Fragen und Antworten

27. Mai 2019 14:28; Akt: 27.05.2019 16:18 Print

Was würde Renault und Fiat eine Fusion bringen?

von Raphael Knecht - Fiat und Renault stehen womöglich vor einer Fusion. Beide Autobauer hätten Vorteile, denn sie sind in unterschiedlichen Märkten stark.

So würde eine Fiat-Renault-Allianz aussehen. (Video: 20M)
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Der Autobauer Fiat-Chrysler (FCA) hat Renault eine Fusion vorgeschlagen. Wie Renault am Montag mitteilte, geht es um einen 50/50-Zusammenschluss – also eine Fusion zu gleichen Teilen. Warum wollen die Unternehmen einen Deal? Woran könnte es hapern? Und was merkt der Autokäufer von einer Fusion? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

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Was würde eine Fusion bringen?

Die Marktanteile der beiden Firmen ergänzen sich: Renault verkauft die meisten seiner Autos in Europa und ist in den grossen Märkten Nordamerika und China nicht präsent. FCA hingegen verkauft über die Hälfte seiner Fahrzeuge (52,3 Prozent) in Nordamerika. Umgekehrt ist der Fiat-Konzern in Europa mit seiner «überalterten Modellpalette» schwach aufgestellt, wie Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer zu 20 Minuten sagt. Zudem würde der fusionierte Konzern zum grössten Autoproduzenten der Welt. Der Absatz der beiden Hersteller zusammen (16 Millionen Fahrzeuge) ist höher als der des Grosskonkurrenten VW (11 Millionen Fahrzeuge).

Was würde der Autokäufer merken?

«Zunächst mal gar nichts», sagt Dudenhöffer. Bei solchen Fusionen bleibe die Eigenständigkeit der einzelnen Marken in der Regel gegeben. Allerdings könne es schon sein, dass sich die Fahrzeuge der beiden Marken nach einiger Zeit zu ähneln beginnen. Weil die Auswahl am Markt sehr gross sei, müssten Kunden aber nicht fürchten, dass die Qualität der Autos sinken könnte – das dürften sich die Autobauer angesichts der Konkurrenz nicht erlauben.

Ändert sich etwas bei den Garagisten?

Eine Fusion würde nicht zwingend bedeuten, dass Fiat- oder Renault-Garagisten künftig zusätzliche Automarken bieten, sagt Andrea Auer, Auto-Expertin von Comparis. Ein Kapazitätsausbau sei immer mit Kosten für den Händler verbunden, weil die Anzahl betreuter Marken etwa von der Ausstellungsfläche, vom Marken-Know-how und dem verfügbaren Personal abhängig sei.

Hat Renault nicht schon eine Allianz mit Nissan?

Doch – und genau darum dürfte Renault über einen Deal mit Fiat nachdenken. Nissan-Mitsubishi ist laut Dudenhöffer zum stärkeren Partner in der Allianz geworden. Zudem sei das Verhältnis zu Renault mit dem Sturz des Managers Carlos Ghosn, der zuletzt eine Fusion zwischen Nissan und Renault anstrebte, abgekühlt. Die Schwäche der Allianz sei für Renault ein Risiko – dieses könne die französische Firma reduzieren, indem sie einen anderen Partner findet.

Würde eine Fusion mit FCA das Ende der Renault-Nissan-Allianz bedeuten?

Das scheint unwahrscheinlich. Grund dafür ist der französische Staat, der 15 Prozent der Anteile an Renault hält. Die Regierung teilte am Montag mit, sie begrüsse die Bestrebungen nach einer Fusion. Eine Bedingung sei aber, dass die bestehende Allianz mit Nissan und Mitsubishi bewahrt werde. Dudenhöffer glaubt jedoch, dass die Nissan-Allianz bei einer Fusion mit FCA für Renault an Bedeutung verlieren würde.

Was spricht gegen die Fusion?

