Temporärfirma

09. Mai 2019 12:28; Akt: 09.05.2019 16:21 Print

Für Zalando-Packerinnen kam Kündigung per SMS

von Isabel Strassheim - Sie arbeiten die Päckli-Retouren für Zalando im Thurgau ab: Das Temporärbüro kündigte mehreren Frauen diese Woche per SMS.

Bildstrecke im Grossformat »
«Kündigung!»: So teilte die Firma das Einsatzaus mit. Zalando: Bestellen per App - und kündigen per SMS? Versand und auch Retouren geben viel Arbeit bei Zalando – auch in der Schweiz. DIe Retouren müssen aus rechtlichen Gründen in der Schweiz bearbeitet werden. Rund die Hälfte der Zalando-Pakete wird zurückgeschickt. Das dürften in der Schweiz geschätzt 10 Millionen Bestellungen sein. Der Kleiderhandel macht den Grossteil der Retouren im Schweizer Versandhandel aus. Die Retouren geben nicht nur viel Arbeit, sondern verursachen auch Klimagase: Eine Massnahme gegen den hohen CO2-Ausstoss durch den Versand von Zalando-Päckli: Einige Kunden sehen bei der Bestellung auf Zalando neu eine Option, mit der sie den CO2-Ausstoss der Lieferung kompensieren können. «Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, im Checkout-Prozess klimaneutrale Lieferungen anzubieten», bestätigt Zalando-Sprecherin Sandra Burghardt. Ziel des Tests ist laut Zalando, herauszufinden, ob der Ansatz bei den Kunden ankommt. Ob die klimaneutrale Lieferung dann definitiv komme, sei abhängig davon, wie die Kunden auf den Test reagieren. Das Geschäft bei Zalando läuft sehr gut. Das Unternehmen konnte den Jahresumsatz 2018 deutlich steigern. Dies geht aus einer Detailhandelsstudie der Credit Suisse hervor. Gemäss dem Retail Outlook 2019 setzte der Onlinehändler in der Schweiz knapp 800 Millionen Franken um. Zalando gibt es in der Schweiz erst seit 2012. Der Anstieg in nur sieben Jahren ist enorm. Die Steigerung der Zalando-Umsätze dürfte zwar etwas geringer ausfallen als 2017, aber immer noch gut 28 Prozent betragen. Der Gesamtmarkt für Bekleidungs- und Schuhdetailhandel beträgt in der Schweiz rund 8,8 Milliarden Franken. Weniger erfreulich ist für Zalando allerdings das veränderte Kaufverhalten der Kunden: Pro einzelne Bestellung geben sie weniger aus. Der durchschnittliche Warenkorb ist im dritten Quartal 2018 im Vergleich zur Vorjahresperiode um über 7 Prozent zurückgegangen. Auch die Auswirkungen des untypisch heissen Herbstes 2018 zeigen sich in den offiziellen Zahlen von Zalando: Die Verkäufe in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten im dritten Quartal «nur» um 8,8 Prozent gesteigert werden. Im Vorjahr waren es noch über 13 Prozent gewesen. Der stationäre Handel spielt für Zalando auch eine Rolle: Ab 2020 wird Zalando in der deutschen Stadt Konstanz eine Outlet-Filiale eröffnen. Zalando-Pakete werden für den Versand vorbereitet, aufgenommen im Postzentrum in Frauenfeld am Montag, 7. April 2014. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Statt mit einer Anrede beginnt das SMS mit: «Kündigung!». Ein Temporärbüro aus der Ostschweiz teilte so 10 bis 13 Mitarbeiterinnen mit, dass ihr Einsatz zum Bearbeiten der Retouren des Onlinehändlers Zalando in Arbon diesen Freitag für sie unerwartet schnell endet. Das Temporärbüro rekrutiert die Arbeitskräfte für die Firma MS Direct, die wiederum von Zalando beauftragt worden ist, die Retouren in Arbon zu bearbeiten.

Umfrage
Wie finden Sie eine Kündigung per SMS?

In der Schweiz gibt es keine Formvorgabe für die Kündigung des Arbeitsvertrags. Auch eine Mitteilung per SMS ist rechtlich gültig, die Firma hat also rechtlich richtig gehandelt. «Aber niemand möchte wohl eine solche Kündigung ohne direkten Kontakt und ohne Rückfragemöglichkeiten erhalten», sagt Silja Kohler, Sprecherin der Gewerkschaft Unia, zu 20 Minuten. Das sei schlicht schlechter Stil.

