Heikles Geschäft

15. Januar 2019 05:53; Akt: 15.01.2019 09:09 Print

Firma macht Geld mit Ihren Gesundheitsdaten

von Dominic Benz - Auf einer Plattform können Nutzer all ihre Arztdaten speichern – und damit Geld verdienen. Das birgt Risiken.

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Ob Diagnosen, Spitalaufenthalte oder Arztbesuche – auf der digitalen Plattform Healthbank können Nutzer alle erdenklichen Gesundheitsdaten sammeln und speichern. Diese können dann mit Ärzten, Spitälern oder anderen Interessenten geteilt werden. «Die Idee dahinter ist, dass Nutzer die Kontrolle über alle Daten haben und sie diese an einem Ort zusammenführen können», sagt Healthbank-CEO Reto Schegg zu 20 Minuten.

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Würden Sie Ihre Gesundheitsdaten auf der Plattform speichern?

Mit dem Teilen von Gesundheitsdaten will das 2014 gegründete Zuger Start-up die ärztliche Behandlung optimieren. So sollen elektronische Rezepte und Medikation helfen, Zeit einzusparen. Damit will die Firma die Gesundheitskosten senken. Rund 200'000 Nutzer haben sich derzeit auf der Plattform registriert. In zehn Jahren will Healthbank mit seiner Datenbank weltweit die Nummer eins sein.

«Healthbank ist wie ein Smartphone»

Geld verdient die Firma mit den Daten-Partnern. Dazu gehören etwa die Gesundheitsgruppe Galenica oder die Ärztevermittlerin Doctena. «Healthbank ist wie ein Smartphone», erklärt Schegg. Die Partner stellen eine Art App bereit, über die die Daten automatisch auf Healthbank gespeichert werden können. «Wir funktionieren so als unabhängiger Cloud-Speicher für die vom Nutzer zur Verfügung gestellten Daten.» Für das Bunkern der Informationen erhält Healthbank Geld von den Partnern.

Auch die Nutzer können an ihren eigenen Daten verdienen. Und zwar dann, wenn sie die Informationen zu Forschungszwecken teilen. Das geschieht – ausser mit ausdrücklicher Einwilligung – anonym. Für das Teilen gibt es im Schnitt bis zu 550 Franken. Healthbank erhält im Gegenzug eine Vermittlungsgebühr. «Wir sind ähnlich wie der Marktplatz von Ebay», sagt Schegg.

Unüberlegtes Teilen

Für den Datenschutzexperten David Rosenthal bergen solche Datenplattformen durchaus Risiken (siehe Interview). «Oft lassen sich die Nutzer auf etwas ein, ohne zu wissen, welche Folgen das haben kann.» Wird nicht klar und deutlich informiert, ist die Gefahr gross, dass Daten unüberlegt geteilt werden. Zwar sind die vereinbarten Regeln und Zusagen verbindlich, aber für den Konsumenten ist es letztlich dennoch eine Frage des Vertrauens. «Jeder muss selber entscheiden, ob er das Risiko eingeht und seine Daten auf einer solchen Plattform speichern will», sagt Rosenthal.

Risiken beim Teilen

Vor Hackern hat Firmen-Chef Schegg keine Angst. «Wir sind überzeugt, dass unsere technische Verschlüsselung so sicher ist, wie es heute überhaupt möglich ist.» Zudem könne Healthbank selber die Daten nicht entschlüsseln. «Wir sehen nur das, was der Nutzer uns willentlich zur Verfügung stellt.»

Das einzige Sicherheitsrisiko besteht laut Schegg dann, wenn man die Daten teilt. «Wir können mit Partnern nur vertraglich absichern, dass die Daten nicht ohne Erlaubnis weitergegeben werden», sagt er. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es allerdings nicht.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 15.01.2019 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder kann selber entscheiden

    Es kann ja jeder selber entscheiden, was er mit seinen Daten machen will, respektive wo er mit macht. Mein Ding ist es nicht,

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  • R . Sterk am 15.01.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir wissen schon alles

    Unsere Daren sind schon lange nicht mehr sicher ! Jeder weiss alles über uns und wir werden es uns weiterhin gefallen lassen. Das Kleingedruckte aus jedem Papier sagt schon alles.

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  • errare humanum est am 15.01.2019 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch

    Wirklich nicht notwendig! Wir lassen uns immer öfter einreden, dass eine zentrale digitale Verwaltung der Daten das A und O sei. Ich finde es unnötig und gefährlich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • El Gato am 15.01.2019 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple vorbildlich

    Apple hat diesem adatenwahn den Kampf angesagt und unternimmt fast alles um Daten zu schützen. Sie verdienen in Gegensatz zu Google auch kein Geld damit.

  • kuede am 15.01.2019 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falscher Sturm

    Swisscom verdient mit unseren Daten Geld ohne unsere Zustimmung und gegen unseren Willen. Hier werden wir gefragt und erst noch bezahlt! Regt Euch also bitte nicht auf! Gesundheitsdaten sind sehr wichtig für den Fortschritt?

  • Jö Herzig am 15.01.2019 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Es könnte ja jemand wissen..

    Also ich finde jetzt Hacker schlimmere Menschen als Datensammler.

    • Randy6603 am 15.01.2019 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jö Herzig

      Es gibt auch Hacker die gut sind, Beispielsweise sicherheitslücken aufdecken. Kopf zuerst einschalten und nicht alle in den gleochen Topf werfen

    einklappen einklappen
  • Monky am 15.01.2019 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Zeitungen machen Geld mit Manipulationen. Alles kommt zurück..

  • Dr Waggis am 15.01.2019 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu bequem?

    Wieso eigentlich? Das kann doch jeder auch auf der Festplatte seines eigenen PCs speichern. So kompliziert ist das nicht und einen Scanner hat ja auch fast jeder.