Folgen des Italien-Schocks

30. Mai 2018 15:09; Akt: 30.05.2018 16:09 Print

Was wir vom Frankenkurs jetzt erwarten können

von Isabel Strassheim - Die wacklige politische Lage in Italien wirkt sich auf die Wirtschaft in ganz Europa aus. Der Eurokurs von 1.20 Franken ist wieder in weite Ferne gerückt.

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Ein Atemholen am Mittwoch: Der Euro notiert wieder über 1.15 Franken nach dem Abrutschen auf 1.14 Franken am Vortag. Doch der Markt zittert immer noch. Die Politik in Italien hat den Eurokurs weiter im Griff. Worauf müssen wir uns einstellen?

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Tiefer Euro, starker Franken
«Die Märkte haben überreagiert», sagt UBS-Chefökonom Daniel Kalt zu 20 Minuten. In den nächsten Wochen dürfte der Euro weiter bei 1.15 Franken pendeln. In drei Monaten erwartet die UBS dagegen einen Kurs von 1.17 Franken und in sechs Monaten wieder 1.20 Franken. Erst im April hatte der Euro zum Franken die 1.20-Marke geknackt und es war erwartet worden, dass er sich auf diesem Niveau hält. «Der Kurs von 1.20 Franken ist derzeit in weite Ferne gerückt», sagt Antje Praefcke, Devisenexpertin von der Commerzbank. Der Franken sei wieder als sicherer Hafen gefragt. Je nach plötzlicher politischer Entwicklung in Italien könnte der Euro auch kurzzeitig unter 1.14 Franken rutschen. Sie erwartet, dass er diesen Sommer zwischen 1.14 und 1.16 Franken pendelt.

Weiterhin Negativzinsen
Die Zinsen dürften weiterhin tief bleiben. Die Commerzbank erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) frühstens im Herbst 2019 die Zinsen anheben wird. Das bedeutet, dass auch die Schweizerische Nationalbank so lange mit der Zinswende warten wird. Denn würde sie die Wende vor der EZB einleiten, könnte sie damit den Franken zum Euro noch weiter in die Höhe treiben.

• Schweizer Exporte unbelastet
«Die Entwicklung des Frankenkurses sieht zwar dramatisch aus, aber sie wirkt sich kaum auf die Wirtschaft aus», sagt Maxime Botteron von der Credit Suisse. Viel wichtiger für die Schweizer Exporte ist, dass die Konjunktur in der Euro-Zone und damit die Nachfrage nach Schweizer Produkten stark bleibt. Ein tieferer Eurokurs drückt zwar auf die Gewinnmargen der Firmen in der Schweiz, weil sie für ihre Waren umgerechnet weniger Geld erhalten. «Aber ein Eurokurs um die 1.15 Franken hatten wir ja schon Anfang Jahr und die Wirtschaft hatte sich darauf eingestellt», sagt Botteron.

• Gefürchtete Bankaktien
«In den Märkten ist zu viel Pessimismus», sagt UBS-Chefökonom Kalt. Aus Angst vor einer neuen Euro-Krise hätten Anleger Aktien in Anleihen umgetauscht. Italienische Banken sitzen auf faulen Krediten, weshalb ihre Aktien an der Börse derzeit nachgeben. Aber auch die Aktien von Schweizer und anderen internationalen Banken notieren im Minus. Denn die Kreditrisiken der Banken sind weltweit gestreut, wie die Finanzkrise 2008 gezeigt hat.