Arbeiterinnen ohne festen Wohnsitz

Für die Temporärarbeitsfirma soll es praktische Gründe für die SMS-Kündigung gegeben haben: Es sei zum Teil schwierig, die ausländischen Arbeiterinnen per Brief zu erreichen, denn sie hätten nicht unbedingt einen festen Wohnsitz. Auch das Du im SMS sei normal, denn zwischen den Beschäftigten und der Firma sei man per Du.

MS Direct wie auch die Temporärfirma selbst wollen zu den Kündigungen gegenüber 20 Minuten nicht Stellung nehmen.

Am Berliner Hauptsitz von Zalando heisst es zu dem Vorfall: «Die MS Direct AG betreibt für uns den Standort in der Schweiz und plant den Einsatz der Mitarbeiter oder Zeitarbeiter für Stosszeiten.» Zalando unterstütze bei der Planung durch frühzeitige und regelmässige Prognosen des zu erwartenden Volumens.

Stundenlohn von 23.10 Franken

Fürs Bearbeiten der Zalando-Retouren sollen die Leiharbeiterinnen 23.10 Franken brutto pro Stunde bekommen. Darin enthalten seien Ferien- und Feiertagsentschädigung. Die Arbeiterinnen müssen in einer grossen Halle die zurückgeschickte Ware auf ihre Vollständigkeit kontrollieren, wenn nötig reinigen sowie neu verpacken. Dafür soll es Zeitvorschriften geben. Laut Zalando ist die angebliche Zielvorgabe von mindestens 180 Paketen pro Tag «weit überhöht», wie Barbara Debowska vom Zalando-Hauptsitz in Berlin zu 20 Minuten sagt. Mehr wollte sie aber nicht dazu sagen.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 09.05.2019 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sklaven

    Moderne Sklaven sind das. Und so werden sie behandelt. Hier uns unserer schönen Schweiz.

    einklappen einklappen
  • damianR am 09.05.2019 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SMS, whatsapp, Post-it-Zettel

    Der Anstand bleibt wohl zunehmend auf der Strecke.

    einklappen einklappen
  • Enne am 09.05.2019 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super !

    Super ! Zalando noch mehr unterstützen !

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erenel am 10.05.2019 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    quid pro quo

    Aber Krankmelden/blaumachen geht dann natürlich für den Arbeitsnehmer (AN) am besten über Whatsapp/SMS. Solange die AN dies so machen können/wollen, finde ich darf der Arbeitgeber sich dieses Recht auch nehmen. quid pro quo.

  • Lena am 10.05.2019 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schuld liegt bei MS Direct

    Schuld ist nicht Zalando selbst, sondern diejenige Firma, die die Arbeiterinnen anstellt für diese Arbeit: nämlich MS-Direct und der Temporäranbieter, der die Kündigungen per SMS rausliess. Über MS-Direct lässt sich dementsprechend noch viel mehr schlechtes im Netz lesen...

    • Markus S. am 10.05.2019 11:48 Report Diesen Beitrag melden

      Fakten erkennen...

      Wieso ist hier die MS-Direct Schuld? Die MS -Direct hat die Mitarbeiter nicht unter Vertrag, sondern das Temporärbüro. Klar, die Mitarbeiter führen Arbeiten für die besagte Unternehmung aus, aber die rechtliche Anstellung läuft über das Temporärbüro. Zudem fordern wir Endkunden einen bestimmten Service/Preis, bei dem die ganze Wertschöpfungskette darunter leidet. Und denk daran: Es ist wie mit Urlaub buchen: Im Netz findest du meistens immer nur diejenigen, die schlechtes zu berichten haben.

    einklappen einklappen
  • RoCh am 10.05.2019 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Das ist der Preis für die Geiz ist geil Mentalität. Diese Menschen bezahlen mit tiefem Stundenlohn und schlechten Arbeitsbedingungen, damit andere Profitieren. Der Kapitalismus von seiner schönsten Seite.

  • Sissi am 10.05.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es auch in der Schweiz

    Das wird in der Schweiz zumindest von einem Personslvermittler genauso gemacht...

    • Mr. Spock am 10.05.2019 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sissi

      Bis ein Personalvermittler kündigt muss man schon einiges verbocken. Ich denke sie meinen die jeweilige Zeitarbeit beim aktuellen Kunden?

    einklappen einklappen
  • hp am 10.05.2019 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unberechtigte Beschuldigungen

    Als ehemaliger Arbeitnehmer von MS Direct verärgern mich so einige Kommentare. Das HR ist sehr mitarbeiterorientiert und hilfsbereit. Ich habe mich jederzeit ernstgenommen gefühlt. Kündigungen in Form von SMS sind mir noch nie zu Ohren gekommen.