Cancelled.ch

12. Juli 2019 04:46; Akt: 12.07.2019 07:24 Print

Flughafen Zürich legt Veto gegen diese Werbung ein

von Sandro Spaeth - «Bis zu 600 Euro Entschädigung bei Verspätungen»: Damit wollte ein Fluggastrechte-Portal werben. Der Vertrag war unterzeichnet, doch dann intervenierte der Flughafen Zürich.

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Die Sommerferien sind auch die Zeit der meisten Flugverspätungen. Der Grund: mehr Passagiere, mehr Flugzeuge, mehr Gedränge bei Starts und Landungen. Während Problemflüge für Reisende ein Frust sind, sind sie für Fluggastrechte-Portale die Geschäftsgrundlage. Die Anbieter helfen Passagieren, die ihnen bei Flug-Annullationen und grösseren Verzögerungen zustehenden Entschädigungen einzufordern. Und sie behalten für die Dienstleistung einen Teil der Summe für sich.

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Ein solches Geschäftsmodell betreibt auch Cancelled.ch mit Sitz in Baden. Das Start-up lancierte sein Portal 2017. «Wir schauten uns gerade um, wie wir in der Zeit der Sommerferien unsere Plattform bekannter machen könnten», sagt Cancelled.ch-Mitgründer Simon Sommer zu 20 Minuten. Da kam die Anfrage des Vermarkters Clear Channel, der Bildschirm-Werbeflächen am Flughafen vermittelt, genau richtig. «Einen besseren Ort, um unsere Dienstleistung anzupreisen, gibt es gar nicht», sagt Sommer.

«Wir haben das Sujet verworfen»

Man wurde sich einig, der Vertrag wurde unterzeichnet. Cancelled.ch buchte für den Monat August im Flughafen Zürich Bildschirmwerbung oberhalb der Gepäckbänder in den Hallen 1 und 2. Der Text: «Flug verspätet? Holen Sie sich die Ihnen zustehende Ausgleichszahlung. Bis zu 600 Euro pro Passagier.» Laut dem Prospekt des Flughafens Zürich kostet ein Spot von 25 Sekunden im Jahr 100’000 Franken.

Etwa zwei Wochen später kam für Cancelled.ch die Ernüchterung: Der Werbevermarkter machte das Start-up darauf aufmerksam, dass der Flughafen Zürich von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch mache. «Clear Channel hat uns das Sujet zur endgültigen Genehmigung vorgelegt, und wir haben es verworfen», bestätigt Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling auf Anfrage von 20 Minuten.

Für Werbung am Flughafen gelten laut Zöchling Richtlinien: Abgelehnt wird jegliche politische, rassistische oder sexistische Werbung. Und weiter: «Wir behalten uns aber auch vor, Werbung, die für unsere Flughafenpartner negative Auswirkungen hat, zu verwerfen», erklärt Zöchling.

Flughafen Wien lässt die Werbung zu

Zudem argumentiert der Flughafen Zürich, dass laut Gesetz die jeweilige Fluggesellschaft – und nicht ein Fluggastrecht-Portal – gegenüber ihren Passagieren für das Einhalten des Fluggastrechts zuständig ist. Passagiere werden laut Zöchling mit verschiedenen grossformatigen Plakaten auf ihre Rechte aufmerksam gemacht.

Cancelled.ch-Mitgründer Simon Sommer ist enttäuscht vom Flughafen Zürich. Auf vielen anderen europäischen Airports sei Werbung für Fluggastrechte-Portale erlaubt, etwa in Wien. Eine stichhaltige Begründung für den Rauswurf seiner Werbung hat Sommer weder vom Vermarkter noch vom Flughafen erhalten. Anstelle der Werbung für Entschädigungszahlungen dürfte den Passagieren laut Sommer nun etwa der Spot einer Mietwagenfirma gezeigt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli am 12.07.2019 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    auch benutzt

    Ich habe auch schon Gebrauch gemacht von einem solchen Portal. Onlineformular ausfüllen, fertig. Man weiss beim ausfüllen schon ob gute Chancen für eine Vergütung bestehen und 3 Wochen später hatte ich die 450 Euro minus 10% Erfolgsprämie auf dem Konto. Wenn man direkt mit den Fluggesellschaften verhandelt hat man viel mehr Aufwand und die Forderungen werden oft ignoriert oder es dauert ewig. Man kann das oft in den Kommentaren lesen wie man von den Fluggesellschaften behandelt wird.

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  • Expat am 12.07.2019 05:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fairness geht anders

    Wenn die Fluggesellschaften ihre Passagiere fair behandeln würden und nicht solch hohe Hürden für die berechtigte und gesetzlich verankerte Rückerstatung ansetzen würden wäre diese Werbung gar nicht nötig.

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  • BobStar am 12.07.2019 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Branchen

    Überrascht mich überhaupt nicht. Überall wo es um Geld geht, machen die Bramchenfirmen schön Päckchen auf Kosten der Konsumenten. Dabei wird immer schön betont, wie konsumentenfreundlich man sei. Pustekuchen. Mann macht allg. lieber mit dem Mitkonkurenten ein faules Geschäft anstelle was für die Kunden zu tun.

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Dee am 12.07.2019 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Am besten...

    Am besten gar nicht erst fliegen, dann hat man auch keinen Ärger. Wie war das nochmals mit der Klima Debatte? Ach ja, die hat gerade Sommer Ferien, wie ich auch. Darum mit dem Flieger ab nach Ausland!

  • yogi yogi am 12.07.2019 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anklagen

    Die Entschädigungen haben eine Gesetzesgrundlage. Wie kann der FH ZH Werbung dafür ablehnen. Anklagen!!

  • Victor Brunner am 12.07.2019 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Passagiere = Stückgut?

    Dachte immer Passagiere seien auch Partner des Flughafens, scheinbar gehen die unter Stückgut!

    • Lupine am 12.07.2019 21:41 Report Diesen Beitrag melden

      Victor

      Verspätungen ärgern mich nie..., Hauptsache gesund von A nach B..., nichts anderes hat Vorrang!

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  • R.M. am 12.07.2019 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Höhle der Löwen

    Bekannt aus Die höhle der Löwen Schweiz :-)

  • karl am 12.07.2019 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU Recht sollte nicht jeder nutzen!

    Da es sich um ein EU Gesetz handelt sollten es ohnehin nicht alle nutzen. Gibt ja ausreichend EU Basher.