Raiffeisen

26. Juli 2018 18:05; Akt: 26.07.2018 18:37 Print

Gantenbein will doch nicht VR-Präsident werden

Im Juni wollte sich Pascal Gantenbein für das Amt des Verwaltungsratspräsidenten zur Verfügung stellen. Nun krebst er zurück.

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Pascal Gantenbein, Vizepräsident Raiffeisen, an einer Medienkonferenz anlässlich der Delegiertenversammlung in Lugano, am Samstag, 16. Juni 2018. Er wollte sich für das Amt des Verwaltungsratspräsidenten zur Verfügung stellen. Am 18. Juli wurde bekannt, dass Konzernchef Patrik Gisel wird sein Amt per Ende Jahr abgeben wird. Gegen Gisel, der das Amt des CEO seit 2015 innehat, spricht viel. Gisel ist seit 2000 bei der Raiffeisenbank und war jahrelang die Nummer zwei von Pierin Vincenz (Bild), der damals CEO war und dem nun Vorwürfe wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemacht werden. Sollte der ehemalige Vize-Chef von Vincenz' Machenschaften etwas gewusst und nichts gesagt haben, wäre das Grund genug, ihm nicht mehr zu vertrauen. Sonst stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass er über Jahre nichts davon gemerkt hat. Laut «Inside Paradeplatz» werden bereits zwei Kandidaten als Gisels potenzielle Nachfolger gehandelt: Raiffeisen-Finanzchef Christian Poerschke und Urs Gauch, der momentan das Departement Firmenkunden der Bank leitet. Vielen Beobachtern wäre es allerdings wohler, wenn der Neuanfang mit einem externen Kandidaten stattfände. Ausschlaggebend für die Wahl dürfte der VR-Präsident sein. Diesen Posten hat derzeit interimistisch Pascal Gantenbein (l.) inne, der aber Gisel bisher das Vertrauen aussprach. Es gibt Genossenschaftler, die sich offen gegen Gisel aussprechen: «Alle Verantwortlichen aus der Ära Vincenz müssen weg, auch der heutige CEO Gisel», zitiert etwa der «Blick» Marc Kaeslin, VR-Präsident der Raiffeisenbank Horw. Aus dem Untersuchungsbericht der Finma zur Vincenz-Affäre geht laut Medienberichten hervor, dass die Geschäftsleitung um Vincenz und Gisel ein sogenanntes Klumpenrisiko nicht erkannt habe. In seiner Kapazität als Informatikchef hat Gisel die IT-Plattform der Bank ersetzt – und sie funktioniert bis heute noch nicht richtig.

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Interims-Präsident Pascal Gantenbein zieht seine Kandidatur für das Veraltungsratspräsidium von Raiffeisen Schweiz zurück. Erst im Juni hatte er noch seinen Hut in den Ring geworfen. Seither sei aber eine Debatte entstanden, die seine Handlungsfreiheit eingeschränkt habe, begründete Gantenbein seinen Schritt.

«Für mich ist es wichtig, nun diese Handlungsfreiheit zurückzubekommen», sagte Gantenbein in einem Interview mit der SRF-Radiosendung «Echo der Zeit» vom Donnerstagabend. Er wolle den Erneuerungsprozess bei Raiffeisen unbelastet von Interessenskonflikten weiterverfolgen können. Sonst würden alle Veränderungen bei Raiffeisen immer im Lichte des Wahlkampfs gesehen. «Mein Ziel ist immer dasselbe geblieben: Für mich ist es wichtig, die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Erneuerung verfolgen zu können.»

Gantenbein bestritt, dass sein Rückzug die Folge eines verlorenen Machtkampfes sei. Zuletzt war in den Medien darüber spekuliert worden. «Was gesagt wird, ist das eine. Ich habe eine ganz andere Sicht», sagte er. Im Verwaltungsrat sei die Zusammenarbeit hervorragend. Auch von den Regionalverbänden habe er grosse Unterstützung bekommen.

Will Vizepräsident bleiben

Gantenbein will auf jeden Fall als Vizepräsident bei Raiffeisen bleiben und den neuen Präsidenten unterstützen. Über die Wahl des neuen Mannes an der Spitze des Raiffeisen-Aufsichtsgremiums entscheiden die Delegierten an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 10. November, wie Raiffeisen in einer Mitteilung schrieb.

Pascal Gantenbein habe in den vergangenen Monaten den Erneuerungsprozess im Verwaltungsrat mit grossen Schritten vorangetrieben und den Anstoss für die unabhängige Untersuchung zur «Ära Pierin Vincenz» gegeben, hiess es weiter. Auslöser dafür waren Ermittlungen gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Vincenz.

Ungetreue Geschäftsbesorgung

Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Vincenz wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Der Banker, der 17 Jahre an der Spitze von Raiffeisen war, soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert haben. Er sass deswegen während rund 15 Wochen in Untersuchungshaft. Vincenz bestreitet die Vorwürfe. In Folge der Affäre warf die Finanzmarktaufsicht Finma dem Raiffeisen-Verwaltungsrat in einem Untersuchungsbericht grobe Versäumnisse vor.

Das Köpferollen bei der Genossenschaft hat seither nicht mehr aufgehört. Letzte Woche gab auch Vincenz' Nachfolger und langjährige Nummer zwei, Patrik Gisel, seinen Rücktritt vom Chefposten per Ende Jahr bekannt.

(kat/sda)