Starker Franken

22. Januar 2015 12:00; Akt: 22.01.2015 12:08 Print

Firmen in Grenzregionen planen Euro-Löhne

Um konkurrenzfähig zu bleiben, wollen immer mehr Schweizer Firmen in den Grenzregionen die Löhne kürzen oder in Euro ausbezahlen. Juristisch ist das heikel.

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(Bild: Keystone/urs Flueeler)

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Viele Schweizer Firmen bangen um ihre Konkurrenzfähigkeit, weil ihre Produkte für Kunden aus dem Euroraum über Nacht plötzlich gegen 20 Prozent teurer geworden sind. Nun planen verschiedene Betriebe, den Währungsschock auf die Mitarbeiter abzuwälzen. «Mehrere Rheintaler Firmen fassen ins Auge, die Löhne an Grenzgänger in Euro zu bezahlen oder die Frankenlöhne an den neuen Wechselkurs anzupassen», sagt Rechtsanwalt Thomas Bolt, der als Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Rheintal amtet, zum «Tages-Anzeiger». Ähnlich tönt es laut der Zeitung auch bei Vertretern des Arbeitgeberverbands Mittelthurgau und Basel.

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Noch einen Schritt weiter gehen Firmen in der Romandie. Die Waadtländer Kommerz- und Industriekammer (CVCI) stellt sogar die Grundregel in Frage, die Löhne fürs einheimische Personal in Franken auszubezahlen. Hier hält man es aufgrund des Freizügigkeitsabkommens für problematisch, nur die Löhne der Grenzgänger zu senken. Gegen einen generellen Systemwechsel hin zu Eurolöhnen für sämtliche Angestellte spreche juristisch hingegen nichts.

Missbräuchliche Rachekündigung

Die grosse Frage hinter dieser Lohnkürzung ist, ob sie einseitig durchgesetzt werden kann. Während der letzten Euro-Franken-Parität im Sommer 2011 wollte nämlich eine Baselbieter Firma die Löhne der Grenzgänger senken. Die Begründung: Durch den starken Franken könne sie sich die Grenzgänger mehr leisten. Einige Mitarbeiter wollten aber nicht freiwillig auf den vertraglich zugesicherten Lohn verzichten und setzten sich gegen die Änderungskündigung zur Wehr. Das Kantonsgericht Baselland gab ihnen schliesslich Recht und sprach von einer «missbräuchlichen Rachekündigung». Entspannung bei Firmen, die Ähnliches planten, brachte schliesslich der von der Nationalbank (SNB) durchgesetzte Euro-Mindestkurs.

Bei den Arbeitgeberverbänden ist man sich der heiklen Situation bewusst. Die Verantwortlichen sind aber der Meinung, dass Anpassungen für Grenzgänger nicht grundsätzlich verboten seien, sofern sich die Firmen gütlich mit den Mitarbeitern einigten. Das sei 2011 ungefähr je einem Dutzend Firmen in der Region Basel und der Ostschweiz gelungen, erklären Gutzwiller und Peter Maag, Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger».

Gewerkschaften gehen auf die Barrikaden

Kein Verständnis für die Forderung haben die Gewerkschaften. «Es geht nicht an, dass jetzt die Arbeitnehmer bluten müssen, bloss weil der Franken überbewertet ist. Jetzt muss man erst einmal abwarten, wie sich der Kurs weiterentwickelt», sagte Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), kürzlich zu 20 Minuten. Zudem fordert er grundsätzlich, dass in der Schweiz Schweizer Löhne bezahlt werden. Sollte sich der Kurs nicht erholen, muss laut Lampart die SNB erneut einschreiten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • U.K. am 22.01.2015 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Jaja lasst die kleine Äffle schaffe.. Während die Geschäftsführung weiterhin den selben Lohn bezieht

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  • Miguel am 22.01.2015 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Dorn im Auge

    Ich finde es schon ein Problem dass die Grenzgänger nun noch mehr profitieren, mal ganz ehrlich, es findet es wohl keiner in Ordnung wenn sein Arbeitskollege plötzlich 20% mehr verdient nur weil er im Ausland wohnt oder? Fast alle Grenzgänger geben hier in der CH nichts aus. 60% meiner Arbeitskollegen sind Grengänger deshalb weiss ich wies läuft. Der Bund sollte seit langem reagieren und die Grenzgänger besteuern, sie nutzen unsere Infrastuktur auch und zahlen nichts. Es kann ja nicht angehen das wir ins Ausland ziehen müssen damit wir auch profitieren. Bringt endlich eine Grenzgängersteuer.

