Stelleninserat

27. September 2018 13:23; Akt: 27.09.2018 13:23 Print

«Suchen unkomplizierte Frau ohne Kleinkinder»

von Isabel Strassheim - Das Stelleninserat für eine Mitarbeiterin in der Administration fordert, dass sie keine kleinen Kinder hat. Ist das überhaupt erlaubt?

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Der Zürcher Lebensmittelgrosshändler Ernst Welti AG sucht eine Mitarbeiterin in der Administration und für den Marktstand, nachts in Teilzeit 50 bis 60 Prozent. Unter dem Profil der Gesuchten heisst es:« Sie sind eine unkomplizierte Frau zwischen 35 und 50 Jahren mit Führerausweis, ohne Kleinkinder.»

Umfrage
Bleiben Mütter mit kleinen Kindern öfter von der Arbeit fern?

Wurden Sie auch schon wegen Ihren Kindern diskriminiert? Sagen Sie im Vorstellungsgespräch, dass Sie Kinder haben?

Die explizite Suche nach einer Frau ohne kleine Kinder liegt in einer rechtlichen Grauzone, sagt der Rechtsanwalt und Arbeitsrecht-Experte, Pascal Domenig: «So ein Stelleninserat ist sicher höchst fragwürdig», sagt Domenig zu 20 Minuten. Ausserdem sei es in der Schweiz inzwischen guter Standard, dass bei einer Stellenausschreibung nicht explizit Frauen oder Männer gesucht werden, sondern dass sie geschlechtsneutral gehalten ist.

«Schlicht fahrlässig»

Die Firma Welti beschäftigt rund 45 Angestellte und begründet ihre Suche nach einer Mitarbeiterin ohne kleine Kinder mit den geringer erwarteten Absenzen (siehe Interview in der Box). Eltern kleiner Kinder werden eher selbst krank und können zudem wegen der Krankheit ihrer Kinder ausfallen.

Dennoch beurteilt Personalexperte Thomas O. Bayer das Inserat
als schlicht fahrlässig. «Firmen muss bewusst sein, dass Frauen ein Riesenpotenzial sind. Längerfristig ist es entscheidend, einen guten Ruf als sozialer Arbeitgeber gerade auch für Frauen zu haben», sagt Bayer.

Frauen mit Kleinkindern geschickt ablehnen

Für den Fall, dass eine Firma tatsächlich meint, auf Frauen mit kleinen Kindern verzichten zu können, solle sie das nicht ins Stelleninserat schreiben. «Es gibt unauffälligere Wege, um das sicherzustellen», sagt Bayer. Wenn, dann könne das Thema beim Einstellungsgespräch angesprochen werden. «Es geht natürlich dabei um die Frage, ob eine Person leistungsfähig ist und wie oft sie wegen Krankheit der Kinder ausfällt.» Aus Arbeitgebersicht sei das ein klares Risiko für kleinere und mittlere Unternehmen.

Für den Fall, dass Firmen im Anstellungsgespräch das Alter der Kinder in Erfahrung bringen wollen, warnt Rechtsanwalt Domenig: «Fragen, die nicht mit der Arbeitstätigkeit zusammenhängen, sind im Vorstellungsgespräch nicht zu stellen.» Ein möglicherweise höherer Krankheitsausfall von Müttern oder auch Vätern mit kleinen Kindern sei keine Legitimation, sie nicht einzustellen oder bei der Einstellung danach zu fragen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonja am 27.09.2018 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    ehrliches Inserat

    finde ich super, ehrliche und direkte Suche statt x Frauen mit verlogenem Grund absagen

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  • Miro am 27.09.2018 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die haben recht

    Alle anderen tun das auch, nur die haben den Anstand, das im Inserat gleich zu kommunizieren, dass sich junge Mütter den Aufwand einer Bewerbung sparen können, da sie sowieso nicht eingestellt würden. Die anderen lassen die selben Bewerberinnen einfach gegen die Wand laufen und senden die Unterlagen dann dankend zurück. Diese Firma zeigt betriebswirtschaftliche Kenntnisse und man holt sich keine Mitarbeiter ins Haus von denen man annehmen muss, dass sie öfter zu Hause sind als andere und so der Firma schaden. Das Potential von Müttern kleiner Kinder ist irrelevant wenn sie nicht da sind.

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  • Ja, das gibt Dislikes am 27.09.2018 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Umfrage

    Die Auswahlmöglichkeiten bei der Umfrage sind ein Witz. Man kann gar nicht sagen: "Ja, das stimmt". Sondern nur frauenfreundliche Antworten. Das ist ein Witz. Meines Erachtens trifft dies zu, dass Frauen mit Kleinkinder öfters ausfallen und nicht so leistungsfähig sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cheffin am 28.09.2018 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Realität

    Stelleninserst mit Text Arbeitsbeginn 05 Uhr. Es melden sich jede Menge Mamis und Papis und erklären, dass Sie den Job wollen - aber Arbeitsbeginn erst um 8 Uhr, da Kinder...

  • Morgenrot am 28.09.2018 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    wo ist der Papi

    "Es geht um eine Arbeit in der Nacht mit nur drei Personen. Wenn eine ausfällt, haben wir ein Riesenproblem. " hahaha...ach ja, und der Papi kann nicht zu dem Kind schauen? oder wird die Frau doppelt diskriminiert: erstens weil sie Kinder hat und zweitens weil sie single ist? ach du schöne Welt.

    • @Lolly am 28.09.2018 22:38 Report Diesen Beitrag melden

      Kleinkind

      Ob Mann oder Frau ist egal .Bei 3Personen ist es immer ein Problem wenn einer ausfällt.Das sollte jemand dem Herrn Marquart erklären. Da ist nicht eine Angestellte mit kleinen Kindern zu haben ein Problem,denn auch Männer werden krank und fallen aus.

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  • Claude am 28.09.2018 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder eine Firma ohne Zukunft (-sicht)

    Ich frage mich nur, wie eine Gesellschaft einen Weitblick in die Zukunft realisieren kann, wenn die eigenen Kinder nur zur last fallen. Kann es sein, dass keine mehr arbeiten wollen?... Alle wollen nur noch fertig ausgebildete, leistungsstarke, belastbare, flexible, selbst denkende und willige Persönlichkeiten. Wer gute Arbeiter haben will, muss etwas dafür tun. Die kommen nicht von alleine.

  • Andy am 28.09.2018 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ich stelle nur noch Mütter & Väter ein

    Mütter und Väter können Multitasking, sind Stress resistent, können anderen Sachen erklären und haben höchste Führungsqualitäten (Konsens erreichen auch wenn das Gegenüber ganz etwas anderes will). Die meisten Kinderlosen meiden die Verwantwortung privat wie auch im Beruf. Immer sind die anderen Schuld. Am Donnerstag beginnt das Wochenende mit Party und am Freitag sind sie dann nicht zu gebrauchen oder melden sich krank.

  • Ruedi am 28.09.2018 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!

    Als Unternehmer kann ich immer noch einstellen wen ich will! Was soll das?