Pferdefleisch-Skandal

14. Februar 2013 18:44; Akt: 25.02.2013 16:33 Print

Französische Firma gerät ins Visier der Ermittler

In Frankreich ist ein Schuldiger im Pferdefleisch-Skandal gefunden: Die Firma Spanghero soll Pferde- als Rindsfleisch verkauft haben. In England sind derweil drei Personen verhaftet worden.

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Was ist drin? Experten haben Schmerzmittel gefunden. (Bild: AFP)

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Die Regierung in Paris hat die Firma Spanghero in Südwestfrankreich als einen Schuldigen im Pferdefleisch-Skandal ausgemacht: Die Firma Spanghero habe gewusst, dass sie Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, teilte der französische Verbraucherminister Benoît Hamon am Donnerstag in Paris mit.

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Spanghero habe sich eines «Wirtschaftsbetruges» schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden. Der Firma in Südwestfrankreich wurde mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen, wie Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hinzufügte. Nach weiteren Untersuchungen in der Firma werde entschieden, ob die Betriebserlaubnis endgültig entzogen werden.

Der europaweite Skandal um Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten, das als Rindfleisch etikettiert worden war, hatte am Mittwoch auch die Schweiz erreicht. In Lasagne-Produkten wurden Anteile von Pferdefleisch gefunden. Spanghero hatte das Fleisch aus Rumänien bezogen und die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte verkauft.

Drei Festnahmen in Grossbritannien

In Grossbritannien sind derweil drei Männer festgenommen worden. Sie stünden im Verdacht, Betrug in Zusammenhang mit Lebensmitteln begangen zu haben, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Wales.

Zwei der drei Verdächtigen seien in einem Fleischverarbeitungsbetrieb in Südwest-Wales festgenommen worden. Es handele sich um zwei Männer im Alter von 42 und 64 Jahren. Der dritte Mann im Alter von 63 Jahren sei in einem Fleischbetrieb in der englischen Grafschaft West Yorkshire festgenommen worden. Zunächst hatte die Polizei von nur zwei Festnahmen gesprochen.

Beide Betriebe waren am vergangenen Dienstag bereits bei einer Razzia von der Polizei durchsucht worden. Sowohl Fleisch als auch Papiere wurden sichergestellt. Die britische Lebensmittelaufsicht FSA stellte den Betrieb vorübergehend ein.

Schädliches Medikament gefunden

Zuvor hatten britische Lebensmitteltester in drei nach Frankreich exportierten Pferdekörpern das Medikament Phenylbutazon (s. Infobox) nachgewiesen. Das Mittel wird bei Pferden auch als Dopingmittel verwendet, bei Menschen kurzzeitig gegen Rheuma.

Die britische Lebensmittelaufsicht FSA testete die Tiere nach Angaben vom Donnerstag am Tag ihrer Schlachtung. Die Proben seien jetzt ausgewertet worden.

Das Fleisch sei von Grossbritannien nach Frankreich verkauft worden, sagte Ernährungsstaatssekretär David Heath im britischen Parlament nach Angaben der BBC. Insgesamt seien 206 geschlachtete Pferde getestet worden, bei acht fielen Spuren des Medikaments auf.

Fünf davon seien nicht in den Nahrungskreislauf gelangt, hiess es von der Lebensmittelaufsicht. Die Tiere seien in Taunton in der Grafschaft Somerset geschlachtet worden. Die Lebensmittelaufsicht arbeite eng mit den französischen Behörden zusammen, um das Fleisch aus der Nahrungskette zurückzuhalten. Tests auf Phenylbutazon in Frankreich seien bislang negativ ausgefallen.

Geringes Risiko

Die Gesundheitsamtschefin für England, Sally Davies, verwies allerdings darauf, dass Phenylbutazon im Fleisch für Menschen ein geringes gesundheitliches Risiko aufweist. Man müsse etwa 600 Hamburger essen, um nur annähernd die Tagesdosis zu erreichen.

Der Umwelt- und Nahrungsmittelausschuss des Unterhauses kritisierte die langsame Reaktion der britischen Regierung auf den Fleischskandal. Es entstehe der Eindruck, dass die Öffentlichkeit systematisch und auf eine zynische Art und Weise hinters Licht geführt worden sei, damit sich Lebensmittel-Hersteller bereichern konnten.

In der Schweiz bisher nur Coop betroffen

In Deutschland entdeckte nach Real auch die Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Fertiggerichten, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Auch der Grosshändler Markant teilte auf Anfrage mit, er habe vergangene Woche «vorsorglich entsprechende Produkte aus dem Vertrieb sowie aus dem Verkauf bei den belieferten Kunden genommen».

