Einschätzung

03. Februar 2011 10:52; Akt: 03.02.2011 10:59 Print

GCs letzter Strohhalm

von Lukas Hässig - Der Fussball-Tabellenletzte Grasshopper Club schöpft neue Hoffnung auf ein Überleben als Profiteam. 20 Investoren sollen als «Owner's Club» den Verein retten.

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Hoffentlich vergeht diesem GC-Fan das Lachen nicht. (Bild: Keystone)

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Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach dem Motto buhlen die GC-Verantwortlichen in diesen Wochen um die Gunst finanzkräftiger Investoren. Daran herrscht unter den rund 4500 GC-Mitgliedern und -Gönnern kein Mangel. Doch ist denen der einstige Serienmeister, der sportlich ums Überleben in der höchsten Liga kämpft und finanziell aus dem letzten Loch pfeift, diesen Einsatz noch wert?

Die Frage drängt. Am 10. März muss der Zürcher Fussballklub beim Verband aufzeigen, wie er sein Überleben als Top-Profiteam finanziell bewältigen will. Laut GC-Managern fehlen rund vier Millionen Franken pro Jahr. Vielleicht sind es auch fünf. Strukturelles Defizit nennt man das.

Die Last auf viele Schultern verteilen

Im Unterschied zu Lokalkonkurrent FCZ oder den vermögenden Klubs Basel und YB mit ihren bestimmenden Einzelfinanciers versucht GC, die Lasten auf viele Schultern zu verteilen. «Owner's Club» heisst der Zirkel, der das neue Machtzentrum werden soll.

Geht der Plan auf, sind bei GC bald 20 neue «Owners», also Besitzer, am Drücker. Jeder von ihnen muss sich für 3 Jahre verpflichten, pro Jahr 250 000 Franken einzuschiessen. Macht 5 Millionen pro Jahr. Oder aus Sicht eines einzelnen Investors eine Dreiviertel Million für die ganze Laufzeit. Gegenleistung? Teilhaber eines Profiklubs werden, den man sich mit ein paar vermögenden Kollegen hält. Gemeinsam hielte man die Aktienmehrheit an Team GC.

Die Idee stösst offenbar auf Anklang. «Das Konzept 'Owner's Club' erachte ich als sehr realistisch», sagt GC-Zentralpräsident Andres Iten, seines Zeichens oberster Funktionär aller GC-Sportsektionen. «Innert kurzer Zeit haben gegen 10 Investoren zugesagt, unter der Bedingung, dass zuletzt rund 20 mitmachen. Das stimmt mich optimistisch.»

Neustart in 1. Liga

Der «Owner's Club» ist wohl GCs letzte Chance. Scheitert die angestrebte 3-Jahres-Finanzierung, droht ein Ende mit Schrecken: Ausverkauf des Teams, freiwilliger Abstieg in die 1. Liga, wo mit einem Nachwuchsteam neu gestartet würde.

Der ordentliche Weg via Abstieg in die zweitoberste Klasse würde vermutlich als zu riskant erachtet. Die guten Spieler müssten rasch verkauft werden, was die Gefahr eines weiteren Niedergangs mit sich brächte – eine Negativspirale.

Das laute Nachdenken über einen Auszug in die Fremde nach Aarau oder Luzern mag die öffentliche Wahrnehmung für die finanzielle Notlage von GC schärfen. Den angedrohten Schritt aber in die Tat umsetzen, kann kein Verantwortlicher ernsthaft in Betracht ziehen. Es sei denn, er will sich dem Vorwurf aussetzen, keine Ahnung vom Geschäft zu haben.

Variante Gaydoul vom Tisch

Nein, der Fall GC ist am Ende des Tages ein banaler und im Fussball-Geschäft Alltag. Der Klub lebt schon seit Jahren über seinen Verhältnissen und brauchte ständig einen reichen Onkel, der das Loch stopfte. Zuletzt Heinz Spross, Abkömmling des verstorbenen Werner Spross, genannt «Gärtner der Nation». Spross hatte irgendwann genug geblutet, nun sollen andere die Rechnung begleichen.

Im Sommer 2009 wäre beinahe Philippe Gaydoul, Denner-Erbe und Unternehmer-Milliardär, zum Handkuss gekommen. In letzter Minute winkte Gaydoul «aus persönlichen Gründen» ab, wie aus involvierten Kreisen zu vernehmen ist.

