Lizenzprobleme

04. Juni 2014 13:13; Akt: 04.06.2014 16:01 Print

Finma schliesst Zürcher Bitcoin-Bancomaten

Vor Kurzem nahmen in Zürich die ersten Bitcoin-Bancomaten den Betrieb auf. Nun hat die Finma das Testprojekt gestoppt. Die Pause dürfte aber nicht lange dauern, meint der Betreiber.

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Im Januar sah alles noch rosig aus. Nachdem im Oktober letzten Jahres der erste Bitcoin-Bancomat im kanadischen Vancouver den Betrieb aufgenommen hatte, erhielt auch Zürich seinen ersten Automaten zum Bezug der Internet-Währung. Standort: das Viadukt-Shoppingcenter im Kreis 5. Kurz darauf folgte ein weiteres Gerät, diesmal im Zürcher Café Schoffel, wo die Kunden auch mit Bitcoin bezahlen können.

Nun gab es einen Rückschlag. Die Finma hat die Bancomat-Betreiberfirma Bitcoin Suisse beauftragt, ihr Gerät im Zürcher Kreis 5 abzuschalten. Der Bancomat im Café Schoffel ist nicht betroffen, da er einen anderen Betreiber hat. Niklas Nikolajsen, Geschäftsführer von Bitcoin Suisse, zeigt sich enttäuscht: Man habe gedacht, alles sei im grünen Bereich. «Wir werden nun offene rechtliche Fragen mit unseren Anwälten abklären.» Grundsätzlich wolle er trotz des Rückschlags die Hoffnung noch nicht aufgeben. Ziel bleibe, die Bancomaten noch 2014 wieder in Betrieb zu nehmen. «Wir kooperieren in vollem Masse mit den Schweizer Behörden», fügt er an.

Finma zeigt sich wortkarg

Bei der Finma möchte man sich zum Fall nicht äussern. Mediensprecher Vinzenz Mathys erklärt, er dürfe grundsätzlich keine laufenden Verfahren kommentieren. Allgemein sei Bitcoin aber ein heikles Feld. Aufsichtsrechtliche Bestimmungen zur Internet-Währung fehlten derzeit noch. Daher seien viele problematische Fragen ungelöst, zum Beispiel im Lizenzbereich: «Die Frage ist: Braucht es eine Banklizenz oder könnte es Probleme mit Geldwäscherei geben?»

Zurzeit sieht es also schlecht aus für das Schweizer Bitcoin-Bancomat-Projekt. Sollte die Finma auf die Beantragung einer Banklizenz bestehen, würden mindestens einige Monate, wenn nicht gar Jahre vergehen, bis der Bancomat seinen Betrieb wieder aufnehmen könnte.

Von mehreren Seiten unter Beschuss

Die Bancomaten-Schliessung ist nicht der erste Rückschlag, den die Bitcoin-Szene in den letzten Monaten hinnehmen muss. Die ehemals grösste Bitcoin-Börse der Welt, Mt. Gox, musste dieses Jahr Insolvenz anmelden. Der Grund dafür war: Mehrere Hunderttausend Bitcoins waren spurlos verschwunden. Über den Verbleib gibt es nach wie vor keine Informationen.

Schliesslich kaufte sich eine Investorengruppe, was von Mt. Gox noch übrig war. Preis: genau ein Bitcoin. Das sind umgerechnet derzeit etwa 570 Schweizer Franken. Mt. Gox soll nun wieder eröffnet werden und die geprellten Anleger sollen einen Teil ihres Geldes zurückerhalten. Die Beispiele zeigen, dass einerseits ein grosses Interesse an Bitcoin besteht. Andererseits hapert es derzeit bei der Internet-Währung noch, was die Professionalität anbelangt.

(kwo)