Risiken

22. Mai 2019 22:57; Akt: 23.05.2019 15:54 Print

Finanzkontrolle rüffelt die Post-Chefs

Die Eidgenössische Finanzkontrolle ist nicht zufrieden mit der Schweizerischen Post. Der Konzern schätze Risiken oft zu lange als Chancen ein.

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Die Eidgenössische ­Finanzkontrolle (EFK) hat das Risikomanagement der Schweizerischen Post geprüft. Die EFK kritisiert, dass die Risiken nicht immer richtig eingeschätzt würden. Versagt hat das System etwa im Fall von CarPostal France. Das Auslandabenteuer könnte die Post Millionen kosten.

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Im Sommer 2018 war bekannt geworden, dass die Post auch im Ausland nicht sauber abgerechnet hatte. Wegen unzulässiger Subventionen musste sich CarPostal France mit über 6 Millionen Euro freikaufen. Inzwischen sucht die Post einen Käufer für das Tochterunternehmen. Das Auslandengagement könnte zum Millionengrab werden.

Rendite unrealistisch

Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat untersucht, wie es so weit kommen konnte. Die Rentabilität von CarPostal France sei schon in frühen Jahren unbefriedigend gewesen, heisst es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Mit 19 Millionen Franken Kapitalerhöhungen und 57 Millionen Franken Schulden gegenüber dem Konzern sei eine Rendite im Frankreichgeschäft immer unrealistischer geworden.

Trotzdem wurde CarPostal France vom Konzern bis Ende 2017 als «Chance» statt als Risiko eingestuft. Aufgrund der Resultate der Vorjahre sei die angenommene Ergebnissteigerung nicht realistisch gewesen. Der Mitte 2018 angekündigte Rückzug aus Frankreich stellt laut EFK ein neues Risiko dar.

Allzu optimistisch

Nach Beurteilung der Post übersteigen die Aktiven von CarPostal France die Schulden. Die EFK hält diese Einschätzung für allzu optimistisch. Sie verlangt, dass die Bewertung der Aktiven überprüft und allfällige Zusatzkosten durch einen Personalabbau berücksichtigt werden. Ein weiteres Risiko sieht die EFK im vorzeitigen Abgang von Schlüsselpersonen.

Auch die Post-Tochter Publibike schreibt gemäss dem Bericht Millionenverluste. 2017 waren es 5 Millionen Franken – bei einem Umsatz von 1,1 Millionen Franken. Trotzdem führte das Risikoreporting der Post Publibike 2016 als «Top-Chance». Auch 2018 fiel die Beurteilung laut EFK noch zu optimistisch aus.

Formale Aspekte genügen

Die Finanzkontrolle anerkennt, dass das «Risikomanagementgerüst» vorhanden ist und den formalen Aspekten genügt. Positiv bewertet sie auch die Rolle des Konzernrisikomanagements bei der Beurteilung von wichtigen Einzelinvestitionsanträgen und bei Grossprojekten.

Die für den Verwaltungsrat und die Konzernleitung relevanten Aspekte wie Risikostrategie und Risikokommunikation hätten aber zu wenig Platz im Konzernrisikomanagement bekommen. Die EFK kritisiert auch, dass das Konzernrisikomanagement neu direkt dem Leiter Finanzen unterstellt ist. Dies könne die Unabhängigkeit beeinträchtigen, schreibt sie.

Post hat reagiert

Die Post hat die Rollenverteilung bisher nicht geändert. In einem Schreiben vom April weist sie aber auf zahlreiche Anpassungen aufgrund von EFK-Empfehlungen hin. So sollen beispielsweise mit einem neu eingeführten Modell die Risiko-Eintrittshäufigkeit und das Schadenausmass besser bestimmt werden können. Zudem sei der Katalog der allgemeinen Risikoursachen komplett überarbeitet worden.

