Während Sitzungen

04. März 2015 05:52; Akt: 04.03.2015 05:52 Print

Firmen führen Regeln für Handy-Nutzung ein

von Valeska Blank - Während der Sitzung E-Mails checken oder in den sozialen Medien surfen: Diese Unart verbreitet sich auch in Schweizer Firmen. Erste gehen dagegen vor.

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Es lenkt ab und ist unanständig: Das Smartphone ist bei vielen Firmen an Sitzungen verpönt. (Bild: Vario Images)

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E-Mails checken, twittern, SMS schreiben – und das in Gesellschaft. Was noch vor ein paar Jahren als Gipfel der Unhöflichkeit galt, ist inzwischen Normalität. Und das sogar während der Arbeit. Sitzungsteilnehmer, die lieber in ihr Smartpone starren, statt dem Gespräch zu folgen, gehören in Schweizer Unternehmen zur Tagesordnung. «Von dieser Unart höre ich immer öfter», sagt der Produktivitätstrainer Willy Knüsel zu 20 Minuten.

Umfrage
Ist die Handy-Nutzung während einer Sitzung in Ordnung?
8 %
72 %
20 %
Insgesamt 7192 Teilnehmer

Dabei ist das Smartphone ein Produktivitätskiller und stört die Arbeitskollegen. Laut einer Studie der Marshall School of Business in Kalifornien fühlen sich viele Angestellte von der Smartphone-Nutzung anderer Sitzungsteilnehmer beeinträchtigt. Es sei ein Zeichen von mangelndem Respekt und mangelnder Aufmerksamkeit, so die Befragten.

Firmen stellen Regeln auf

Vor allem Angestellte in Kaderpositionen stören sich an dem Verhalten. 86 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einem überdurchschnittlichen Einkommen sagten, es es sei unangemessen, einen Anruf entgegenzunehmen. 84 Prozent fanden es unangebracht, SMS oder E-Mails zu lesen.

Aus diesem Grund stellen Schweizer Firmen vermehrt Leitlinien auf, was in Sachen Smartphone während Sitzungen tabu ist. Ein Beispiel ist der Milchverarbeiter Emmi: «Empfehlungen zum Umgang mit dem Mobiltelefon sind bei uns Teil der Sitzungsregeln», sagt Sprecherin Sibylle Umiker. Darin sei festgehalten, dass Telefone aus- oder lautlos geschaltet sein sollten und dass während Sitzung grundsätzlich keine Anrufe entgegengenommen werden.

Noch kein Verbot

Von einem offiziellen Handy-Verbot wollen die meisten Schweizer Firmen hingegen nichts wissen. Swisscom setzt lieber auf die Eigenverantwortung seiner Angestellten. «‹Verbotszeiten› für die Nutzung von Handys kennen wir nicht», sagt Sprecher Olaf Schulze.

Sehr kulant im Umgang mit Handys zeigt sich Coop: Dort wird es toleriert, dass sich Mitarbeiter während Sitzungen mit dem Smartphone beschäftigen. «Bei Mitarbeitenden, die nicht von allen Sitzungsthemen betroffen sind, kann es Sinn machen, dass sie sich via Handy anderen Pendenzen widmen – natürlich nur in der Zeit, in welcher sie keinen Beitrag leisten müssen», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander.

«Das ist ein Affront»

Produktivitätstrainer Willy Knüsel findet hingegen, man sollte klare Grenzen ziehen. «Es ist schlicht unhöflich, während einer Sitzung das Handy zu zücken – das ist nicht nur ein Affront für den Sitzungsleiter, sondern auch für die anderen Teilnehmer.» Weil sich das Problem verschärfe, seien Richtlinien, wie sie jetzt viele Firmen durchsetzen, sinnvoll. Von offiziellen Handy-Verboten hält er trotzdem nichts. «Das wäre zu schulmeisterlich und würde bei den Mitarbeitern nicht gut ankommen.»

