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14. Juli 2019 04:45; Akt: 15.07.2019 00:21 Print

Flughafen Zürich als Hub in Gefahr

Der Konzernchef der Swiss-Muttergesellschaft befürchtet, dass der Flughafen Zürich als Umsteigezentrum an Attraktivität verliert.

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Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr befürchtet einen Kollaps des Flughafens Zürich als Umsteigezentrum. Der Manager der Swiss-Muttergesellschaft hat in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» vor weiteren Einschränkungen des Flugbetriebs gewarnt. «Besonders eine Vorverlegung der Starts und Landungen spätabends um bis zu 25 Minuten, wie zurzeit diskutiert, würde den Hub-Betrieb in existenzielle Probleme bringen», sagte der 53-jährige Manager und Pilot. Ohne Hubbetrieb werde sich Zürich mit weniger als zehn Langstreckenzielen zufriedengeben müssen statt 45 wie heute.

Die Diskussionen rund ums Klima führten laut Spohr bislang nicht zu einem Buchungsrückgang. «Wir sehen derzeit keine Zurückhaltung - im Gegenteil.» Im Vergleich zum Vorjahr, das ein Rekordjahr war, erwarte die Lufthansa gruppenweit einen Passagierzuwachs von rund vier Prozent. Auch die Swiss verzeichne weiter ein Wachstum.

«Die Menschen wollen fliegen. Immer mehr möchten die Welt entdecken und international Geschäfte machen», sagte Spohr. Er verteidigte die Luftfahrt «als eines der effizientesten Transportmittel, vor allem für lange Strecken». Global mache das CO2 aller Fluggesellschaften rund 2,8 Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen aus.

Kritik an «Wildwuchs» bei Passagiersteuern

«Wenn wir jetzt aus unserer mitteleuropäischen Sicht einen Flugverzicht verlangen, dann fordern wir auch von Menschen in Schwellenländern einen Verzicht auf die Chance, die Welt zu entdecken. Das wird nicht gelingen», sagte Spohr weiter.

Der Airline-Chef kritisierte zudem den nationalen Wildwuchs bei den Passagiersteuern: «Das Klima schützen wir damit nicht.» Allfällige Massnahmen sollten seiner Meinung nach innerhalb Europas wettbewerbsneutral gestaltet werden. «Unsere Konkurrenten für die Langstrecken sitzen heute in der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder für Flüge über den Nordatlantik in den USA. Die alle erheben bestimmt keine CO2-Abgaben.» Sie würden so aber Passagiere abziehen.

Gleichzeitig verurteilte Spohr Flugangebote von Billigairlines zu Spottpreisen. «Wettbewerber arbeiten tatsächlich teilweise mit Preisen pro Flug unter zehn Euro. Das ist ökonomisch, ökologisch und auch politisch unverantwortlich.» Insgesamt gebe es in Europa weiterhin zu viel Kapazitäten im Markt. Er räumte ein, dass auch die Lufthansa-Billigtochter Eurowings Trips für teils unter 35 Euro anbietet. «Weil wir unsere Heimatmärkte verteidigen müssen, können wir uns dem nicht vollständig entziehen.»

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stardust am 14.07.2019 05:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Der Mann hat völlig Recht . Bevor wir uns sinnlos in Abseits manövrieren mit überhöhten Ticketpreisen und endlosen Störaktionen an europäischen Flughäfen sollten wir etwas unternehmen das dem Klima wirklich etwas bringt nämlich endlich die Abholzung des Urwaldes stoppen oder etwas gegen das Betreiben der Tanker,Container oder Kreuzfahrtschiffe mit Schweröl machen.Auch die fossilen Kraftwerke mit 70% des gesamten CO2 Ausstosses sind das eigentliche Problem und sicher nicht das Flugzeug mit den ca 3 % Anteil

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  • N.N. am 14.07.2019 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat er

    .....dann fordern wir auch von Menschen in Schwellenländern einen Verzicht auf die Chance, die Welt zu entdecken. Das wird nicht gelingen», sagte Spohr weiter...... Damit hat er vollkommen recht. Daher nützt es nichts wenn wir in Europa und damit auch die Schweiz mit unserer Verkehrspolitik (Dieselverbot in DE, Parkplatzaufhebung und Einschränkungen in Zürich usw.) versuchen die Welt zu retten. Ist etwa gleich wie wenn man versuchen würde, das sinkende Schiff mit dem Teelöffel vom Untergang zu retten.

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  • A.W. am 14.07.2019 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wollt ihr eigentlich ?

    Schade, der Flughafen Zürich wird unbedeutend werden und die Bedeutung der Schweiz als Geschäftsland wird dahinschwinden. Aber wir wollen es ja so haben, um die Welt angeblich zu retten. Komisch, dass trotzdem so viele Leute der EU noch Zugeständnisse machen wollen, um das Geschäftsleben anzukurbeln. das braucht es dann nämlich auch nicht mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vorname Name am 15.07.2019 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so, nochmehr Verbrauch

    Ja, stimmt. Auf keinen Fall aufhören mit dem Verbrauch von fossilen Brennstoffen, erst recht nicht, wenn andere dadurch einen Vorteil haben könnten. Alles verbrauchen, bis zum letzten Tropfen. Nachkommende Generationen sollen selber schauen, wie sie in einer Ressourcen-armen und verschmutzten Welt, die wir ihnen überlassen, leben. Hauptsache, Wirtschaft wächst, egal zu welchem Preis.

  • TMeier am 15.07.2019 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstand

    Sind wir Schweizer eigentlich die einzigen, die zwar in Wohlstand leben wollen, aber alles tun, dass wir davon wegkommen?

  • vko38 am 15.07.2019 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für alle Kritiker

    da kommt der neue Flughafen von Istanbul gold richtig...

  • Gerd Hofer am 15.07.2019 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    So wird es sein

    Genau das wird geschehen. Unfähige grüne Politiker mit Profilierungsneurose belegen unsere Schweizer Fluglinien mit Klimasteuern.... Die ausländischen Fluglinien applaudieren, lachen sich krumm und bauen ihre Marktanteile aus. Die Klimaprotestler müssen dann zukünftig immer nach Friedrichshafen mit dem Flixbus für ihre Ferienreisen nach Mallorca.

  • vAl am 15.07.2019 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An der Nase nehmen

    Der Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr, soll sich in Deutschland beklagen. Es ist Deutschland die erzwungen hat dass, ein Teil, des Luftverkehrs eingeschränkt werden müsste