Insektizid-Skandal

04. August 2017 19:41; Akt: 04.08.2017 21:24 Print

Fipronil-Spuren in M-Budget-Eiern gefunden

Auch die Schweiz ist vom Insektizid-Skandal betroffen. Detailhändler ziehen Konsequenzen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei Eier-Lieferungen aus den Niederlanden in die Schweiz sind Rückstände des Insektizids Fipronil festgestellt worden, meldete das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) am Freitagabend. Migros hat in M-Budget-Eiern Spuren von Fipronil gefunden.

Bei weiterführenden Abklärungen stellte die Migros fest, «dass ein Teil ihrer importierten M-Budget-Eier mit Spuren des Insektizids Fipronil verunreinigt sind», heisst es in einer Mitteilung. Vorsorglich zieht der Detailhändler die betroffenen Eier mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum bis zum 26. August sofort aus dem Verkauf zurück.

Kundinnen und Kunden, die diese Eier gekauft haben, können diese in die Filialen zurückbringen. Der Verkaufspreis werde ihnen erstattet, verspricht die Migros. Alle M-Budget-Eier ab dem Mindesthaltbarkeitsdatum 27. August seien nicht betroffen.

Coop hat vorsorglich importierte Eier, die sie unter der Marke Prix-Garantie anbietet, für den Verkauf gesperrt. Doch: «Nach dem aktuellsten Kenntnisstand sind diese importierten Eier nicht betroffen», sagte Sprecher Ramón Gander auf Anfrage. Im Sortiment von Coop stammen nach eigenen Angaben knapp 95 Prozent der Eier zum Konsum aus der Schweiz.

Ausmass für die Schweiz noch unklar

In der Schweiz wurden laut BLV die Rückstände des Insektizids im Rahmen von Selbstkontrollen von Schweizer Eier-Importeuren gefunden. Das Ausmass klärt die Behörde mit den kantonalen Vollzugsorganen und den Importeuren ab.

Fest steht, dass Eier aus sieben niederländischen Betrieben auch in Verkaufsregale von hiesigen Detailhändlern gelangt seien, schreibt das BLV. Es empfiehlt, die betroffenen Eier aus dem Verkauf zurückzuziehen.

Bereits im Verlauf des Tages hatte der Detailhändler Aldi Schweiz vorsorglich alle Importeier aus dem Verkauf genommen. Die Massnahmen von Aldi erfolgten im Einklang mit dem deutschen Mutterkonzern. Dieser ist aber noch weiter gegangen: er nahm in Deutschland sämtliche Eier aus dem Verkauf. Dem Discounter dürfen künftig nur noch Importeier geliefert werden, für die ein negativer Fipronil-Nachweis vorliegt.

Aufgrund der bisher gefundenen Werte sei für Konsumentinnen und Konsumenten «nicht von einer Gesundheitsgefährdung auszugehen», heisst es beim BLV. Auch bei der Migros heisst es, es bestehe keine Gefahr für die Gesundheit.

Fipronil in der Schweiz seit 2014 verboten

Der Einsatz des Insektizids Fipronil ist in der Schweizer Landwirtschaft seit 2014 verboten. Es gebe keine Hinweise, dass das Insektizid in Schweizer Hühnerbetrieben eingesetzt worden sei.

Der Skandal mit den verseuchten Eiern hatte sich seit Anfang Woche von Belgien und den Niederlanden aus zunächst auf Deutschland ausgeweitet.

Zudem wurde am Freitagabend bekannt, dass belastete Eier auch nach Schweden geliefert worden sind. Die schwedische Lebensmittelaufsicht teilte mit, dass sie darüber von der EU-Kommission informiert worden sei, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Demnach hatte ein Grosshändler die Eier aus den Niederlanden importiert.

Fipronil wird unter anderem gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben eingesetzt. Dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge besteht durch den Verzehr belasteter Eier «keine konkrete» Gesundheitsgefährdung. Nach Angaben des deutschen Landwirtschaftsministeriums ist ein gesundheitliches Risiko für Kinder aber nicht völlig auszuschliessen.

Dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» zufolge rückte ein Chemikalienhändler aus dem belgischen Weelde ins Zentrum der Ermittlungen. Dieser soll um den Jahreswechsel in einer Fabrik in Rumänien grosse Mengen des Tiermedikaments Fiprocid geordert haben, das den gefährlichen Wirkstoff Fipronil enthält, berichtete das Magazin. Das Kontaktgift war offenbar einer Flüssigkeit namens «Dega 16» beigemischt, die der Säuberung von Geflügelställen dienen sollte.

