Von wegen teuer

15. Mai 2012 07:16; Akt: 15.05.2012 07:57 Print

Firmen kriegen beim Roaming eine Extrawurst

von Jessica Pfister - Während Swisscom & Co. die Roaming-Tarife bei Privatkunden kaum senken, zeigen sie sich bei Firmen grosszügig. Dort telefonieren Mitarbeiter bis zu 30 Prozent günstiger.

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Während Privatkunden nach einem Aufenthalt im Ausland zuhause gesalzene Handy-Rechnungen erwarten, profitieren Mitarbeiter von grösseren Unternehmen von grosszügigen Rabatten. (Bild: thinkstock)

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Wer im europäischen Ausland mit dem Handy telefoniert, fühlt sich beim Blick auf die Rechnung regelrecht abgezockt. Bis zu 1.70 Franken müssen Privatkunden pro Minute für einen Anruf in die Heimat hinblättern. Damit zahlen Schweizer Handynutzer bis zu viermal mehr als die Nachbarn in der EU. Diese profitieren ab Juli von einer erneuten Preissenkung und zahlen damit für einen Anruf vom Ausland nach Hause maximal 47 Rappen pro Minute – in den nächsten zwei Jahren werden die Preise nochmals um je 6 Rappen gesenkt.

In der Schweiz weigern sich die Telekom-Anbieter weiterhin, die Roaming-Tarife deutlich zu senken (20 Minuten Online berichtete). Doch so knauserig sich Swisscom B”rsenkurs, Orange und Sunrise bei den Roamingtarifen für Privatkunden zeigen – bei Kunden der Privatwirtschaft sind sie spendabel. Dies zeigt ein Blick auf die Tarifverträge einiger grösseren Unternehmen, die 20 Minuten Online vorliegen. Mitarbeiter dieser Firmen, von denen keine namentlich genannt werden will, profitieren von bis zu 30 Prozent Rabatt auf den Auslandtarifen.

«Rabatte sind gang und gäbe»

So zahlen die Schweizer Mitarbeiter einer grossen amerikanischen Investmentbank gerade mal 56 Rappen, wenn sie aus Westeuropa in die Heimat anrufen – dank einem Spezialtarif der Swisscom. Von tieferen Preisen profitieren auch die Angestellten einer international tätigen Handelsfirma. Sie erhalten auf den – sowieso schon tieferen Business Tarif – nochmals 10 Prozent Rabatt. Ebenfalls in den Genuss von tieferen Roamingtarifen kommen die Mitarbeiter eines grossen Schweizer Verlagshauses – statt den 80 Rappen, die Privatkunden ohne Option bei Swisscom für einen Anruf vom Ausland in die Schweiz berappen, müssen sie nur 53 Rappen bezahlen.

Dass sich Telekom-Firmen bei der Privatwirtschaft weitaus grosszügiger zeigen als bei Privatkunden, weiss auch Experte Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis: «Es ist gang und gäbe, dass die Telkom-Firmen mit den Unternehmen Rabatte aushandeln.» Bei Inlandtarifen betrage der Rabatt bis zu 40 Prozent, bei den Roamingtarifen seien es in der Regel 10 bis 15 Prozent. Wer gut verhandle, könne aber auch mehr herausholen. «Höhere Rabatte zeigen, dass in den Roamingtarifen noch viel Luft drin ist», so Beyeler. Da erstaune es, dass nicht auch Privatkunden solche Tarife erhalten.

Keine Auskunft bei Telekom-Firmen

Den Telekom-Firmen ist bewusst, wie heikel diese Preispolitik ist. So antwortet die Swisscom auf die Frage, wieviel Prozent Rabatt sie ihren Geschäftskunden maximal gewähre, kurz und knapp: «Zu den Geschäftskundenkonditionen geben wir keine Auskunft.» Bei Orange möchte man aus Wettbewerbsgründen ebenfalls keine Angaben zu ausgehandelten Sonderkonditionen machen. Nur so viel: «Unternehmen erhalten ein massgeschneidertes Angebot für ihre Kommunikationsbedürfnisse», sagt Sprecherin Marie-Claude Debons. Auch bei Sunrise gibt es im Bereich der Grosskunden keine «Produkte ab der Stange», wie Sprecher Tobias Kistner betont. Je nach Fall werde entschieden, welches Angebot und welche Tarife zur Anwendung kommen.

