Fotos und Musik

28. Oktober 2015 21:38; Akt: 29.10.2015 07:43 Print

Firmen speichern riesige Mengen an Datenmüll

von K. Wolfensberger - Über 80 Prozent der von Firmen gespeicherten Daten sind nicht geschäftsrelevant und verursachen hohe Kosten. Schuld daran sind auch die Mitarbeiter.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schweizer Unternehmen haben im europäischen Vergleich die drittgrösste Menge an überflüssigen Daten auf ihren IT-Systemen gespeichert. Dies ist die Hauptaussage des «Databerg Report 2015» der Firma Veritas Technologies. Dem Bericht zufolge wendet eine durchschnittliche Firma hierzulande mit circa 1000 Terabyte an Daten jährlich 642'000 Franken auf, um sinnlose und triviale Daten wie Musik oder Fotos zu speichern. Laut den Studienautoren werden wertvolle IT‐Ressourcen so gebunden und verschwendet.

Umfrage
Denken Sie, Firmen speichern zu viele unnötige Daten?
80 %
16 %
4 %
Insgesamt 854 Teilnehmer

Denn tatsächlich seien nur 17 Prozent der von Schweizer Firmen gespeicherten Daten geschäftsrelevant. 43 Prozent seien de facto Datenmüll – hierzu gehören beispielsweise auch private Daten von Mitarbeitern wie Fotos oder Musik, die auf dem Firmennetzwerk gespeichert werden – den man am besten gar nicht speichern würde. Die verbleibenden 40 Prozent wiederum seien Daten, deren Inhalt und Wert den Unternehmen gar nicht bekannt sei.

Gut für die Cloud-Anbieter

«Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen Daten behalten, von denen sie bereits wissen, dass sie für ihr Geschäft keinen Wert haben», so Markus Mattmann von Veritas. Das Problem sei meist, dass IT‐Verantwortliche sich gar nicht überlegten, welche Daten tatsächlich wertvoll genug sind, um sie zu speichern. Freuen tut dies primär die Cloud-Anbieter, also Firmen, die die Datenspeicherung in externen Rechenzentren übernehmen und damit viel Geld verdienen.

Die Ergebnisse der Studie seien mit Vorsicht zu betrachten, sagt Hannes Lubich, Informatikprofessor an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). «Letztlich ist es Interpretationssache, welche Daten tatsächlich wertvoll für das Geschäft sind oder nicht», so der Experte zu 20 Minuten. Ein Beispiel: Viele Dokumente müssen gemäss Geschäftsbücherverordnung zehn Jahre lang aufbewahrt werden. In Jahr neun seien sie zwar meist nicht mehr geschäftsrelevant, dennoch gelte die Aufbewahrungsfrist.

Lubichs Fazit: «Natürlich ist es richtig, offensichtlich nicht benötigte Datenbestände aufzuspüren und zu eliminieren, aber mit solch plakativen Zahlen muss man vorsichtig umgehen.»

Es muss Regeln geben

Einen etwas anderen Fokus als Lubich legt Stella Gatziu Grivas, Professorin an der FHNW und Leiterin des dortigen Kompetenzschwerpunkts Cloud Computing: «Für den Umgang mit Daten brauchen Firmen interne Richtlinien.» Ansonsten gehe schnell die Kontrolle verloren. Dies wiederum könne zu Problemen mit den Gesetzen zum Datenschutz führen.

Ein Beispiel: Wenn Mitarbeiter Daten über einen Gratis-Dienst wie Dropbox speichern, ist dies praktisch, geht schnell ohne eine Kostenbewilligung und unterstützt den Austausch und die Zusammenarbeit. De facto hat ein Unternehmen aber keine Kontrolle über den Verbleib und den Umgang mit den Daten durch Dropbox, so Gatziu.

Wenn eine Firma nun Regeln zum Umgang mit Daten schafft – und zum Beispiel die Daten klassifiziert und klar definiert, welche Daten auf Dropox geladen werden dürfen und welche nicht – beantworte dies ausserdem die Frage, welche Daten wertvoll sind und welche nicht, meist gleich mit. Der Grund: Wertvolle Daten sollen ausserhalb des Unternehmens nur nach vorausgehender Evaluation des Providers gespeichert werden. Die Schaffung von Regeln ermöglicht schliesslich auch die Löschung unnötiger, kostenpflichtig abgespeicherter Datenbestände und führt somit zu Einsparungen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Host Master am 28.10.2015 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strikte Vorgaben zur PC Privatnutzung

    Privates gehört nicht auf den Firmenrechner. Da sind die Firmen selber schuld.

    einklappen einklappen
  • Alexander Uster am 28.10.2015 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privat nutzen?

