Wettbewerbsfähigkeit

19. August 2010 16:17; Akt: 20.08.2010 14:21 Print

Finnland wird vor die Schweiz geschummelt

von Sandro Spaeth - Das US-Magazin «Newsweek» hat Finnland als konkurrenzfähigsten Staat ermittelt. Doch den Autoren unterlief ein Fehler, die Goldmedaille müsste an die Schweiz gehen.

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Auch weltbekannte Ökonomen können sich irren. Das Ranking des US-Wochenmagazins «Newsweek», an dem auch Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz mitgearbeitet hat, enthielt einen Fehler. «Newsweek» hat Finnland auf den Thron des wettbewerbsfähigsten Landes gehievt, doch das zu Unrecht.

Die Ökonomen beurteilten hundert Länder aus allen Kontinenten in den Kategorien Bildung, Gesundheit, Lebensqualität, Wirtschaftsdynamik und politisches Umfeld. Gewichtet wurden alle Bereiche gleich – ein Land kann maximal 100 Punkte pro Kategorie erreichen. Errechnet man aus den ursprünglich publizierten Werten aller Kategorien den Durchschnitt, resultierten bei Finnland 88,99 Punkte; bei der Schweiz aber deren 89,13 – und trotzdem wurden die Schweiz auf Rang zwei klassiert.

Finnen in der Schweiz rechneten nach

Aufgefallen ist dieser Fehler unter anderem den beiden in der Schweiz lebenden Finnen Pasi und Lasse, die hierzulande in der Pharmabranche arbeiten. Sie haben die Berechnungen von «Newsweek» unter die Lupe genommen. «Ich sah den Text über das Ranking in finnischen Medien und habe schliesslich selbst nachgerechnet», erklärt Lasse gegenüber 20 Minuten Online. Er liebe solche Zahlenspielereien.

Registriert hat den Fehler schliesslich auch «Newsweek». Das renommierte US-Wochenmagazin hat seine imposante Grafik nun angepasst – aber nicht etwa mit der Schweiz als Siegerin. Um das Gesicht zu wahren, haben die Ökonomen die Punktezahl Finnlands im Bereich Bildung von 100 auf 102 Punkte erhöht. In der Angabe zur Methodik der Rangliste liefern die Autoren dazu eine Begründung. So steht da geschrieben, dass «die zuerst publizierten Zahlen die Anpassungen im Ausbildungsindex nicht widerspiegelt hätten und auch eine Verzerrung gegenüber den entwickelten Ländern nicht ausgeglichen worden sei».

Anpassung in Nacht und Nebel

Alles klar? Wohl nicht ganz, denn diese Begründung tönt mehr als nur fadenscheinig. Fragwürdig ist auch, dass in einer Einzelkategorie plötzlich über 100 Punkte erzielt werden können. Denn in der Methodik steht, dass in den einzelnen Kategorien zwischen 1 und 100 Punkte vergeben werden. Nun gibt es da aber einen winzigen Zusatz, «ausgenommen Kategorie Bildung» – was arg nach Verschleierungstaktik riecht. Die Studienautoren haben an der Methodik gewerkelt, um Finnland als Sieger zu erhalten. Lasse: «Dieser Zusatz bestand gestern noch nicht. Newsweek hat das über Nacht ergänzt.»

Ausgeglichene Schweiz

Um die Spitzenposition der Schweiz zu belegen, hat auch 20 Minuten Online nachgerechnet und die Rangierungen in den Einzelkategorien miteinander verglichen. So belegt Finnland beispielsweise im Bereich Bildung Platz 1, die Schweiz hingegen nur Platz 7. Anders im Bereich Gesundheit, wo die Schweiz Platz zwei belegt, Finnland hingegen nur Platz 17. Addiert man die Einzelränge von Finnland zusammen, ergibt sich eine Summe von 35 Punkten. Bei der Schweiz hingegen nur 28 Punkte. Das spricht für die Ausgeglichenheit Helvetiens und ist ein weiterer klarer Sieg.

Lieber Helvetien als Suomi

Im über Nacht bereinigten «Newsweek»-Ranking der konkurrenzfähigsten Staaten bleibt zwar Finnland vorne, doch der Finne Lasse kann sich unter diesen Umständen schon gar nicht über den Sieg freuen: «In der Realität halte ich die Schweiz für wettbewerbsfähiger als Finnland. Und ich liebe es, in der Schweiz zu leben.»