• Euro-Krise light
Italien ist ein zweifacher Wackelkandidat der Euro-Zone: ein politischer und ein wirtschaftlicher. Die beiden starken Parteien (Fünf-Sterne-Bewegung und rechtspopulistische Lega) verfolgen eine Anti-EU-Politik und drohen immer wieder mit einem Austritt aus der Euro-Zone. Das bringt die Devisenmärkte in Panik und lässt den Franken immer wieder hochschnellen, weil er von Anlegern als sichere Fluchtwährung gekauft wird. Zugleich ist Italiens Wirtschaft stark unter Druck. Es ist zwar die drittgrösste Volkswirtschaft Europas, aber überschuldet. Dennoch jagt dieses Mal nicht die Angst vor einer Staatspleite wie bei Griechenland durch die Euro-Zone. Denn Italiens Staatshaushalt ist immer noch grösser als der Schuldenberg. Diesen sogenannten Primärüberschuss hatte Griechenland nicht mehr gehabt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michel am 30.05.2018 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder ein Grund

    Dann gaben ja die Chefs wieder einen Grund für die nächste nullrunde

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  • Heinz Geissbühler am 30.05.2018 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro Ade

    Euro Ade Meiner Meinung nach wird sich Italien bald vom Euro verabschieden! Das wird für Italien super werden so haben sie wieder ihre alte Lira zurück und für uns wird das auch gut sein! Italien und die ganze EU wird wieder günstiger.

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  • Liri Lara Lira am 30.05.2018 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sympathische Lira

    Ein Austritt aus dem Euro wird früher oder später kommen. Die Lira war immer sympathisch

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Abdi Cali am 01.06.2018 00:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ch Geld

    Ich denke wenn Schweizer Franken Stärker dann Leute gehen nicht mir Deutschland eine kaufen. Dann bleibt Geld in der Schweiz. Ch laden profitieren!

  • AvS am 31.05.2018 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lira

    Italien zurück zum Lira würde heißen, die können ihre Importe nicht mehr bezahlen, jetzt schon nicht. Deren Binnenmarkt gleitet in eine Mega Inflation. Einfach mal den Blick auf die Türkei werfen. Besser kann man das nicht zeigen.

    • Rose am 31.05.2018 12:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Avs

      die Schulden und Zinsen in Euro wird auch nicht einfach, das zu stemmen

    • pantau am 31.05.2018 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      @avs

      reine Behauptung,eine Hyperinflation ist und immer war eine politische Entscheidung, dazu hätte die It.Zentralbank überhaupt keinen Grund. Ob Du es glaubst oder nicht, It. sitzt gegen der EU am längeren Hebel,weil, 93% der It.Staatsschulden sind nach dem italienischen Recht emmitiert, dass heisst, Italien kann sie auch in Lira zurückzahlen oder einfach die Insolvenz erklären, die grössten Schaden würden die DE banken tragen. Darum kann Italien locker eine für sie tragbare Umschuldung erzwingen, schliesslich sind sie die drittgrösste EU Wirtschaft.Die EU würde sich Sanktionen zweimal überlegen.

    • pantau am 31.05.2018 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      @avs

      natürlich kann eine Liraabwertung die strukturellen Probleme nicht lösen, gilt aber auch wenn die EZB das Euro abwertet. Die meisten Industriestaaten sitzen auf einer gigantischen Kreditblase die eine politische Lösung völlig ausschliesst, auf den Kollaps eine Kreditblase gibt es nur ein Heilmittel, nämlich Pleite. Euro ist zwar kein Verursacher dieser Situation, hat sie aber masiv verschlimmert.

    • THINK am 31.05.2018 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @pantau

      Die Franz. Banken. sind mit weitem Abstand vor Deutschen Banken die grössten Geldgeber.

    • THINK am 31.05.2018 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AvS

      Also wie vor dem Euro .... Dabei hat Italien ja Geld , nur eben nicht deren Staat.Vielleicht sollte man deren Miliardäre mal zur Kasse bitten ? Überall das gleiche.Der Normalo soll alles bezahlen und wird um den letzten Spargroschen gebracht.

    • pantau am 31.05.2018 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      think

      mag sein aber die DE Banken halten über halbe Billion Euro französischer Schulden, im grunde genommen spielt es keine Rolle welche Banken zuerst die Schraube machen und das Domino ins Rollen bringen.

