Weibliche Chefs

04. Oktober 2016 10:10; Akt: 04.10.2016 10:10 Print

Frauen machen Firmen erfolgreicher

von D. Vollenweider - Der Frauenanteil in Schweizer Verwaltungsräten ist im europäischen Vergleich gerade mal halb so hoch. Dabei steigt mit der Frauenquote auch die Profitabilität.

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Dazu gehört etwa Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Die 50-jährige Diplomatin ist eine unkonventionelle Wahl. Sie gilt als ehrgeizige, diskrete und stille Schafferin. Rühl ist als Generalsekretärin von Bundesrat Johann Schneider-Ammann bestens in Bundesbern vernetzt - was ihr zum Vorteil auf ihrem künftigen Posten gereichen dürfte. Suzanne Thoma (52) ist CEO der BKW AG, der grössten Verteilnetzbetriebsgesellschaft der Schweiz, die eine Million Menschen mit Strom versorgt. Seit 2013 leitet die Chemieingenieurin das Unternehmen. Sie stellte mit Monica Dell'Anna, Leiterin des Bereichs Markt, eine Frau an einer Schaltstelle der Geschäftsleitung ein. Simona Scarpaleggia (54) fing als Personalmanagerin bei Ikea Italien an und entwickelte ein Diversity-Programm. Dann stiess sie ins Management von Ikea Italien vor und übernahm 2013 die Leitung von Ikea Schweiz mit 3000 Angestellten und einem Umsatz von 1 Milliarde Franken. Credit-Suisse-Verwaltungsrätin Iris Bohnet (rechts, hier an der Seite mit VR-Kollege Jean-Daniel Gerber), gilt als Starökonomin: Sie ist die erste Schweizerin, die an der renommierten Kennedy School in Harvard Professorin wurde. Die Schweizerin Beatrice Weder di Mauro gehört dem Verwaltungsrat der Schweizer Grossbank UBS an und ist Mitglied des Audit Committee und des Risk Committee der Bank. Carolina Müller-Möhl ist Präsidentin der Müller-Möhl Group, VR NZZ, Orascom und Mitglied in diversen Stiftungen. Die 46-Jährige studierte Politische Wissenschaften und gründete 2000 die Müller-Möhl-Group (MMM), um das Portfolio ihres verstorbenen Mannes Ernst Müller-Möhl zu bewirtschaften. Magdalena Martullo-Blocher ist Vizepräsidentin und CEO der Ems-Gruppe. Die 45-Jährige übernahm vor zehn Jahren den Posten von ihrem Vater, der SVP-Grösse Christoph Blocher. Sie war damals die jüngste Konzernchefin der Schweiz. Heute gilt sie als eine der erfolgreichsten Chefinnen der Schweiz. Susanne Ruoff (*1958) ist Konzernleiterin der Schweizerischen Post. Ihren Posten erhielt sie unter anderem auch wegen ihren digitalen Kenntnissen, war sie doch während 20 Jahren bei IBM Schweiz tätig. Nadja Schildknecht ist Mitinhaberin und Geschäftsführerin des Zurich Film Festival. Die 43-Jährige gründete nach ihrer Modelkarriere 2005 das Unternehmen, das ein Budget von 7 Millionen Franken hat. Das Festival lockt jedes Jahr mehr Zuschauer nach Zürich. 2013 waren es 71'000, neunmal mehr als 2005. Monika Ribar (55) ist eine feste Grösse im Frauen-Führungskarussell. Die ehemalige CEO des Logistikkonzerns Panalpina steht seit 2009 auf der Liste der 50 wichtigsten Unternehmerinnen der «Financial Times». Ribar ist seit kurzem Verwaltungsratspräsidentin der SBB. Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr bei der SBB, studierte Germanistik und Architektur und ist ehemalige Spitzenschwimmerin. Ihr Lebenslauf ist erstaunlich bunt: So war die 50-Jährige bei IBM, bei der Bon-appétit-Group und bei T-Systems tätig, ehe sie zur SBB kam. Jasmin Staiblin (44) hat eine rasante Karriere hingelegt: Die gebürtige Deutsche war Forschungsassistentin bei der ABB, dann Länderchefin ABB Schweiz und seit 2013 Chefin des Stromkonzerns Alpiq.

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Weibliche Chefs machen Firmen erfolgreich. Das zeigt eine neue Studie des Credit Suisse Research Institute. Auf internationaler Ebene zeichnen die Zahlen ein deutliches Bild: Wo mindestens 15 Prozent der höheren Führungsebene weiblich sind, ist die Profitabilität um 50 Prozent höher als dort, wo der Frauenanteil unter 10 Prozent liegt.