Beim Zusammenschluss von zwei so grossen Unternehmen besteht die Gefahr, dass die Strukturen des Konzerns zu kompliziert werden. Zudem könnte es sein, dass die Mentalitäten der amerikanisch-italienischen und französischen Autobauer sich zu stark unterscheiden, so Dudenhöffer. Er glaubt jedoch, dass die Firmen einen Weg finden können, diese Probleme zu lösen. Die Vorteile würden für die beiden Unternehmen klar überwiegen.

Wird es mit der Fusion klappen?

Der Verwaltungsrat von Renault hat das Angebot von FCA am Montag besprochen. Man werde «mit Interesse» prüfen, ob ein solcher Zusammenschluss wünschenswert sei.

Hat auch Trump seine Finger im Spiel?

Die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump und sein Zollkrieg mit China, der auch die Automobilindustrie trifft, dürfte ein weiterer Grund sein, warum die beiden Autobauer an einer Fusion interessiert sind. So könnte der Konzern die sich abrupt verändernden Marktbedingungen besser abfedern.

Was hat die Fusion mit Elektromobilität zu tun?

FCA hat bisher keine Pläne für E-Autos. Laut Dudenhöffer muss sich das ändern, wenn die Firma mit der Konkurrenz mithalten möchte. Renault sei diesbezüglich gut aufgestellt. FCA könne darum bei einer Fusion vom technischen Know-how profitieren und bald selbst in die Elektromobilität einsteigen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc am 27.05.2019 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grandios

    Man merkt dass hier die Leserschaft ü60 ist. Stehengeblieben in den Jahren als Alfas und Fiats rosteten. Wir sind aber im hier und jetzt, wo Fiat einen Koloss wie Chrysler retten konnte und heute sehr gut dasteht. Elektroautos sind wegen dem genialen, leider verstorbenen Manager Marchionne nicht im Angebot, aber dank Renault bald machbar. Marchionne sagte sich, dass es nie genug Strom geben würde für alle Elektroautos, ausser man baut noch sehr viele AKWs oder Kohlekraftwerke.

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  • Kain am 27.05.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Der neue FiNauLer

    Neue Kombination: Amerikanischer Design, französische Ingenieurarbeit und italienische Fertigungsqualität. Die Konkurenz wird sich freuen.

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  • Mir am 27.05.2019 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist

    Egal! Ich züchte Esel und Pferde,denn das ist Zukunft! ( mit denn Abgasnormen klappts noch nich ganz? ) aber das kriege ich schon noch hin!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Es am 31.05.2019 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was

    Bringt? Zu 99,9% werden die obersten Bosse noch reicher! (n.b.ich bin kein Neider.. lebe zufrieden in Pension...)

  • Roboter-King am 30.05.2019 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Roboter... keine Menschen!

    Diese Fusion hätte den grossen Vorteil, dass sehr viel mehr Roboter angeschafft werden müssten und gut die Hälfte des Personals wieder dem Markt zur Verfügung gestellt werden könnte.

  • Peter V. am 28.05.2019 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftlichkeit vs. Aufwand

    Wenn man die sich überlappenden Werke (und Zulieferfirmen) schliesst (und ausschliesst) mag die Rendite langfristig höher sein. Der Technik - Wettbewerb wird aber kleiner. Aber bis es soweit ist, müssen sich zwei Kolosse (schon jetzt unbeweglich) aufeinander zubewegen. Und in dieser Zeit der (internen) Selbstbeschäftigung geht der technische Wandel schneller vorwärts als die Fusion wirksam wird! Zudem müssen alle Autohersteller das heutige Geschäft überdenken. Sei es in Bezug auf das Händlernetz, sei es in Bezug auf Dienstleistungen (vor allem in diesem Bereich).

  • sepp am 28.05.2019 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fusion 2er schrottmarken

    was es bringt? noch einen grösseren schrott auf 4 räder als bis jetzt....

  • Fauwee am 28.05.2019 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Mir kommen keine Italiener oder Franzosen in die Garage. Ah doch, evlt. Ferrari, Lambo oder Alpine :-)