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  • Samuel Keuscher am 22.01.2015 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Entscheid

    Ich würde es sehr begrüssen wenn man den Elssässern und Deutschen den Lohn in Euro festlegen würde. Die Grenzgänger geben das ganze Geld im Heimatland aus. Es kann nicht sein, dass die Grenzgänger die eh schon das x-fache wie im Heimtland verdienen nochmals 20% drauf überkommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • a.maffioretti am 23.01.2015 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    In Euro und angepasst an die Lebenskosten in den jeweiligen Länder! Dann ist schnell mal schluss mit 62'000 Grenzgängern im Tessin.

  • grenzgänger am 23.01.2015 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das gleiche

    Mal wieder Managerschwachsinn hoch 5! Wer spricht davon den Grenzgängrn mehr Lohn zu zahlen wenn der Kurs wieder bei 1,40 liegt? Niemand, dann wird gleich argumentiert, das Grenzgänger ja selbst schuld sind! Warum diskutiert man nicht über die fetten Managerboni und die hohen Löhne der Führungsetagen? Und so nebenbei, die schweizer Firmen werden sich dann noch mehr überlegen Schweizer oder Grenzgänger einzustellen, da diese ja dann noch günstiger sind als Schweizer. Also gegen diese Pläne sollten Schweizer und Grenzgänger sein!

  • Rheintaler am 23.01.2015 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inländervorzug gewinnt an Bedeutung

    Ich war über 20 Jahre "Personaler" in Rheintaler Grossunternehmen. In den letzte Jahren, seit der Welle der Globalisierung, findet man ständig mehr "ausländische" Arbeitnehmer in den Führungsaufgaben die sich an den hohen CHF Gehältern laben. Vielleicht führt dies dazu dass der Marketingleiter (aus Frankreich) und der Controller (aus Holland) und der Geschäftsführer (aus Deutschland) dann vielleicht durch angeblich "schlechter qualifizierte" Schweizer ersetzt werden, wenn der Personalchef keine "günstigeren" Akademiker aus dem Ausland mehr bekommt,

    • markusonline am 23.01.2015 18:00 Report Diesen Beitrag melden

      mehr einkommen dank Euro

      richtig - denn die haben ja jetzt praktisch 20% mehr Eurogeld, wenn die in CHF bezahlt werden. Einkommenssteigerung, und das schon im Januar! wow...

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  • hsk kk am 22.01.2015 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch

    Müssen die nicht Quellensteuer zahlen?

    • Killroy was here am 23.01.2015 21:16 Report Diesen Beitrag melden

      Quellensteuer

      doch, wir bezahlen 4,5% wenn ich meine Abrechnung sehe.

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  • kunigunde am 22.01.2015 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dumme arbeitnehmer

    Das habt ihr davon. Immer wirtschafts freundlich abstimmen. Und trotzdem gibts dann den schuh. Pech gehabt. Hat irgend einer das gefühl, dass dann die grossen kostentreiber wie miete, wohnungspreise oder krankenkasse billiger werden. Die folgen sind fataler, als wenn Arbeitslosigkeit droht.

    • Hudson am 23.01.2015 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      Danke schen!

      Danke kunigunde! Meine Meinung wurde bereits von dir auf den Bildschirm gebracht. Immer pro Wirtschaft, aber wenns nicht optimal läuft, macht die Wirtschaft den "Gönnern" den Dolchstoss. Bei der nächsten Abstimmung mit wirtschaftlichem Interesse werde ich das Getue der Economy-Leute im Hinterkopf behalten.

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