Geheime Fusionspläne

10. Juni 2019 11:16; Akt: 10.06.2019 11:16 Print

Fiat und Renault sprechen doch weiter über Fusion

von Raphael Knecht - Eigentlich hat Fiat sein Fusionsangebot an Renault zurückgezogen. Hinter geschlossenen Türen gehen die Gespräche jedoch weiter.

So würde eine Fiat-Renault-Allianz aussehen. (Video: 20M)
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Die beiden Autobauer Fiat Chrysler und Renault denken Insidern zufolge über einen möglichen neuen Anlauf für einen milliardenschweren Zusammenschluss nach. Die Vorsitzenden der Pkw-Hersteller hätten bereits darüber gesprochen, wie sie die Fusionspläne wiederbeleben könnten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag.

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Die Beratungen drehten sich um die Beteiligung Renaults an Nissan Motor. Renault könnte seinen Anteil von rund 43 Prozent an seinem asiatischen Partner deutlich verringern. Im Gegenzug könnten die Japaner die Verschmelzung der zwei europäischen Autobauer unterstützen.

Es sei nicht klar, ob die neuen Bemühungen zum Erfolg führen könnten. Sprecher von Renault und Fiat Chrysler lehnten einen Kommentar dazu ab. Warum wollen die Unternehmen einen Deal? Woran könnte es hapern? Und was merkt der Autokäufer von einer Fusion? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was würde eine Fusion bringen?

Die Marktanteile der beiden Firmen ergänzen sich: Renault verkauft die meisten seiner Autos in Europa und ist in den grossen Märkten Nordamerika und China nicht präsent. FCA hingegen verkauft über die Hälfte seiner Fahrzeuge (52,3 Prozent) in Nordamerika. Umgekehrt ist der Fiat-Konzern in Europa mit seiner «überalterten Modellpalette» schwach aufgestellt, wie Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer zu 20 Minuten sagt. Zudem würde der fusionierte Konzern zum grössten Autoproduzenten der Welt. Der Absatz der beiden Hersteller zusammen (16 Millionen Fahrzeuge, inklusive Nissan-Mitsubishi) ist höher als der des Grosskonkurrenten VW (11 Millionen Fahrzeuge).

Was würde der Autokäufer merken?

«Zunächst mal gar nichts», sagt Dudenhöffer. Bei solchen Fusionen bleibe die Eigenständigkeit der einzelnen Marken in der Regel gegeben. Allerdings könne es schon sein, dass sich die Fahrzeuge der beiden Marken nach einiger Zeit zu ähneln beginnen. Weil die Auswahl am Markt sehr gross sei, müssten Kunden aber nicht fürchten, dass die Qualität der Autos sinken könnte – das dürften sich die Autobauer angesichts der Konkurrenz nicht erlauben.

Ändert sich etwas bei den Garagisten?

Eine Fusion würde nicht zwingend bedeuten, dass Fiat- oder Renault-Garagisten künftig zusätzliche Automarken bieten, sagt Andrea Auer, Auto-Expertin von Comparis. Ein Kapazitätsausbau sei immer mit Kosten für den Händler verbunden, weil die Anzahl betreuter Marken etwa von der Ausstellungsfläche, vom Marken-Know-how und dem verfügbaren Personal abhängig sei.

Hat Renault nicht schon eine Allianz mit Nissan?

Doch – und genau darum dürfte Renault über einen Deal mit Fiat nachdenken. Nissan-Mitsubishi ist laut Dudenhöffer zum stärkeren Partner in der Allianz geworden. Zudem sei das Verhältnis zu Renault mit dem Sturz des Managers Carlos Ghosn, der zuletzt eine Fusion zwischen Nissan und Renault anstrebte, abgekühlt. Die Schwäche der Allianz sei für Renault ein Risiko – dieses könne die französische Firma reduzieren, indem sie einen anderen Partner findet.

Würde eine Fusion mit FCA das Ende der Renault-Nissan-Allianz bedeuten?

Das scheint unwahrscheinlich. Grund dafür ist der französische Staat, der 15 Prozent der Anteile an Renault hält. Die Regierung teilte als Reaktion auf die Fusionsgespräche mit, sie begrüsse die Bestrebungen. Eine Bedingung sei aber, dass die bestehende Allianz mit Nissan und Mitsubishi bewahrt werde. Dudenhöffer glaubt jedoch, dass die Nissan-Allianz bei einer Fusion mit FCA für Renault an Bedeutung verlieren würde.

Was spricht gegen die Fusion?

Beim Zusammenschluss von zwei so grossen Unternehmen besteht die Gefahr, dass die Strukturen des Konzerns zu kompliziert werden. Zudem könnte es sein, dass die Mentalitäten der amerikanisch-italienischen und französischen Autobauer sich zu stark unterscheiden, so Dudenhöffer. Er glaubt jedoch, dass die Firmen einen Weg finden können, diese Probleme zu lösen. Die Vorteile würden für die beiden Unternehmen klar überwiegen.

