Aufruf an die Firmen

02. Juli 2018 05:38; Akt: 02.07.2018 09:38 Print

«Chefs, lasst uns beim Nati-Match mitfiebern!»

von Isabel Strassheim - Die Schweizer Wirtschaft steht still, wenn am Dienstag Millionen beim WM-Spiel der Nati mitfiebern. Der Arbeitgeber-Chef ruft zu «Grosszügigkeit» auf.

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Nur Fussball im Kopf: Schweizer Fan beim Spiel Schweiz–Costa Rica. Auch den Achtelfinal wollen so gut wie alle live mitverfolgen ... ... beim entscheidenden Gruppenspiel schauten zeitweise knapp zwei Millionen Deutschschweizer zu. Beim Achtelfinal dürften es mindestens genauso viele sein. Auch so geht WM-Schauen während der Arbeitszeit: Taxifahrer aus Zug haben sich beim Taxistand am Bahnhof Zug einen Fernseher aufgestellt ... ... so bekamen sie die Tore beim Spiel Schweiz–Costa Rica mit. Wie bei den Gruppenspielen wollen Millionen Schweizer auch beim Achtelfinal mitfiebern ... ... die Public Viewings hoffen auf viele Gäste – wie in der Winti Arena in Winterthur. Der Stand bei den Achtelfinals, die bislang über die Bühne gingen: Frankreich gewinnt den ersten Achtelfinal des Turniers 4:3 gegen Argentinien. Messi muss enttäuscht die Heimreise antreten, ohne in der K.-o.-Phase ein Tor erzielt zu haben. Auch Weltfussballer Ronaldo scheidet mit Portugal aus. Cavani schiesst mit einem Doppelpack Uruguay im zweiten Achtelfinal vom Samstag zum 2:1-Sieg gegen den Europameister. Mit Isco (r.) wollen die Spanier in Moskau ... ... den Gastgeber Russland und dessen Leaderfigur Denis Tscheryschew (l.) aus dem Turnier werfen. Die einheimischen Fans machen im Luschniki-Stadion bestimmt mächtig Lärm. Luka Modric ist einer von Kroatiens Antreibern ... ... im Duell mit den Dänen, die vor allem dank Yussuf Poulsens siegbringendem 1:0 im ersten Gruppenspiel gegen Peru den Sprung unter die besten 16 Teams schafften. Die Affiche im Nischni-Nowgorod-Stadion dürfte ebenfalls hart umkämpft werden. Die Brasilianer mit Superstar Neymar sind in Samara ... ... gegen Mexiko mit Stürmer Javier Hernandez gefordert. Ein Duell, das viel Zündstoff hat. Michy Batshuayi ist ein Belgier mit Torriecher und will den Höhenflug der «Roten Teufel» ... ... im Duell mit den Japanern fortsetzen, doch Keisuke Honda und seine Mannschaftskollegen haben etwas dagegen. Die «Samurai Blue» erreichten als einziges – und erstes – Team aufgrund der Fairplay-Wertung, die besser als jene von Senegal war, die K.-o.-Runde. Die Schweden mit Emil Forsberg stehen in St. Petersburg ... ... der Schweiz mit dem torgefährlichen Xherdan Shaqiri gegenüber. Das Team von Vladimir Petokvic muss sich nach dem 2:2 im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica steigern, um erstmals an einer WM (mit Achtelfinals) den Sprung unter die besten acht Mannschaften zu schaffen. Der Gegner tankte mit einem 3:0-Erfolg über Mexiko viel Selbstvertrauen. Den letzten Viertelfinalplatz machen die Kolumbianer mit ihrem Schlüsselspieler James Rodriguez (r.) ... ... und die Engländer im Spartak-Stadion in Moskau unter sich aus. Die «Three Lions» stellen mit Harry Kane den Torschützenkönig (5 Treffer) der Gruppenphase. Im letzten Spiel wurde er für den Achtelfinal geschont.

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Am Dienstag kann die Nati mit einem Sieg Historisches schaffen: Noch nie kam sie an einer WM mit Gruppenphase in einen Viertelfinal. Die ganze Schweiz wird mitfiebern – dumm nur, findet der Match mitten am Nachmittag statt. Das Spiel gegen die Schweden beginnt um 16 Uhr. Werden viele Angestellte und Schüler blau machen und WM-Grippe bekommen?

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«Dass Heerscharen blau machen, ist nicht anzunehmen», sagt Roland Müller zu 20 Minuten. Der Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes empfiehlt den Firmen, nach Möglichkeit eine Auge zuzudrücken und je nach Tätigkeit einen gelegentlichen Blick aufs Smartphone zu erlauben. «Pragmatismus ist hier angebracht – Firmen, seid grosszügig und lasst uns alle mitfiebern», appelliert Müller. Dennoch: Es bleibe jeder Firma selbst überlassen, wie sie das handhabe. «Aber die Arbeitgeber lässt die WM ja auch nicht kalt, da sollte Verständnis da sein.»

