Abschreckung

16. April 2014 13:42; Akt: 16.04.2014 14:10 Print

Flut von Selbstanzeigen nach Fall Hoeness

Die deutschen Behörden haben im ersten Quartal 13'500 Selbstanzeigen von Steuerbetrügern registriert. Das sind dreimal so viele wie in der Vorjahresperiode.

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Zurück im Geschäft: Am 25. November 2016 wird Uli Hoeness auf der Jahreshauptversammlung von Bayern München wieder zum Präsidenten gewählt. Am 29. Februar 2016 darf Uli Hoeness das Gefängnis frühzeitig verlassen. Der ehemalige Bayern-Präsident hat die Hälfte seiner dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe abgesessen. Uli Hoeness kehrt am 26. Dezember 2014 ins Gefängnis zurück. Der ehemalige Bayern-Präsident durfte über Weihnachten zwei Tage zu seinen Liebsten in die Freiheit. Im September 2014 wurde bekannt, dass Uli Hoeness noch vor seinem Haftantritt all seine Steuerschulden an seine Wohngemeinde Miesbach beglichen hat. Laut Sueddeutsche.de ist die Rede von rund 40 Millionen inklusive Verzugszinsen. Uli Hoeness (l.) galt als robuster Fussballer. Mit Bayern gewann er in den 1970er-Jahren praktisch alle wichtigen Titel. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde Hoeness 1972 Europameister und zwei Jahre später Weltmeister. Wegen eines Knorpelschadens musste er seine Karriere im Alter von 27 Jahren bereits beenden. Hoeness wurde nach seiner aktiven Karriere Manager bei Bayern München. Neben seiner Managerkarriere baute sich Hoeness ein zweites Standbein mit einer Wurstfirma auf. Im Februar 1982 überlebte Hoeness als Einziger von vier Insassen einen Flugzeugabsturz in der Nähe von Hannover. Ende 2009 wurde Hoeness neuer Präsident bei Bayern. Im November 2013 wurde er für eine zweite Amtszeit gewählt, worauf er seine Tränen nicht zurückhalten konnte. Unter Honess gewannen die Bayern unzählige Titel. Anfang 2013 machte Hoeness eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung. Es war die Rede von 3,5 Millionen Euro, die er am Fiskus vorbeischleuste und auf einem Schweizer Bankkonto bunkerte. Am 10. März begann in München der Prozess gegen den Bayern-Präsidenten. Die Steuerschuld erhöht sich plötzlich auf 28,5 Millionen Euro. Immer an Ulis Seite: seine Frau Susanne. Hoeness wird am 13. März 2014 zu dreieinhalb Jahren Gefängnis wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Einen Tag später akzeptiert Hoeness das Urteil und verzichtet darauf, in Revision zu gehen. Er muss damit ins Gefängnis und sagt: «Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens.» Die Ämter bei Bayern legt Hoeness nieder.

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Zehntausende Deutsche bunkern Vermögen im Ausland, um lästige Abgaben zu sparen. Doch der Druck auf sie wächst. Spektakuläre Fälle wie der von Uli Hoeness zeigen, wie tief man als Steuerbetrüger fallen kann. Viele ziehen nun die Notbremse und zeigen sich selbst an.

Im ersten Quartal 2014 ist die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerbetrügern in Deutschland in die Höhe geschnellt. Von Januar bis März zählten die Behörden rund 13'500 Anzeigen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur DPA bei den Länder-Finanzministerien ergab.

Das waren etwa dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum, wobei nicht aus allen Bundesländern Vergleichszahlen vorlagen.

Abschreckung durch Fall Hoeness

Als ein Grund für die Entwicklung wurde das Verfahren gegen den langjährigen FC-Bayern-Boss Uli Hoeness wegen Steuerhinterziehung genannt, das im März mit einer Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft endete. Auch die geplante Verschärfung der Regeln für eine strafbefreiende Selbstanzeige, der Ankauf von Steuer-CDs aus der Schweiz und der zunehmende internationale Datenaustausch zeigten Wirkung, hiess es.

Die meisten Steuerhinterzieher machten Kapitalerträge von Vermögen im Ausland geltend, etwa in der Schweiz oder Liechtenstein. Dem Staat bringt das zusätzliche Einnahmen, die je nach Bundesland pro Jahr dreistellige Millionenbeträge erreichen können.

In Bayern registrierten die Behörden im ersten Quartal 2030 Selbstanzeigen und damit viermal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Summe der geschätzten zusätzlichen Steuereinnahmen liegt bei 80 Millionen Euro.

Steuernachzahlungen von mehreren Millionen Euro

In Nordrhein-Westfalen (2656) und Hessen (1327) verfünffachte sich die Zahl der Selbstanzeigen sogar. Hier werden Steuernachzahlungen von 130 Millionen Euro beziehungsweise 58 Millionen Euro fällig.