Besser sei es, Sitzungen so zu gestalten, dass keine Langeweile aufkomme und die Teilnehmer so gar nicht in Versuchung geraten, ihre Mails oder die sozialen Medien zu checken. «Gute Vorbereitung, klare Traktanden und vor allem Kürze – so bleibt die Sitzung spannend, auch ohne Handy», so Knüsel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zürcher am 04.03.2015 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meetings

    Man sollte aber auch was gegen übertrieben viele Sitzungen tun. Manchmal bin ich in Meetings wo ich vielleicht 5min involviert bin, die restlichen 55min sitze ich nur rum, dann muss man ja die Zeit irgendwie sinnvoll nutzen..

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  • Erich K. am 04.03.2015 06:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kaderleute am Smartphone

    Bei uns ist es genau umgekehrt, die Mitarbeiter stören sich daran, weil die Kaderleute an Meetings immer so wichtig tun müssen und ab und zu einen Anruf beantworten oder eine SMS zu schreiben, etc.

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  • Tomy am 04.03.2015 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Produktivitätstrainer?

    Der gute Mann würde sich besser Gedanken machen wie man die vielen Sitzungen kürzen oder absagen könnte, in denen nur gelabert wird. Wenn ich 2 Stunden an einer Sitzung bin, welche mich nur am Rande betrifft und zurück ins Office komme und im Maileingang 40!! Mails sehe, trifft mich der Schlag. Ich nehme jeweils direkt das Notebook in jedes Meeting. Der Produktivitätstrainer sollte mal in der Realität Arbeiten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hamlet am 05.03.2015 00:59 Report Diesen Beitrag melden

    Unart Meetings!

    es ist doch am einachsten wenn man 12 leute für 5 min braucht, das man diese zusammentrommelt und dann nur 1h aufwand hat. das die anderen aber einen zusatzaufwand haben, nimmt man gerne in kauf. für eine firma ist das viel schadhafter als wenn der einladende zwar mehr von seiner zeit braucht aber dadurch die zeit der eingeladenen schont.

  • max62 am 04.03.2015 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mister Wichtig.

    40 Mails in 2 Stunden? Ich meine kommt man da noch zum arbeiten? Wahrscheinlich nur wenn man selbst der email Server ist.

    • Mangabong am 05.03.2015 08:30 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      "Ich bekomme min 300- 500 E-mail pro Tag", das ist der neue Slogan für Leute um sich wichtiger als wichtig zu machen. Der nächste kriegt dann sicher schon 500 bis 1000, und so weiter. Ich krieg auch viele (nicht 300) mail am Tag und 80% sind nu Schrott. "An alle weiterleiten/antworten" mit seinem Kommentar auf immer dem selben Schrott und schon ist man WICHTIG, weil man hat ja seinen Senf dazu gegeben. Spitze meines Erlebnisses: Einfache und klare Mail-anfrage mit 4 Sätzen (1 Seite), innert 4 Tagen auf über 50 Seiten (Schrott) gewachsen, aber keiner hat auf die erste Anfrage geantwortet.

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  • Sandra G. am 04.03.2015 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Sitzungen

    Der grösste Teil der Sitzungen ist verschwendete Zeit. Warum sollte ich dann nicht meine News auf dem Smartphone lesen und Mails beantworten?

  • Gianfranco Masi am 04.03.2015 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unternehmer

    Solange die Ziele, die Kundenzufriedenheit und die Arbeiten erledigt sind, dürfen meine Mitarbeiter machen was Sie wollen. Handlungsbedarf gibt es nur, wenn einer der oben erwähnten Punkten aus dem Ruder geraten. Alles andere ist pure Unterdrückung, Machtäusserung Kontrollwahn.

  • Caesar Monetas am 04.03.2015 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Regeln für Sitzungen

    Früher (ich bin 74) war es so, dass an Sitzungen weder Telefone durchgestellt, noch Störungen an der Türe geduldet wurden. Keine Firma ist zugrunde gegangen, weil die Geschäftsleitung während 1 - 2 Stunden nicht erreichbar war. Prinzipiell sollten alle Störungen von Sitzungen ferngehalten werden. Jede Intervention von Aussen betrifft einen der Teilnehmer und alle anderen Sitzungsteilnehmer müssen unproduktiv ausharren.