Täuschen Sie eine Krankheit vor, um das Nati-Spiel am Dienstag nicht zu verpassen? Oder was tun Sie, um während der WM keine Spiele zu verpassen, welches sind Ihre besten Ausreden beim Chef? Verraten Sie uns Ihre Tricks.

Schulunterricht soll vorgeholt werden

Bei der Gewerkschaft Unia dürften Mitarbeiter auch mal eine Pause verlängern, wenn es gerade spannend ist. «Wir rufen auch andere Unternehmen auf, kulant zu sein, wenn jemand für ein Spiel freinehmen möchte», so Unia-Sprecherin Leena Schmitter.

In Schulen sollte der Unterricht vom Dienstagnachmittag vor- oder nachgeholt werden, rät Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. Dafür brauche es aber die Erlaubnis der Schulleitung. Ein Unterrichtsausfall wegen des Achtelfinals gegen Schweden komme nicht in Frage, so Zemp. «Lässt man eine Lektion wegen eines Spiels der Schweizer Nati ausfallen, müsste man wegen der ausländischen Kinder dasselbe auch bei anderen Nationalmannschaften tun.»

WM-Effekt für die Wirtschaft?

Das Wirtschaftswachstum der Schweiz bremst die WM nicht aus. «Entscheidend für die Wirtschaft ist ja nicht die Zeit, sondern die Leistung, die erbracht wird», betont Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. Viele Angstellte würden sicher kompensieren oder früher anfangen. «Oder sie werden vorher schneller arbeiten.» Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger erwartet sogar eine steigende Produktivität, weil die gemeinsame Präsenzzeit vor oder nach dem Spiel steigt und die Belegschaft so effizienter arbeiten kann.

Die WM werde in der Gastronomie und anderswo für zusätzliche Umsätze sorgen, sagt Minsch. «Der Effekt ist aber so oder so klein, er geht in den Rundungsdifferenzen der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung unter.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • HoppSchwiz am 02.07.2018 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir dürfen.. danke!

    Unser CEO hat uns ein kleines Public Viewing in der Firma organisiert, mit Bier und Snacks zu bezahlter Arbeitszeit. Wir schätzen das sehr!! Eine coole Aktion von unserem Big Boss!

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  • Bruno am 02.07.2018 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbestimmung

    Das ist für mich gar kein Thema. Ich arbeite bei einem modernen Arbeitgeber mit Zeitautonomie und flexiblen Arbeitszeiten und muss als erwachsener Mensch niemanden um Erlaubnis fragen, wenn ich einen Match schauen will. So sollte es - wo es möglich ist - überall sein. Selbst bestimmende Individuen und nicht Arbeitssklaven.

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  • Franz am 02.07.2018 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Match

    Unsere Angestellten beginnen die Arbeit heute so früh, dass si die regulären Arbeitsstunden vor beginn des Matches erreichen. Somit ist alles klar für ein gemeinsames Erlebnis vor dem Fernseher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DoNt CaRe am 03.07.2018 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Chef...

    Also ich habe meinen Mitarbeitern erlaubt (arbeiten im Schichtbetrieb) länger oder früher Pause zu machen. So das sie das ganze Spiel schauen können. Und natürlich müssen sie die Zeit auch nicht vor- oder nachholen! Hopp Schwiiz!

  • Beeli am 03.07.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Schwiiz

    Gerade ein Mail vom Chef gekriegt, wer will kann heute um 15Uhr Feierabend machen. Super Sache, vielen dank an meinen Chef!

  • H.Lange am 02.07.2018 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wir arbeiten normal weiter...

    Habe meine Angestellten gefragt, was Sie wünschen würden. Alle haben gesagt, dass sie nicht schauen werden. Somit arbeiten wir bis 17.00 Uhr. Wir haben jedoch immer das Radio laufen, weshalb grundsätzliche Informationen vom Spiel im Betrieb gehört werden.

  • Aargauer@90 am 02.07.2018 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    Luzern@90

    Ich Arbeite in Luzern in einer kleinen Firma. Wir machen alle zusamen um 16.00 uhr Feirabend. Und Schauen uns mit dem Chef das schpil an. Beste Firma die je hetz giz.

  • Janosh am 02.07.2018 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensmittelgeschäft

    Ich werde alle meinen Mitarbeitern erlauben den Match zu schauen......unter der Bedingung das NIEMAND von euch allen einkaufen kommt!