Die meisten Selbstanzeigen gingen in den ersten drei Monaten in Baden-Württemberg ein, wo 3078 Steuerbetrüger reinen Tisch machen wollen. Geschätzte Mehreinnahmen für das Land: 47,8 Millionen Euro.

Weiterer Anstieg erwartet

Bayerns Finanzminister Markus Söder sagte der «Süddeutschen Zeitung», er rechne mit einem weiteren Anstieg der Zahlen im Jahresverlauf. «Denn zum Anfang des kommenden Jahres wird die Selbstanzeige deutlich verschärft», sagte Söder.

Die Finanzminister der Länder hatten sich jüngst darauf verständigt. Demnach soll der Zuschlag bei schwerer Steuerhinterziehung erhöht und der Zeitraum zur Offenlegung von bisher fünf auf zehn Jahre verlängert werden.

Neben diesem Schritt und dem Hoeness-Effekt sieht der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl noch einen anderen Grund: «Ich glaube, es liegt auch an einem Effekt, der hierzulande ein wenig untergeht: Viele Banken in der Schweiz haben ihren Kunden ein Ultimatum bis Jahresende gesetzt, sich steuerehrlich zu machen. Diese Weissgeldstrategie zwingt viele zum Handeln und damit zur Selbstanzeige», sagte er.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans am 16.04.2014 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland hat ein Problem

    Es sind zu viele Steuerhinterzieher, als dass man das einfach auf schlechte Gesinnung zurückführen könnte. Das deutsche Steuersystem und Deutschland haben ein Problem, nicht die Schweiz

    einklappen einklappen
  • Fränzi am 16.04.2014 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wir nehmen alles was wir bekommen

    Das ist gut so. Der Deutsche Staat braucht Geld, damit die maroden Länder in der EU finanziert werden können.

  • Piepegal am 16.04.2014 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glückliche Italiener!

    Einfach Pech für Hoeneß, dass er in Deutschland lebt! In Italien wäre er wahrscheinlich für diese lächerlichen 30 Millionen freigesprochen worden, siehe Berlusconi, der über 300 Millionen hinterzogen hat und nur 4 Std./Woche Sozialdienst leisten muss!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Livia Ravaia am 17.04.2014 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    komplex

    das steuersystem ist einfach zu komplex da kann es schnell mal zu lücken kommen. ich selbst zahle immer und ehrlich meine steuern.

  • Mike T. am 16.04.2014 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Null Kontrolle

    Es zeigt einfach mal wieder, dass das System nicht funktioniert und es keine richtigen Kontrollen gibt. Die Kontrollorgane versagen wieder einmal total.

  • Piepegal am 16.04.2014 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glückliche Italiener!

    Einfach Pech für Hoeneß, dass er in Deutschland lebt! In Italien wäre er wahrscheinlich für diese lächerlichen 30 Millionen freigesprochen worden, siehe Berlusconi, der über 300 Millionen hinterzogen hat und nur 4 Std./Woche Sozialdienst leisten muss!

  • Big Stan am 16.04.2014 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlich währt am längsten

    man sollte sich mal fragen wie all diese Leute zu ihrem Geld gekommen sind, sicherlich durch harte erliche Arbeit! Meist wird man nicht von heute auf morgen zum Betrüger!

    • Wastl Oberhuber am 17.04.2014 07:04 Report Diesen Beitrag melden

      Hoeness

      Wenn Bayern spielt verkauft H pro Spiel 50000 Bratwürste. In einer Saison wird er so zum Millionär. Dazu verkauft er auch in andern Stadien,

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  • Hans am 16.04.2014 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland hat ein Problem

    Es sind zu viele Steuerhinterzieher, als dass man das einfach auf schlechte Gesinnung zurückführen könnte. Das deutsche Steuersystem und Deutschland haben ein Problem, nicht die Schweiz

    • Peter Pythagoras am 16.04.2014 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      selber schuld

      die Schweiz ist selber schuld!

    • D.S. am 16.04.2014 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      Auch ...

      die Schweiz hat mit ihren Steuerhinterziehern ein Problem, doch dies wird wie so vieles auf die lange Bank geschoben danit sich die Abzocker neu organisieren können.

    • Supermario am 16.04.2014 17:57 Report Diesen Beitrag melden

      alles relativ

      Ein wenig relativieren müsste man die Selbstanzeigen schon; dividert man die gesamte Summe durch die Anzahl Anzeigen ergibt das so ca. 47'000 Euro Strafsteuern. Das sind wohl alle nicht grad so die Megainvestoren à la Hoeness :-) Bei dem gehts ja mittlerweile allein um 30 Mio.

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