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  • tiziano am 31.05.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Ende naht im schnelltempo

    Der Weg des Euro Und der EU a la Merkel steht in den Geschichtsbücher schon geschrieben, nur sind die noch nicht gedruckt. Ohne GB wird die medirane eu zone die bisherigen taktgebern übertrumpfen und den Anfang des für alle nötige Ende beginnen. Das Ende des nie enden wohlenden streben nach immer mehr exportweltmeister Titeln

    • THINK am 31.05.2018 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tiziano

      China als neuer "Taktgeber" ( incl. Sozialstandards) für Europa ? Viel Spaß ......

    • George am 31.05.2018 12:02 Report Diesen Beitrag melden

      @tiziano

      mal schauen, welcher europäischer Verbund in Europa erfolgreicher ist (die alte EU mit dann noch 27 Nationen), oder GB (mit ihren 4 Nationen).

    • Tiziano am 31.05.2018 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @THINK

      Eben genau nicht, siehe USA sondern das eigene Volk mit steigenden Löhne und Preise, aber solange alle Preise nur eine Richtung kennen kann dies nie gut werden. Nicht mit sinkenden Löhnen für tiefer Preise um mehr verkaufen zu können. Diese Exportweltmeister Taktik führt siehe EU Zone nur ins Verderben

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  • Chris am 31.05.2018 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wie gesagt

    Der Euro wird nie mehr die 1,20er Marke erreichen. Dafür wird er sich an die 90-Rappen Grenze ranmachen. Was aber das kleinste Problem in diesem Jahr sein wird.

    • THINK am 31.05.2018 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Wenn Du das so genau weißt kannst Du ja jetzt mit Transaktionen loslegen und reich werden . Musst Dir über die Zukunft keine Sorgen mehr machen.

    • Reto am 31.05.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      bei 0.9 brauchen wir dann pro Kanton nur noch ein Lädeli zum Einkaufen, weil alle, die rechnen können, ins Ausland shoppen gehen

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  • A:Sommer am 31.05.2018 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    lieber Wirtschaftskrise als EU/EURO !

    Ich nehme sogar eine 5 jährige Wirtschaftskrise in Europa in Kauf, wenn es nur endlich diese EURO und EU Konstrukt zerstört !

    • peter meier am 31.05.2018 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A:Sommer

      ich auch, unbedingt

    • THINK am 31.05.2018 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A:Sommer

      Prinzipiell braucht es die EU schon um jedem Staat in Europa in der globalen Wirtschaft eine Stimme zu geben. Allerdings sollte die EU nicht erpressen , so wie es auch ein Trump macht. Ohne EU haben uns die USA oder China komplett in der Hand. Den Euro hätte es noch nicht gebraucht da die Unterschiede und Einstellungen zum Wirtschaften zu unterschiedlich sind. Die Idee der EU ist gut , die Umsetzung schlecht.

    • rosco am 31.05.2018 12:07 Report Diesen Beitrag melden

      think

      na ja, das Träumen ist erlaubt, welche Stimme hat denn die EU? Die einzige die man hört ist das laute Kuschen vor den Amis. Die Wirtschaft braucht keine Stimme in der Welt, das einzige was sie braucht sind top Produkte, die verkaufen sich selber.

    • Winter am 31.05.2018 12:25 Report Diesen Beitrag melden

      @A.Sommer

      wenn wir eine 5-jährige Wirtschaftskrise überstehen müssen, was hat das dann mit der EU zu tun. Wir sind ja unabhängig, und nicht in der EU.

    • THINK am 31.05.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @rosco

      Den letzten Handelskrieg hat die USA gegen die EU verloren. Frag mal Bush. Er ist dann auch schnell zurückgerudert.Der grössere Wirtschaftsraum ist ebenfalls die EU , auch nach dem Brexit. Das einzigste was in der EU fehlt ist Selbstvertrauen.Mir ist die EU lieber als China oder die USA.

    • rosco am 31.05.2018 14:58 Report Diesen Beitrag melden

      think

      was hat denn die EU gewonnen? Beide seiten sind nur Riesen auf tönnerner Füssen und China hat zwar die Industrie aber ihr Bankensystem ist genauso marode wie überall sonst. Träum weiter.

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