Riskante Folgen

28. März 2019 07:40; Akt: 28.03.2019 09:24 Print

Für 20 Fr geben Schweizer intime Daten preis

von Isabel Strassheim - Schweizer würden ihrer Krankenkasse persönliche Daten für 20 Franken Prämienverbilligung offenlegen. Das könnte riskant sein.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Smartphones tracken standardmässig die Bewegungen der Nutzer. Diese Daten werden gespeichert und lassen auch auf die Gesundheit der Handybesitzer schliessen. Eine repräsentative Umfrage zeigt, dass Schweizer bereit wären, diese Daten ihrer Krankenkasse zu übermitteln. Und zwar gegen eine geringe Prämienverbilligung.

Umfrage
Würden auch Sie Gesundheitsdaten offen legen?

Gut ein Drittel der Befragten würde ihre Gesundheitsdaten für 20 Franken oder weniger an monatlicher Prämienverbilligung ihrer Krankenkasse überlassen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Marketagent im Auftrag des Vergleichsdienstes Comparis.

50 Franken oder mehr

34 Prozent würden ihre Daten ab 50 Franken monatlich der Krankenkasse offenlegen. Auf keinen Fall würden dies dagegen 30 Prozent der Befragten tun.

Wie die Umfrage zeigt, geben bereits 9 Prozent die auf ihren mobilen Geräten aufgezeichneten Daten über Bewegung, Ernährung, Sport oder Schlaf an ihre Versicherung weiter. Grundsätzlich steht gut ein Drittel der Befragten einer Nutzung der Gesundheitsdaten durch die Versicherungen offen gegenüber, solange die Datenlieferung freiwillig ist.

Risiko 1
Gefahr für die Solidarität

Die Grundversicherung funktioniert auf Basis der Solidargemeinschaft: Jeder zahlt dieselbe Prämie. Um Risikoselektion zu vermeiden, gibt es einen Ausgleichstopf. Für teure, kranke Kunden erhalten Kassen Geld und müssen für günstige, gesunde Kunden in den Topf einzahlen. «Je mehr Daten es über den Zusammenhang zwischen Verhalten und Krankheiten gibt, desto stärker wird der Druck, gesundes Verhalten auch in der Grundversicherung mit günstigeren Prämien zu belohnen», sagt Experte Felix Schneuwly von Comparis.

Risiko 2
Andere Verwendung

«Den meisten fehlt das Bewusstsein, was Daten über sie aussagen können, und sie denken, sie hätten nichts zu verbergen», sagt Ursula Uttinger, Präsidentin des Datenschutzforums Schweiz. Wer Daten preisgibt, müsse genau wissen, was damit gemacht wird. Gerade Gesundheitsdaten seien auch für Lebensversicherer oder Arbeitgeber interessant. Doch schon die Krankenversicherer nutzen die Daten oder haben grosses Interesse daran, insbesondere in den Zusatzversicherungen: Kriegt man überhaupt noch eine bestimmte Versicherung, und falls ja, zu welchem Preis? Dies steht dann im Verhältnis zum Risiko. Auch eine Risiko-Lebensversicherung könnte sich verteuern, und auch Arbeitgeber könnten Vorbehalte bei der Neueinstellung haben.

Risiko 3
Gläserner Mensch

Wer ein Alkoholproblem hat oder raucht und das beim Versicherungsabschluss verheimlicht, könnte durch die permanente Überwachung der Gesundheitsdaten überführt werden. Aber auch wer nach nach einem Jobwechsel nicht mehr so viel regelmässig laufe wie vorher, verändere möglicherweise seine Fitnessniveau mit entsprechenden Folgen. Grundsätzlich bestehe auch immer die Gefahr der Cyberkriminalität: Die persönlichen Daten könnten gehackt und missbraucht werden, warnt Schneuwly.

Risiko 4
Kundenbindung

«Die Strategie der Krankenkassen ist derzeit, den Umgang mit Daten zu lernen», sagt Matthias Maurer vom Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie. Die künftige Nutzung sei dabei meist noch offen. Ein klares Motiv zum Datensammeln stehe derzeit aber fest: Mit eigenen Apps, die etwa Sportaktivitäten tracken, sammeln Versicherte Bonuspunkte und damit Prämienverbilligungen. Das sind dann meist die aktiven und tendenziell gesünderen, so Maurer.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Meier am 28.03.2019 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts zu verbergen

    Die ganze "Ich hab doch nichts zu verbergen" Mentalität, grenzt an Wahnsinn! Nur um ein paar Franken zu sparen! Und wenn schliesslich die Alkoholsucht ans Licht kommt, wird ruck zruck die Prämie erhöht

    einklappen einklappen
  • El Diablo am 28.03.2019 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risiko 1, unwichtig

    Das an erster Stelle stehende Risiko für den Solidaritätsgedanken ist nicht gegeben. Sowas wie Soliarität gab es in der Schweiz vielleicht vor langer, langer Zeit einmal. Heute ist der Grundgedanke der CH Gesellschaft Alle gegen Alle.

  • Peter am 28.03.2019 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das liebe Geld

    Für Geld tun gewisse Menschen alles.

Die neusten Leser-Kommentare

  • S@m.W am 28.03.2019 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Daten für 20.-

    Dann Werten sie deine Daten aus und sehen das du die 20 Fr nicht wert bist... das funktioniert nur bei gesunden Menschen die ihre gesundheitlichen Daten sorgenlos weitergegeben, es sind nur diejenigen die 20 Fr prämienverbilligung kriegen, die anderen Risiko-Patienten zahlen eher was drauf

  • Hotwith am 28.03.2019 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur 20.-?

    ab 100.-/monat kann ich mir das langsam überlegen.

  • Susinka am 28.03.2019 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das reicht

    Anhand der Liste der Medikamente die auf meiner Arztrechnung aufgeführt ist, weiss die KK schon genug über meinen Gesundheitsstand.

    • marko 34 am 28.03.2019 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susinka

      Genau

    einklappen einklappen
  • Peter M am 28.03.2019 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Echt lustig hier

    Viele sagen NEIN ich würde meinen Daten NIEMALS preisgeben. Wieviele von euch tragen z.B ein Fitbit? Jaja man sollte jeweils auch das Kleingedruckte in den AGB's lesen. Ihr habt mit einmal OK klicken ja gesagt, dass EURE Daten weitergegeben werden dürfen. In Frankreich werten die KK's schon die Daten von Fitbit aus.

  • Glaspatient am 28.03.2019 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Milliardär

    Wer seine Daten nicht freiwillig gibt, von dem werden sie heimlich genommen... Dafür geschützt werden Multimillionäre, welche Steuern hinterziehen.