Supermarktketten ziehen Konsequenzen aus Eier-Skandal. Video: Reuters

(mch/sda/afp)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amina123 am 04.08.2017 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eieiei

    darum kaufe ich meine eier seit jahren bei einem landwirt ein.artgerechte hühnerhaltung und null insektizide.von glücklichen hühnern,die freilauf haben;)

    einklappen einklappen
  • Sarkasta am 04.08.2017 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Auch sonst

    Auch sonst keine Eier aus Holland/Aldi. Die Peta drang in Bauernhöfe in Holland ein. Über 230 000 Biolegehennen eingepfercht. Kein einziges Huhn im Freien. Warum? Weil sie Elektrodrähte bei den Eingängen verlegten um die Hühner daran zu hindern nach draussen gehen zu können. Es sei zu mühsam die Eier auf dem Gelände zusammen zu suchen. Tote Hennen massenweise, zwischen den Lebenden. Profitgier Aldis, Geizgeil der Kunden und kein Tierwohlinteresse des Bauern. Katastrophe. Würde vorschlagen all jene da einzusperren die für solche Pratiken sind. Inklusive Elektrodraht. Eingeschaltet natürlich.

    einklappen einklappen
  • Mani Motz am 04.08.2017 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immerhin

    Sie zeigen Verantwortung

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl Luegisland am 08.08.2017 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    Import Schrott

    Es ist schon tragisch, dass die ach so reichen Schweizer Eier aus dem Ausland kaufen, nur weil sie billig sind. 60Rappen für ein Schweizer Ei ist sicher nicht zu viel. Und wenn es direkt vom Bauer ist erst recht nicht. Irgendwie habe ich kein Mitleid mit denjenigen, die billigst Eier aus dem Ausland kaufen und dann solchen Schrott erhalten. Selber schuld oder anders gesagt; ein Bier weniger Zinken oder eine Packung Zigaretten weniger kaufen und der Karton Eier ist mehr als bezahlt. Mal drüber nachdenken.

  • Mary J. am 07.08.2017 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Warum ausl. Eier???

    Man kauft auch keine M-Budget Eier, die sind immer aus ausländischer und katastrophaler Haltung!!! Wer tierlieb ist, isst wenig oder keine Eier und wenn dann Bio, das kleinere Übel!!!

    • Anna am 07.08.2017 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      FREILAND

      Wenn dann Freiland :-) Bio haben nur 1 cm mehr Platz im Stall...

    einklappen einklappen
  • Normalo am 07.08.2017 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nirgendwo gibt's eine Garantie

    Fipronilhaltige Reinigungsmittel sind auch in den Niederlanden und in Belgien für Lebensmittelbetriebe verboten, so wie in der Schweiz. Woher sollen die Verbraucher wissen, ob sich alle CH-Betriebe daran gehalten haben? Bei Gammelfleisch-Skandalen wurde auch mit dem Finger auf unsere Nachbarn gezeigt, bis solche Fälle in der CH aufgeflogen sind.

    • Paranormalo am 07.08.2017 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Normalo

      Und fleissig wir Glyphosphat gesprüht...lieber vergiften wir uns als Erneteinbussen/Höhere Preise hinzunehmen! In Kooperation zw. Endverbraucher bis hin zum (Bio)Bauern.

    einklappen einklappen
  • MArtin am 07.08.2017 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schon Komisch

    Die "Billig"-Eier von M-Bugdet und Prix kommen aus Niederlanden (krasser langer Auto Weg) und die Schweizer Eier die hier Produziert werden kosten mehr. Wo ist da der Sinn ?

    • Tell am 07.08.2017 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      EU Kommunismus 2.0

      @ MArtin Kommunismus 2.0 das wurde uns im Geschichtsunterricht in der Schweiz gegen den Kommunismus vorgeworfen...

    • Mary J am 07.08.2017 12:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Ganz einfach, weil die Haltung katastrophal ist im Ausland! Wir haben seit Jahren keine Käfighaltung mehr, in der EU gibt es zwar "offiziell" auch keine mehr, jedoch hat man ein Schlupfloch gefunden und die Tiere nun einfach in grössere "Käfige" gepfercht!! Am besten Sie kaufen Bio, ist das kleinere Übel...

    einklappen einklappen
  • Desirée am 07.08.2017 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz gegen Ungeziefer

    Fipronil wirkt gegen Läuse, Flöhe, Zecken und so. Ich denke, das Gute am Verzehr von Fipronil Eier ist, dass man dann in nächster Zeit nicht von diesen Quälgeistern befallen wird.