    Käme mir nicht in den Sinn. Die ITabteilung kann da ungestört herumstöbern. Und meine Privatsachen (Musik, Fotos, etc) haben da nichts zu suchen.

    einklappen einklappen
  • Ben Kinsel am 28.10.2015 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ähh 1000 Tera

    welche durchschnittliche Firma hat denn Daten im 1000 Tera-Bereich? Auf meinem Storage liegen für 400 Mitarbeiter, inkl. Daten aus der Bildgebung, Virtualisierungsumgebung usw. nur 20 TB.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • informatiker am 29.10.2015 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    reglemetieren

    das ist ja nicht schwer zu unterbinden. in unserer policy steht es auch ganz klar, keine musik, videos oder private bilder dürfen gespeichert werden. wer das nichteinhalten kann muss gehe, ist ja auch klar.

  • O Power am 29.10.2015 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist Datenmüll?

    Nun ich bin Informatiker und möchte gern wissen was Datenmüll ist in diesem Zusammenhang. Was die Daten in Zukunft wert sind weiss niemand und seit der NSA Affäre wäre ich Vorsichtig mit Datenmüll. Je mehr Daten man hat um so mehr kann man zusammenhänge bauen und verfolgen. Für grosse Firmen ist es von Interesse zu wissen was Kunden denken und wo der Trend hin geht. So muss man sich nicht mehr auf Menschen verlassen die sich Iren können. Ich bin aber dafür das diese Sammelwut gestoppt wird. Meine Daten gehören mir und niemandem anderem. Wenn jemand damit Geld verdient dann ich!

  • SALI am 29.10.2015 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Quota

    Schon mal was von Quota gehört? Auf ein persönliches Laufwerk gehört ganz klar eine Quota, wenn diese überschritten wird, kann nicht mehr gearbeitet werden! Da ist jeder selber schuld, welcher zu viel Privat-Daten rauflädt.

    • Urs G. am 29.10.2015 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      Quota?

      Die Rede ist hier eher von Daten, welche von Systemen / Servern generiert werden.

    • GRÜEZI am 29.10.2015 14:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Urs G

      Eben genau nicht. Der Artikel handelt von eben diesen Nutzerdaten. SALI hat absolut recht.

    einklappen einklappen
  • Peter(TOO) am 29.10.2015 05:22 Report Diesen Beitrag melden

    Milchmädchenrechnung

    17% der Daten sind erwiesenermassen wichtig. 40% sind aber nicht bewertet und müssen somit auch als wichtig eingestuft werden! sind zusammen 57%. Es bleiben also nur 43% welche gefahrlos eingespart werden können! Nun ist es eine reine Kostenfrage ob das Durchsortieren dieser 40% oder das Einlagern günstiger sind. Aber auf alle Fälle geht es nicht ohne Vorgaben, wie Daten zu behandeln und einzuschätzen sind. Aber auch hier stellt sich die Kostenfrage, die Vorgaben müssen auch überwacht werden, was zumindest Arbeitszeit benötigt.

  • Kein Cloud-Fan am 28.10.2015 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cloud

    Bei Cloud-Computing kann man aber nicht mehr von gesichertem Speichern sprechen. Cloud-Computing ist die Veröffentlichung der Daten...

    • User79 am 29.10.2015 06:58 Report Diesen Beitrag melden

      Cloud

      @Kein Cloud-Fan: Das ist nicht richtig. Cloud beutetet eigentlich nur, dass die Infrastruktur verborgen bleibt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Firmen ihre eigne Private Cloud betreiben und diese öffentlich überhaupt nicht zugänglich ist.

    • El Mac am 29.10.2015 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kein Cloud-Fan

      Ein externer Cloud Betreiber stellt seinen Service zur Verfügung. Die Daten, die ich da drauf zue Verfügung stelle können je nach Vereinbarung mit dem Betreiber öffentlich oder halt nich öffentlich einsehbar sein. Ich kann Ihnen versprechen, dass mit einer Verschlüsselung nicht mal NSA auf diese Daten kommen. Jetzt kommen schon die Verschwörungstheoretiker...

    • Peter am 29.10.2015 09:00 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts ist sicher

      In der Informatik gibt es keine 100% Sicherheit!

    • infromatiker am 29.10.2015 11:25 Report Diesen Beitrag melden

      nicht das gleiche

      hier gibt es viel unwissen. heute hat praktisch jede firma cloud dienste. das muss aber noch lange nicht heissen das die via internet darauf zugreifen. Das hat nichts mit public cloud zu tun. Diese firmen haben direkte Backbones ins rechenzentrum und da geht nichts über das internet

    einklappen einklappen