Hat auch Trump seine Finger im Spiel?

Die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump und sein Zollkrieg mit China, der auch die Automobilindustrie trifft, dürfte ein weiterer Grund sein, warum die beiden Autobauer an einer Fusion interessiert sind. So könnte der Konzern die sich abrupt verändernden Marktbedingungen besser abfedern.

Was hat die Fusion mit Elektromobilität zu tun?

FCA hat bisher keine Pläne für E-Autos. Laut Dudenhöffer muss sich das ändern, wenn die Firma mit der Konkurrenz mithalten möchte. Renault sei diesbezüglich gut aufgestellt. FCA könne darum bei einer Fusion vom technischen Know-how profitieren und bald selbst in die Elektromobilität einsteigen.

Dieser Artikel erschien bereits in geänderter Form, als Fiat und Renault erstmals über eine Fusion berieten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul am 10.06.2019 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fusion

    Für mich als Kunde spielt das überhaupt keine Rolle zumal es sowieso egal ist die Autos von heute sind auf gleichem Standard es spielt keine Rolle was man kauft dazu kommt noch das heute schon viele Hersteller miteinander arbeiten.

  • Manu Kaufmann am 10.06.2019 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Lancia

    Ich habe noch einen kleinen Lancia Ypsilon. Die Marke gibt es in der Schweiz nicht mehr. Es wäre schön, wenn bei einer Fusion Lancia wiederbelebt würde.

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  • MadChengi am 10.06.2019 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Heiraten ist so eine Sache

    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich, sie liebt mich n.....der Preis stimmt - sie liebt Mich!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • löli am 11.06.2019 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    ruin für renault

    Für Renault ist das das mieseste Geschäft des Jahrhunderts. FIAT-Chrysler lauft technologisch an Krücken. Da müsste Renault-Nissan nur investieren, und in den USA-Markt, wird man doch nie eindringen. Das alte Lied: Franzosen machen avantgardistische, inzwischen auch gute Autos, können sie aber nicht verkaufen.

  • Swiss Fiat Driver am 11.06.2019 01:29 Report Diesen Beitrag melden

    Fiat Topolino

    Fiat sollte selbständig bleiben. Ich brauche keine Hightech Autos! Günstig im Ankauf, günstig im Unterhalt und vorallem zuverlässig, das alles ist im Fiat enthalten. Ich haben schon deutsche und französische Autos gehabt. Doch meine drei Fiats liessen mich nie im Stich. Sollte ich mir wieder ein Auto kaufen, dann wird es ein Fiat Argo Trekking.

    • thomi am 11.06.2019 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swiss Fiat Driver

      fiat undzuverlässig? lachhaft! nebst den franzosen der schlechteste autobauer, den es gibt!

    • mimimi am 11.06.2019 10:14 Report Diesen Beitrag melden

      @thomi

      Wenigstens haben die Italiener und Franzosen nicht betrogen wie die Deutschen. Das ist schon mal sehr viel wert...

    • thomi am 11.06.2019 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mimimi

      stimmt nicht! renault und peugeot zb. stehen in frankreich vir gericht, bez. abgasskandal und betrug

    • Peter Peter am 11.06.2019 21:29 Report Diesen Beitrag melden

      Renault Super

      @thomi Darum baut Mercedes, Renault-Motoren in ihre zuverlässigen Standartmodelle.. hahah so klein ist die Welt!!!!

    • Illumination am 11.06.2019 23:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Peter

      Es besteht eine strategische Partnerschaft zwischen Renault-Nissan und Daimler seit 2010, die von Komponenten bis zu Plattformen reicht, von der gemeinsamen Entwicklung bis zur Fertigung, von Pkw bis zu Nutzfahrzeugen. Beide halten auch gegenseitig 3,1 Prozent Aktienkapital (Renault-Nissan jeweils die Hälfte). Ja, so klein ist die Welt...;-)

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  • Ex Lanianer am 11.06.2019 01:04 Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis Lancia?

    Mein erstes Auto war ein Lancia Beta HPE. Schönes Auto mit gutem Motor und ziemlich innovativ für die damalige Zeit. War aber aber rostanfällig. Gibt es Lancia überhaupt noch in der CH?

  • Geradeheraus am 10.06.2019 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer

    Zwei zombie firmen wollen fusionieren? Da passt der insolvenzverschlepper staat frankreich gut dazu! Nein das darf man ja nicht sagen...ich nehms zurück :-)

  • Fabrica Italiana Automobile Torino am 10.06.2019 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wenige Köche verderben den Brei

    Isch weiss nich Heute wird so vieles zu einem Einhetsbrei verschmalzt.. ob das wirklich gut ist? Siehe VW...