Umfrage
Sollten mehr Frauen in die Chefetagen?
28 %
7 %
31 %
34 %
Insgesamt 1012 Teilnehmer

Dasselbe gilt laut den Studienverfassern auch für die Schweiz: Je höher die Geschlechterdiversität, desto höher die Profitabilität und der Börsenwert der Unternehmen. «In Firmen, bei denen Frauen die Mehrheit der Geschäftsleitung ausmachen, ist zudem ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum und ein tieferer Verschuldungsgrad zu beobachten», sagt Lucia Waldner, Leiterin des Credit Suisse Research Institute, zu 20 Minuten.

Tiefe Frauenquote

Für weibliche Führungskräfte wie Simone Scarpaleggia, CEO von Ikea Schweiz, ist das eine gute Nachricht. Bloss: Frauen wie sie gibt es in der Schweiz noch immer viel zu wenig. Die Frauenquote in den Teppichetagen ist im internationalen Vergleich noch immer sehr tief: In den hiesigen Verwaltungsräten machen Frauen laut der Studie derzeit rund 13,4 Prozent aus, was zwar einem Anstieg von 55 Prozent seit 2008 entspricht – europaweit ist die Frauenquote jedoch etwa doppelt so hoch. Auch im Senior Management hinkt die Schweiz mit einem Frauenanteil von 6,7 Prozent deutlich hinterher. Zum Vergleich: Der Schnitt liegt weltweit bei 13,8 Prozent, der europäische Schnitt bei 12,6 Prozent.

Das Problem: «Die Schweiz hat ein viel zu kleinen Talent-Pool für Management-Funktionen», so Waldner. Die Schweiz bräuchte laut Waldner dreimal so viele Managerinnen in strategisch zentralen Bereichen, sei es im Kundengeschäft oder Finanzwesen, um überhaupt beim europäischen Durchschnitt mitzuhalten.

Weibliche Frauen im Bereich Finanzen

Die Studie hebt ein weiteres Problem hervor: 54 Prozent aller Frauen in höheren Führungspositionen sind in der Schweiz im Bereich Personal tätig. Doch in solchen Positionen sei eine Beförderung auf die nächste Führungsebene höchst selten. Anders sieht es beispielsweise bei Chief Financial Officers (CFO) aus, diese Position dient oft als Sprungbrett für den CEO-Posten oder Verwaltungsratsmandate. Doch in diesem Bereich arbeiten in der Schweiz nicht einmal fünf Prozent aller Frauen mit Führungsposition – rund 70 Prozent weniger als im Ausland.

Wenigstens bei der Frauenquote auf CEO-Ebene kann die Schweiz im internationalen Vergleich mithalten: Rund 3,8 Prozent der hiesigen CEOs sind weiblich – international sind es 3,9 Prozent. Zudem ist in der Schweiz der Frauenanteil in mittelgrossen Firmen am höchsten. Im internationalen Vergleich sind es vor allem Grossunternehmen, die eine hohe Frauenquote aufweisen. Für die Studie wurden weltweit 3000 Unternehmen untersucht, 78 davon mit Sitz in der Schweiz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gym Runner am 04.10.2016 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts zu sagen

    Man siehe Yahoo...

  • CHer am 04.10.2016 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Kausalität

    Unternehmen sind nicht profitabel, weil es Frauen in der Geschäftsleitung hat. Sondern profitable Unternehmen können es sich leisten, Frauen in die Geschäftsleitung aufzunehmen.

  • Maeder85 am 04.10.2016 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Schön würde ein solcher Artikel FÜR Männer genau gleich akzeptiert werden wie dieser... Fand auch die Freude der Bundesrätinnen über die weibliche Überzahl völlig unangebracht. Aber schön wie die "Gleichberechtigung" vorwärts schreitet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mandalayon am 04.10.2016 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiefere Kosten

    Ganz einfach: Frauen verdienen weniger, das erhöht automatisch die Profitabilität. ;)

  • Bardo Jaeger am 04.10.2016 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yahoo

    Yahoo machts vor ...

  • Eckzahn am 04.10.2016 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weibliche Frauen?

    Weibliche Frauen im Bereich Finanzen. Was ist das für einen Zwischentitel? Meinte bisher immer, Frauen seien biologisch weiblich.

  • Maeder85 am 04.10.2016 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Schön würde ein solcher Artikel FÜR Männer genau gleich akzeptiert werden wie dieser... Fand auch die Freude der Bundesrätinnen über die weibliche Überzahl völlig unangebracht. Aber schön wie die "Gleichberechtigung" vorwärts schreitet.

  • P.Eter am 04.10.2016 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CEO

    Wenn Frauen CEO werden wollen, dann sollen sie. Man darf die Frauen aber nicht dazu drängen, wenn sie nicht wollen. Das geht vor allem für die Feministen.