Das Ausmass des Skandals für die Schweiz ist noch unklar. Derzeit führen laut dem Bundesamt für Gesundheit mehrere kantonale Labors zusätzliche Kontrollen durch. Ergebnisse werden für Ende Woche erwartet.

Bislang ist bekannt, dass die Lasagne Verdi Bolognese des Coop-Labels Qualité & Prix Anteile von Pferdefleisch enthielt. Dies hätten Labortests ergeben, teilte Coop mit. Das Fleisch für das betroffene Produkt stammte von der französischen Firma Comigel, die beim Fleisch-Lieferanten Spanghero einkaufte.

Diese Firma aus dem südwestfranzösischen Castelnaudary kommt jetzt in Erklärungsnot. Der Betrieb, der Fleisch etwa zu Hamburgern und Würsten verarbeitet sowie Fertiggerichte herstellt, macht seine Lieferanten für den Skandal verantwortlich. Ausdrücklich erklärte die Firma, sie habe «keine Geschäftstätigkeit zum Kauf, Wiederverkauf oder der Verarbeitung von Produkten auf der Basis von Pferdefleisch». Nicht erklären konnte der Betrieb am Donnerstag eine Lieferrechnung für Spanghero mit dem Zahlencode für Pferdefleisch, die die Zeitung «Le Parisien» abdruckte.


Von hier erhielt unter anderem Coop Fleischprodukte für seine Fertiglasagne - die Firma Spanghero steht in Castelnaudary in Südwestfrankreich

EU-Kommission will DNA-Tests

Die EU-Kommission will mit DNA-Tests wirksamer gegen falsch deklariertes Fleisch vorgehen. Die ersten 2500 Gentests könnte es den Plänen zufolge im März geben, teilte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Mittwochabend nach einem Krisentreffen acht beteiligter Staaten in Brüssel mit.

Ergebnisse sollen Mitte April veröffentlicht werden. Insbesondere Irland und Grossbritannien hatten auf gentechnische Untersuchungen gedrungen. Um sicherzustellen, dass Konsumenten mit dem Fleisch keine Pferdemedikamente zu sich nehmen, will die EU-Kommission eine weitere Testreihe zu Phenylbutazon vorschlagen.

1500 in die EU eingeführte geschlachtete Pferde sollten untersucht werden, zudem 2500 in Europa geschlachtete Tiere. Die EU-Kommission will den Mitgliedsstaaten bei der Fahndung nach Rückständen freie Hand lassen.

Deutschlands Umweltminister Johannes Remmel äussert sich zum Pferdefleischskandal.(Video: Reuters)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • glamur ös am 14.02.2013 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    skandalös

    ich weiss auch noch was schädlich ist für den menschen, abgase und nestle produkte....

  • F. Rage am 14.02.2013 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ob's auf das noch ankommt?

    Ach nei aber au, was für eine Neuigkeit, dass in Fleisch - welcher Art auch immer - ungesunde Inhaltsstoffe unnatürlichen Ursprungs gefunden wurden... Wundern wir uns wirklich darüber? Dann kann ich mich darüber nur wundern! Bei Schweine- und Rindfleisch stört es uns offenbar nicht, dass sie Antibiotika und einiges anderes beinhalten.

    einklappen einklappen
  • Rudi Adler am 14.02.2013 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    diese Betrüger gehören hinter Gitter. Das wird immer schlimmer wie der Konsument an der Nase geführt wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jacky am 16.02.2013 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HEY!

    Habt Ihr gesehen, wo das Fleisch überall herumgekarrt wurde? Geschlachtet in Rumänien, verarbeitet in Frankreich, verkauft überall in Europa! Krank! Für mich gibt's nur noch lokales.

  • edmund garcia am 15.02.2013 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    mjam

    habe auch noch ein, zwei pack lasagne von coop zuhause im kühlfach. werde ich aber bestimmt essen und nicht wegschmeissen, ob kuh, huhn, schwein, wild, chüngel, lamm oder pferd ist mir eigentlich schnuppe =)

  • maraki karrer am 15.02.2013 05:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pferdefleisch etc

    was ist wohl in den doenern und burgern der billigbuden drin? gar nicht daran zu denken. sah in der migros billigburger, die nochmals zum halben preis angeboten wurden...man entledigt sich des abfalls...

  • Werner Peter am 15.02.2013 05:01 Report Diesen Beitrag melden

    Pferd ist drin!

    Find du's (Findus) raus, was drin ist.

  • Geniesser am 14.02.2013 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten?

    Ist Rossfeisch nicht generell teurer gegenüber Rind?