Libysches Öl

28. Februar 2011 16:29; Akt: 21.03.2011 17:24 Print

Gaddafi verliert Kontrolle über schwarzes Gold

Die Mehrzahl der libyschen Öl- und Gasförderanlagen soll sich in der Hand der Aufständischen befinden. Eine Blockade der Öl-Exporte könnte deshalb die Falschen treffen.

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Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi hat offenbar die Kontrolle über die meisten Öl- und Gasfelder des Landes verloren. Laut EU-Energiekommissar Günther Oettinger soll sich die Mehrzahl der Felder in der Hand von provisorischen, regionalen Führungsgremien befinden.

Eine Blockade von Öl- und Gasexporten als Sanktion gegen das Regime könnte deshalb «auf eine Bestrafung der falschen Leute» hinauslaufen, fügte Oettinger am Montag am Rande eines Treffens der Energieminister in Brüssel hinzu.

EU muss keine Engpässe befürchten

Engpässe bei Öl und Gas muss die EU nach Oettinger Worten durch die Geschehnisse in Libyen nicht befürchten. Die Importe von dort seien «nicht unwesentlich», aber auch «nicht herausragend».

Zudem gebe es beim Öl bedeutende Vorräte in der EU. Auch seien andere Länder wie Russland und Saudi-Arabien gewillt, mögliche Engpässe auszugleichen, sagte Oettinger.

Ein Mitarbeiter des libyschen Unternehmens Agoco sagte am Montag, das Terminal in Tobruk «funktioniert zu 100 Prozent». Im Hafen werde ein Tanker mit einer Kapazität von einer Million Barrel beladen, der nach China aufbrechen sollte. Ein weiterer Tanker mit Ziel Italien solle in den kommenden Tagen folgen.

Saudi-Arabien will einspringen

Ausserdem laufe die Produktion auf mindestens zwei der wichtigen Ölfelder im Osten Libyens, Sarir und Misla, mit nur geringfügig reduzierter Kapazität weiter, sagte Agoco-Mitarbeiter Radschab Sahnun der Nachrichtenagentur AP. Ein weiterer Angestellter, Ali Faradsch, sagte, Agoco produziere rund 220.000 Barrel pro Tag.

Ein Minus von 5000 oder 6000 Barrel täglich sei kein wirklicher Rückgang, betonte Faradsch. Gerüchte über wesentlich grössere Einschränkungen bei der Produktion wies er als Propaganda zurück.

Saudi-Arabien und weitere OPEC-Mitglieder haben mehrfach erklärt, sie könnten einspringen und mögliche Exportausfälle Libyens kompensieren. Ein Krisentreffen sei trotz der Bedenken von Kunden wegen der Preissteigerungen nicht notwendig, erklärte die Organisation Erdöl exportierender Länder.

Preisanstieg bald zu Ende

Der starke Preisanstieg am Ölmarkt wird nach seinen Einschätzung bald ein Ende haben. Auf den Ölpreis wirke nicht nur die Lage in Libyen, sondern die Unruhe in der gesamten Region ein.

Der massive Preisanstieg hatte bereits Ende vergangener Woche nachgelassen. Grund war die Ankündigung von Saudi-Arabien, das seine Produktion ausweiten will, um den Ausfall libyschen Öls am Weltmarkt auszugleichen.

(sda/ap)