Statt Gaydoul oder einer anderen Oneman-Show sollen die Lasten breiter verteilt werden. «Mit dem 'Owner's Club' ist es mir wesentlich wohler als mit der Idee, dass ein einziger Investor das alleinige Sagen hat», begründet der oberste GC-Funktionär Iten den eingeschlagenen Weg. «Eine breite Trägerschaft passt besser zu GC und dürfte dem Klub für die Zukunft bessere Perspektiven eröffnen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • alain reimann am 03.02.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nur 1 SuperLeage Club in Züri

    Es ist schon lange klar, dass in Züri zwei SuperLeague Clubs nicht vertretbar sind. Sogar die Derby Spiele finden vor halb leeren Rängen statt. Tortzdem ist es schade, dass so ein Traditionsklub so nahe am Abgrund steht. Aber hey: Entweder FCZ oder GC; und da ist mir GC doch noch lieber...

  • Phil am 03.02.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Die Legende lebt!!

    Von wegen GC will ja sowieso keiner mer in der ASL! Gewisse Leute hier haben anscheinend vergessen um wen er hier geht. GC ist immer noch Rekordmeister(27), Rekordpokalsieger(18) und auch international der erfolgreichste Club der Schweiz! Schaut euch mal an wie viele aktuelle oder ehemalige Nati Spieler aus der GC-Jugend kommen. Ein bischen Respekt wäre auch mal was! Wo waren denn Basel, YB oder Zürich bevor sie von Investoren übernommen wurden? YB war damals nicht mal in der NLA! Also lieber vorher nachdenken bevor man solche Kommentare schreibt!

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  • Manu St. Gallen am 03.02.2011 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    GC Flop - St. Gallen Top

    Ob mit oder ohne GC, der FC St. Gallen bleibt in der obersten Spielklasse. Und das ist gut so. Hopp St. Gallen!!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • el capitano am 03.02.2011 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Am Ende lacht nur einer....

    ... und das ist der GCZ. Es gibt im Hintergrund immer noch genügend gut betuchte Herren denen der GCZ etwas bedeutet. Ich bin guter Dinge, dass wir die Kurve noch kriegen werden und in ca. 3 Jahren im oberen Drittel mitspielen werden und danach wieder Nummer 1 im Lande sein werden.

    • miked am 05.02.2011 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      GCZ? GCA!

      GCZ wird bis da kein Z mehr im Namen tragen, deine gut betuchten Herren müssten eigentlich gerade jetzt einschreiten und wie war das nochmal mit der Nummer 1 im Lande ? Wie wenn GC bald nur noch ein armer Aargauer Klub ist.

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  • Mockä am 03.02.2011 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das Ende naht....und das ist gut so!

    Da GCN offensichtlich überhaupt keinen Rückhalt in der Bevölkerung geniesst (dasselbe Phänomen ist auch bei den GCK Lions auszumachen), wird diese "Marke" innert kürzester Zeit vergessen gehen. Wen kümmerts? Eben niemanden!

  • Holzbein am 03.02.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    GC ist der Financiers Klub No.1 in der CH

    Einzelfinanciers?! Da gehört glaub ich der FCZ nicht mehr dazu und YB schon lange nicht. Die Herren Rhys und Oertig besitzen zwar die Aktien aber sind auf Gewinn aus und buttern keinen Rappen in die Mannschaft oder den Klub. Allerdings trifft der Ausdruck Einzelfinaciers seit gut einem Jahrhundert genau auf GC zu. Bis heute pumpen Private Geld in den Verein ohne etwas zurück zu verlangen. Oder wer ausser Spross buttert jedes Jahr 5 Mio aus dem eigenen Vermögen in einen Verein?

  • Phil am 03.02.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Die Legende lebt!!

    Von wegen GC will ja sowieso keiner mer in der ASL! Gewisse Leute hier haben anscheinend vergessen um wen er hier geht. GC ist immer noch Rekordmeister(27), Rekordpokalsieger(18) und auch international der erfolgreichste Club der Schweiz! Schaut euch mal an wie viele aktuelle oder ehemalige Nati Spieler aus der GC-Jugend kommen. Ein bischen Respekt wäre auch mal was! Wo waren denn Basel, YB oder Zürich bevor sie von Investoren übernommen wurden? YB war damals nicht mal in der NLA! Also lieber vorher nachdenken bevor man solche Kommentare schreibt!

    • paul klatsche am 03.02.2011 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      gc, gc, da war doch was am see?!?

      ich sehe du kannst dich nur auf die erfolge von früher berufen. fakt ist, gc ist dem untergang geweiht wenn sie ihre arrogante art sich zu verkaufen nicht abstellen und die augen öffnen!!!

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  • Strasser am 03.02.2011 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Stadion Altenburg

    GC sollte doch das Stadion in Wettingen benützen. Das Altenburg-Stadion ist nämlich unmittelbar beim Bahnhof und Wettingen ist nur 20 Minuten von Zürich-Downtown entfernt!