Probleme ortet die EFK auch beim Bund. Als Eigner mache dieser zu wenig Vorgaben zum Risikomanagement. Genauere Vorgaben wurden erstmals für die Periode 2017–2020 eingeführt. Gemäss dem Bericht wird deren Umsetzung jedoch nur formell und nicht inhaltlich geprüft.

(rkn/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • N.Stadelmann am 22.05.2019 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Chefs lachen sich ins Fäustchen.

    Wichtig ist immer, was nach einer Rüge passiert? Bei Bundesbetrieben oder Behörden in der Schweiz, werden diese Leute leider immer bevorzugter behandelt als der Normalbürger welcher seit langem sicher schon hinter Gitter wäre. Warum ist das so in diesem angeblichen Rechtsstaat? Wann wird Herr Schwaller oder die Madame Ruoff endlich angeklagt resp. verhaftet? Er/Sie hatte die "Verwantwortung"! Oder gilt dieses Wort nur immer bei der Lohnrechtfertigung?

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  • Komiker 2018 am 22.05.2019 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwaller absetzen....

    Der Schwaller muss gehen, er hat die Post kaputt gemacht, er sollte sich schämen.

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  • Stöff am 22.05.2019 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das??!!

    Es nützen doch die besten Syteme und nachträglichen Analysen und Empfehlungen nichts, wenn das Management schlicht und einfach unfähig ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • knallfix am 23.05.2019 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer's glaubt?

    der scheinheiligen verein gibt ein Statement.

  • Peter Bottmingen am 23.05.2019 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Konkurenz

    Mit Genehmigung des Bundesrates und der "Parteichen" ist alles möglich. Leider fehlt der Post die Konkurenz. Sie haben leider ein in der Schweiz verbotenes Monopol

  • Su,E am 23.05.2019 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Küngelfell

    Aber ,aber Herrn Schwaller jetzt spielen sie den guten Mann,wäre besser das hätten sie schon vorher gemacht,

    • Benny am 23.05.2019 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Su,E

      Ich frage mich nur warum Herrn Schwaller noch im Verwaltungsrat ist,und warum er nicht abgesetzt wurde ,auch er ist verantwortlich für das Chaos, ich denke der Verwaltungsrat sollte mit anderen Leute Neu besetzt werden,und auch der Revisionsführer sollte abgesetzt werden und alles sollte endlich veröffentlicht werden was da passiert ist,wird wohl ein Schwamm darüber geben,

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  • Housi am 23.05.2019 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Verspätung

    Schade erst jetzt, aber gewisse Leute werden dauernd geschützt. Der VR Präsident hätte schon längst Konsequenzen erfahren müssen. In der Privatwirtschaft wäre er freigestellt und hätte ein Verfahren am Hals, hier kann er auf eine Entschädigung warten, leider. Politik und Wirtschaft hat noch nie geklappt Söihäfeli Söideckeli.

    • Widmi am 23.05.2019 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Housi

      Na ja der ach so christlich gesinnte CVP Präsident wurde lediglich erst jetzt getadelt. Richtige Konsequenzen hat er keine zu befürchten. Es kann weiter gewurstelt und er merkt es nie. Die ehemalige CVP Bundesrätin, zuständig für ebenfalls Post hat sogar gar nichts gewusst. Macht nichts, sie kann mit ihren 55 Jahren die Bundesratsrente, ein paar Mandatlein bei COOP und BELL und gut verdienendem Ehemann ein lustiges Rentnerleben geniessen. Für sie hat der Postskandal, weil sie gar nichts davon wusste keine Folgen. Das schöne obere Post-Etagen-Leben geht munter weiter. Finanzkontrolle hin oder her!

    • Waldkauz am 23.05.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Widmi

      Musste den ersten Satz zwei mal lesen, ich habe ein t übersehen und hab gedacht geadelt. Hat dann im Namen ein von voraus, würde sicher passen für die super Arbeit die er geleistet hat.

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  • huschmie am 23.05.2019 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrumpfen

    Die Post muss schrumpfen nicht wachsen. Das ist für eine Firma immer unschön. Es ist hier aber unumgänglich.