Lehrlingsmangel

26. Juni 2011 22:39; Akt: 26.06.2011 22:39 Print

Firmen suchen Lehrlinge im Ausland

von Elisabeth Rizzi - Den Unternehmen gehen die Lehrlinge aus. Schweizer Konzerne bilden deshalb sogar Abiturienten aus Frankreich oder Deutschland aus.

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Die Pharmabranche in Basel stellt zunehmend Lehrlinge aus Deutschland oder Frankreich ein. (Bild: Keystone)

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Es gelingt den Schweizer Unternehmen immer weniger, ihre Lehrstellen zu besetzen. Erstmals seit 2003 übersteigt heuer das Angebot an Lehrstellen jenes der Nachfrage. Besonders vom Lehrlingsmangel betroffen sind die technischen Berufe mit hohen Anforderungen wie Heizungs-, Sanitär- und Elek­troinstallateure oder Automatiker, Polymechaniker und Laboranten. Wer kann, weitet deshalb laut «NZZ am Sonntag» sein Rekrutierungsgebiet auch auf das Ausland aus.

So stellt die Pharmabranche in Basel zunehmend Lehrlinge aus Deutschland und Frankreich an. Von den 300 Novartis-Lehrlingen in der Schweiz kommen 20 bis 30 Prozent aus dem nahen Ausland. Ähnlich hoch ist laut der Zeitung auch der Ausländeranteil bei Lehrlingen von Roche und Syngenta. Jugendliche aus Deutschland, die in der Schweiz eine Lehre absolvieren, kennt man auch in den Kantonen Aargau und Zürich. Viele würden ein Abitur mitbringen und Spitzen­leistungen beim Lehrabschluss schaffen.

«Mehr Interesse an der Lehre wecken»

Gewerbeverband und Erziehungsdirektoren arbeiten an einem Projekt, um die Berufslehre attraktiver zu machen.

Herr Bigler*, was halten Sie davon, dass Schweizer Steuerzahler die Ausbildung von ausländischen Lehrlingen mitzahlen?
Hans-Ulrich Bigler: Das ist in der Tat problematisch, wenn die Schweizer Konzerne die ausländischen Jugendlichen nach der Lehre nicht weiterbeschäftigen können und diese wieder ins Ausland gehen.

Grund für den Lehrlingsmangel ist: Immer mehr Jugendliche gehen ins Gymnasium. Was stört Sie daran?
Wenn die Gymnasien trotz einer sin­k­enden Zahl Jugendlicher versuchen, ihre Klassen aufzufüllen, deutet das darauf hin, dass das Ausbildungsniveau nach unten angepasst wird.

Was tun Sie dagegen?
Wir arbeiten gerade gemeinsam mit der Erziehungsdirek­torenkonferenz EDK an einer Ini­tiative fürs 9. Schuljahr.

Wie sieht das Projekt aus?
Schon in der Schule soll eine umfassende Standortbestimmung der Jugendlichen stattfinden. Sie wird mit den Anforderungsprofilen von Lehrbe­rufen gemäss Lehrplan 21 verglichen. Die Jugendlichen sollen konkret sehen, für welche Lehrberufe sie geeignet sind. Das soll vermehrt das Interesse an einer Lehre wecken.

Und der zeitliche Rahmen?
Im Herbst sollten wir mit der Ausarbeitung beginnen und 2012 die erste Etappe einführen können. Das Projekt soll in der Deutschschweiz und der Romandie durchgeführt werden.

*Hans-Ulrich Bigler ist Direktor des Gewerbeverbands