Umfrage zeigt

09. Juli 2014 13:07; Akt: 09.07.2014 13:07 Print

Frauen sind die besseren Chefs

von C. Landolt - Ein Report offenbart wachsendes Misstrauen in die Führungsqualitäten von männlichen Führungskräften. Die Mehrheit hält Frauen für die besseren Chefs.

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Dazu gehört etwa Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Die 50-jährige Diplomatin ist eine unkonventionelle Wahl. Sie gilt als ehrgeizige, diskrete und stille Schafferin. Rühl ist als Generalsekretärin von Bundesrat Johann Schneider-Ammann bestens in Bundesbern vernetzt - was ihr zum Vorteil für ihren künftigen Posten gereichen dürfte. Suzanne Thoma (52) ist CEO der BKW AG, der grössten Verteilnetzbetriebsgesellschaft der Schweiz, die eine Million Menschen mit Strom versorgt. Seit 2013 leitet die Chemieingenieurin das Unternehmen. Sie stellte mit Monica Dell'Anna, Leiterin des Bereichs Markt, eine Frau an einer Schaltstelle der Geschäftsleitung ein. Credit-Suisse-Verwaltungsrätin Iris Bohnet (rechts, hier an der Seite mit VR-Kollege Jean-Daniel Gerber), gilt als Starökonomin: Sie ist die erste Schweizerin, die an der renommierten Kennedy School in Harvard Professorin wurde. Die Schweizerin Beatrice Weder di Mauro, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, ist Mitglied des obersten volkswirtschaftlichen Beraterkreises in der Bundesrepublik, dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. (Keystone/Alessandro della Valle) Carolina Müller-Möhl ist Präsidentin der Müller-Möhl Group, VR NZZ, Orascom und Mitglied in diversen Stiftungen. Die 46-Jährige studierte Politische Wissenschaften und gründete 2000 die Müller-Möhl-Group (MMM), um das Portfolio ihres verstorbenen Mannes Ernst Müller-Möhl zu bewirtschaften. Magdalena Martullo-Blocher ist Vizepräsidentin und CEO der Ems-Gruppe. Die 45-Jährige übernahm vor zehn Jahren den Posten von ihrem Vater, der SVP-Grösse Christoph Blocher. Sie war damals die jüngste Konzernchefin der Schweiz. Heute gilt sie als eine der erfolgreichsten Chefinnen der Schweiz. Simona Scarpaleggia (54) fing als Personalmanagerin bei Ikea Italien an und entwickelte ein Diversity-Programm. Dann stiess sie ins Management von Ikea Italien vor und übernahm 2013 die Leitung von Ikea Schweiz mit 3000 Angestellten und einem Umsatz von 1 Milliarde Franken. Susanne Ruoff (*1958) ist Konzernleiterin der Schweizerischen Post. Ihren Posten erhielt sie unter anderem auch für ihre digitalen Kentnisse, war sie doch während 20 Jahren bei IBM Schweiz tätig. Nadja Schildknecht ist Mitinhaberin und Geschäftsführerin des Zürcher Filmfestivals. Die 41-Jährige gründete nach ihrer Modelkarriere 2005 das Unternehmen, das ein Budget von 7 Millionen Franken hat. Das Festival lockt jedes Jahr mehr Zuschauer nach Zürich. 2013 waren es 71'000, neunmal mehr als 2005. Monika Ribar (55) ist eine feste Grösse im Frauen-Führungskarussell. Die ehemalige CEO des Logistikkonzerns Panalpina steht seit 2009 auf der Liste der 50 wichtigsten Unternehmerinnen der «Financial Times». Ribar ist Profiverwaltungsrätin mit Top-Mandaten (Swiss, Logitech, Sika, SBB und Lufthansa). Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr bei der SBB, studierte Germanistik und Architektur und ist ehemalige Spitzenschwimmerin. Ihr Lebenslauf ist erstaunlich bunt: So war die 50-Jährige bei IBM, bei der Bon-appétit-Group und T-Systems tätig, ehe sie zur SBB kam. Jasmin Staiblin (44) hat eine rasante Karriere hingelegt: Die gebürtige Deutsche war Forschungsassistentin bei der ABB, dann Länderchefin ABB Schweiz und seit 2013 Chefin des Stromkonzerns Alpiq. Petra Janner ist CEO von Microsoft Schweiz - seit Oktober 2011. Die 49-Jährige ist eine der wenigen weiblichen Führungskräfte, die sich gerne mit ihrer Sicht der Dinge exponiert - als fleissige Bloggerin zum Beispiel. Auch aus ihrem Ehrgeiz, nach oben zu wollen, hat sie nie einen Hehl gemacht.

