen wird die welt nicht verändert!

  • Fagotto am 11.07.2013 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unklar

    Gesamtökobilanz?

  • Michael Züger am 11.07.2013 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sauberer Strom?

    Da haben wohl einige Leute das Gefühl, sie beziehen tagtäglich sauberen umweltfreundlichen Strom... Das wird wohl auch so auf der Rechnung stehen. Man sollte sich nur fragen, woher der billige bis fast kostenlose Strom herkommt, mit dem Wasser wieder in den Speicher gepumt wird um dann wieder teuren "sauberen" Strom zu produzieren...

  • tzu am 10.07.2013 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luege, ?Lose?, Laufe

    Wie soll das ez gehen? Luege, Laufen, Überfahren