Die Grosskunden sind jedenfalls dankbar um die Rabatte – so dankbar, dass viele nicht einmal kommunizieren wollen, mit welchem Anbieter sie einen Vertrag haben. So zum Beispiel die Swiss, bei der Roamingkosten laut eigenen Angaben einen grossen Anteil der Gesamt-Mobilekosten betragen. Bei der ABB Boersenkurs gibt man immerhin zu, mit der Swisscom Spezialkonditionen ausgehandelt zu haben – wie diese im Detail aussehen, will die Firma jedoch nicht preisgeben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Emil S. am 15.05.2012 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich

    Die Möglichkeit ist ja gegeben und Firmen haben oft Rechnungen von mehreren hundert Franken. Pro Apparat. Pro Monat. Da kann man schon ein bisschen flexibel sein...

  • Thomas Pedersen am 15.05.2012 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roaming

    Das Firmen allgemein Preise verhandeln können entspricht einer gewissen Logik, da diese Ihr ICT Portfolio bei den Anbietern haben und auch deutlich höhere Volumen. Der Vergleich mit dem Ausland scheint mir nicht Sachlich kommuniziert, da in der Schweiz deutlich mehr Kosten für Bau,Betrieb und Unterhalt anfallen ohne die Personalkosten zu erwähnen.Weiter haben wir in der Schweiz eine unglaublich hohe Verfügbarkeit der Netze und das Angebot der Funktionen.Wenn ich nun vergleiche wieviel mal meine Krankenkasse gesunken ist, ist dieser negativ und die Leistungen sind auch nicht gestiegen!

  • Blunschi am 15.05.2012 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    tja...

    typisch für die Schweiz aber HIER ist ja alles besser!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ärger am 15.05.2012 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Provider verdienen nur

    CH-Provider zahlen im Ausland für das Roaming (Gleichwenig wie die anderen EU-Provider?). Sonst haben sie nur noch Ausgaben für die Rechnungsstellung. Diese erfolgt aber elekronisch durch den Computer. Der restliche Profit klingelt in der Kasse ;-)

  • ps am 15.05.2012 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der grösste Kunde

    Die lieben Anbieter vergessen dass der grösste Kunde immer noch all die privaten Nutzer sind!! Ich schlage darum vor dass wir alle zusammen mal 2 Tage ganz aufs Handy verzichten.

  • schweizer-in am 15.05.2012 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hört auf zu motzen

    warum mekert ihr nur immer über die swisscom??? swisscom und andere firmen wie krankenkasse ect bieten auch extrawünsche an... und übrigens, swisscom senkt im sommer die roaming gebühren, was sunrise und orange gar nicht machen und teurer sind als swisscom!! hört auf zu motzen und gebt euch mal mit dem was ihr bekommt einbisschen zu frieden! und ja, fast niemand mekert über sunrise und orange?? oder seh ich das falsch. fakt ist: egal was firmen wie swisscom und andere firmen machen und anbieten, es gibt immer kunde die meinen sie müssten die preise bekommen wie im ausland.

  • Silvan am 15.05.2012 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prepay Karte im Ausland kaufen

    nicht beklagen sondern Skype und WhatsApp benutzen. Reist man oft z.bsp. nach italien, lohnt es sich dort eine prepay SIM zu kaufen. ID genügt und ist in 15 min erledigt.

  • mr.dbase am 15.05.2012 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Vergleich

    Wir Unternehmer Zahlen auch mehr für die Anschlüsse bei der Swisscom. So kostet ein Glasfaserzugang mit 50 Mbit und einem Tel. Anschluss Fr. 159.-- und für Private nur Fr. 100.-- inkl. TV Programme. Vergleicht doch mal Richtig und nicht immer wieder Birnen mit Kartoffeln oder sonstwas.

    • ITler am 15.05.2012 11:30 Report Diesen Beitrag melden

      Vergleiche DU richtig!

      50M über Glas für 159 ist günstig für Firmen! Du musst auch sehen welche SLA du dafür bekommst. Wenn du aber problemlos auch mal ein, zwei Tage ohne Internet auskommen kannst, warum dann einen Firmenzugang für mehr Geld? Ausfälle sind selten aber WENN es passiert bist du froh darum einen Firmen Anschluss zu haben! Wir waren es. Unser Anschluss im Büro war ca. eine Stunde weg, meiner zu Hause fast den ganzen Tag.

    • Chris am 15.05.2012 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      Birtoffeln..

      Schau erst mal genau hin... Die Angebote für Firmen unterscheiden sich gegenüber den Privatkundenangeboten in Bezug auf Verfügbarkeit, Uploadgeschwindigkeit und Dienstleistung seitens der Provider. Dein Vergleich hinkt massiv... (so von wegen Kartoffeln und so)

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