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In den Augen von 6500 Menschen weltweit leisten die Top-Manager offenbar keine gute Arbeit. Wie der «Ketchum Leadership Communication Monitor 2014» (KLCM) offenbart, glauben nur noch 22 Prozent an die Fähigkeiten ihrer Top-Manager. In Deutschland sind es gar nur 16 Prozent.

Umfrage
Sind Sie auch der Meinung, dass Frauen die besseren Führungskräfte sind?
35 %
49 %
4 %
12 %
Insgesamt 2495 Teilnehmer

Den Vertrauensverlust retten sollen Frauen. Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland ist der Meinung, dass weibliche Führungskräfte mit Veränderungen und zukünftigen Herausforderungen besser klarkommen als ihre männlichen Kollegen.

Frauen wird mehr zugetraut

Die schlechten Werte beziehen sich allerdings vor allem auf männliche Führungskräfte, wie Dirk Popp, CEO von Ketchum Pleon, bestätigt: «Den Führungsqualitäten von Frauen wird grosses Vertrauen entgegengebracht: Hier glauben immerhin 58 Prozent der Deutschen, dass Frauen besser als ihre männlichen Kollegen mit den Veränderungen und Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren zurechtkommen. Sie liegen mit dieser positiven Einschätzung um zwölf Prozentpunkte über dem weltweiten Durchschnitt.»

Zudem haben Frauen in Führungspositionen nach Ansicht aller weltweit Befragten die männlichen Topmanager in wichtigen Management-Eigenschaften abgehängt. Vor allem beim Eingestehen von Fehlern (66 Prozent versus 34 Prozent), offener, transparenter Kommunikation (62 Prozent versus 38 Prozent) und vorbildlicher Führung (57 Prozent versus 43 Prozent) haben Frauen die Nase vorn.

Gutes Beispiel

Was die Befragten von einer guten Führungskraft grundsätzlich erwarten, zeigt das Ranking der wichtigsten Eigenschaften. Mit jeweils 64 und 60 Prozent wurden «Mit gutem Beispiel vorangehen» beziehungsweise eine «offene und transparente Kommunikation» als Schlüsselfaktoren für einen guten Führungsstil genannt. Darauf folgen «Fehler zugeben» und das selbstbewusste und ruhige Umgehen mit schwierigen Situationen und Krisen.

Effektives Kommunizieren ist sehr wichtig für eine gute Führungskraft – diese Meinung vertreten 74 Prozent der Deutschen, 36 Prozent sagen sogar, es ist extrem wichtig. Allerdings haben nur 27 Prozent der Befragten (29 Prozent weltweit) das Gefühl, dass Führungskräfte das effektive Kommunizieren auch beherrschen.

Weniger Widerstand

Weltweit suchen Firmen Frauen für ihre Führungsetagen. Hierzulande sind nur 6 Prozent Frauen in Geschäftsleitungen von SMI-Unternehmen vertreten. Doch ihre Fluktuationsrate ist stets höher als die der Männer. 2013 betrug sie 18 Prozent (Männer: 13 Prozent), wie der Report der Executive Search Firma Schilling bestätigt. Daran sind sie nicht ganz unschuldig: «Ihnen fehlt oft der Durchhaltewille», sagt Experte Guido Schilling. Das hat mit Widerstand zu tun, sagt er. «Frauen denken eher, dass sie sich das nicht bieten lassen müssen und ziehen Konsequenzen, während Männer eine Situation durchaus aussitzen wollen.

Es gebe keine Branche, die den Vorteil der Geschlechter-durchmischung nicht erkannt habe, betont Headhunter Schilling. Trotzdem sind die Geschäftsleitungen von Coop,
Migros, Swisscom, ZKB, Axpo, Novartis, Siemens Schweiz und ABB Schweiz nach wie vor «Boys only»-Clubs – ungeachtet einer beträchtlichen Zahl weiblicher Verwaltungsräte. Das kann, soll und wird sich ändern, ist Schilling überzeugt: «Auf die Dauer kommt die Frauenpower», sagt er zu 20 Minuten.

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