Internet-Feuerwehr

02. Juli 2015 21:36; Akt: 02.07.2015 21:36 Print

Ganze Teams schützen Konzerne vor Shitstorms

von I. Strassheim - Erhält ein Gast bei McDonald’s einen Schimmel-Burger, weiss das per Facebook rasch die halbe Welt. Konzerne haben sich inzwischen gegen Shitstorms gewappnet.

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Am Ende hatte der Facebook-Eintrag über 25'000 Likes: Shitstorm gegen McDonald's.

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Beim Anblick des Burgers wurde ihm schlecht. Ein Brite sah noch kurz vor dem Reinbeissen bei McDonald’s den Schimmel zwischen den Sesamkörnern. Das Foto davon stellt er auf Facebook und es wird mehr als 25'000-mal geteilt. Damit übt der unzufriedene Kunde Druck auf den Konzern aus, um eine höhere Entschädigung zu erhalten. Er ist unzufrieden, dass er bloss den Burger ersetzt, den Kaufpreis zurückerstattet und Gutscheine im Wert von umgerechnet rund 20 Franken bekommt. Als dann selbst deutsche Medien den Fall aufgreifen, ist der Shitstorm gegen McDonald’s in dieser Woche perfekt.

«Ich bezweifle, dass es hier in der Schweiz zu einem ähnlichen Shitstorm gekommen wäre», sagt McDonald’s-Schweiz-Sprecherin Aglaë Strachwitz zu 20 Minuten. «In so einem Fall, hätten wir dem Gast einen Blick hinter die Kulissen bei uns gewährt und ihm unsere Hygiene-Vorschriften erklärt. Und ihn dann hinterher bei uns zum Essen eingeladen.» Vor allem aber geht es bei einem Shitstorm um Schnelligkeit. Ein Konzern muss reagieren, noch bevor im Netz eine Lawine ins Rollen kommt.

Löschen, bevor das Feuer ausbricht

«Bei einem drohenden Shitstorm reagieren wir in der Regel sehr schnell. Es geht dann darum, direkt mit einem unzufriedenen Gast in Kontakt zu kommen», sagt Strachwitz denn auch. Voraussetzung dafür ist, dass ein Unternehmen die sozialen Medien kontinuierlich überwacht. Und einen eigenen Verantwortlichen oder ein Team dafür hat, wie Internetbusiness-Experte Malte Polzin betont. Und da hat sich ihm zufolge viel getan: «Früher waren Firmen sehr unbeholfen, nun sind sie professionell geworden.»

Anfänglich löschten Firmen noch unliebsame Facebook-Posts – was den Shitstorm noch steigerte. Inzwischen ist es zwar möglich, Einträge zu tilgen, ohne dass der Nutzer und sein direkter Freundeskreis das merken. Aber Firmen versuchen lieber, mit ihren Kritikern auf den sozialen Medien rasch in den Dialog zu kommen und den Ärger zu bereinigen. «Unternehmen reagieren schneller und das ist das Entscheidende», sagt Polzin. Für sie gehe es darum, die sozialen Medien rund um die Uhr zu beobachten einen kleinen Brandherd zu löschen, bevor er zu einem Feuer ausartet.

Wenn andere Medien aufspringen, ist es zu spät

«Brenzlig wird es erst, wenn andere Kanäle oder Medien die Internetkommentare aufgreifen und darüber berichten», meint Polzin. Ein bisschen Kritik im Netz mache noch keinen Shitstorm aus. Dafür brauche es jemanden, der oder die die Anklage über längere Zeit im Netz immer wieder anheize, wie dies etwa die Umweltschutzorganisation Greenpeace in einer Kampagne gegen Nestlé getan hatte.

Der Brite, der den McDonald’s-Shitstorm ausgelöst hat, hat inzwischen per Tweet den Fall für sich abgeschlossen. Er habe die Gutscheine zurückgegeben und 100 Pfund an eine Stiftung für fettleibige Kinder gespendet, twitterte er Anfang der Woche.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marc am 02.07.2015 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    formulierung

    Inzwischen ist es zwar möglich, Einträge zu tilgen, ohne dass der Nutzer und sein direkter Freundeskreis das merken? macht euch mal gedanken zu diesem einen satz.

    einklappen einklappen
  • Mas sam am 02.07.2015 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ja ja

    Ist in der politik und medienwelt genau so:)

  • Greezer am 02.07.2015 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medien auch.

    Selbst auch die grossen Mefien machen so etwas.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dany S am 03.07.2015 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht nur um Geld...

    Es geht doch nur darum, viel Geld von den Firmen zu erpressen. Das gibt es nur in der USA. Hört doch endlich auf...

  • Kiyova am 03.07.2015 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hygienevorschriften in der Schweiz

    Ich wollte vor etwa 6 Jahren bei McDonalds einen Nebenjob zum Studium antreten. In der "Küche". Ich schaffte es bis zum Einarbeitungstag. Da fragte mich der Filialleiter, ob mein Tattoo am Arm abwaschbar sei. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es echt sei und somit nichts davon im Essen landen würde. Ich habe nichts mehr von McDonalds gehört danach, und als ich anrief um zu fragen was denn nun sei, hiess es, sie nehmen mich doch nicht. Also Leute, seid unbesorgt, nicht mal nicht vorhandene Tattoo-Partikel sollten hier im Essen landen!

  • Vincent am 03.07.2015 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht kritikfähig

    Über unsere Firma hat es einmal ein paar etwas böse, leicht überspitzte, ironisch und sarkastische 20Minuten Kommentare gegeben. Es gab dutzende Antwortkommentare, die einiges bestätigten. Unsere Chefin hat ihre "Macht" wieder einmal ausgespielt und die Kommentare entfernen lassen. Wenn man eben keine Kritik verträgt...

  • Dafür ist die am 03.07.2015 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensmittelkontrolle zuständig

    Wer solche Zustände in Zukunft nicht mehr haben will, sollte dies umgehend den zuständigen Behörden melden! Das Kantonale Laboratorium ist für die amtliche Lebensmittelkontrolle zuständig und überwacht, dass die Vorschriften im Lebensmittelgesetz (Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten vor gesundheitlichen Gefährdungen und Täuschungen, Sicherstellung des hygienischen Umgangs mit Lebensmitteln) eingehalten werden. Wer bei Lebensmittelbetrieben Mängel feststellt oder vermutet, ist eingeladen, uns dies mit den nötigen Angaben zu melden, damit eine amtliche Kontrolle durchgeführt werden kann.

    • W. Itzlos am 03.07.2015 09:45 Report Diesen Beitrag melden

      Amtliche Schweigepflicht

      Damit nachher amtlich über die Vergehen geschwiegen werden kann. Leider sind unsere Gesetze ein Witz und sind allenfalls als Täterschutz zu identifizieren. Fragen sie sich mal weshalb andere Quellen bevorzugt genutzt werden und keinem eine solche Anzeige (Meldung bei Behörde) in den Sinn kommt?

    • Spr. Achlos am 03.07.2015 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      Beide Methoden anwenden

      Man sollte es auf jeden Fall der Lebensmittelkontrolle melden, damit es einen offiziellen Charakter bekommt. Wenn die was feststellen, verhängen die eine Busse, die bei jedem neuen Befund erhöt wird. Und man kann es natürlich danach wenn man mag zusätzlich bei Facebook, Google+ usw. Posten. Richtig, wir alle haben ein Recht auf Information, sollte etwas mit den Lebensmitteln nicht in Ordnung sein!

    einklappen einklappen
  • hiob am 03.07.2015 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    burger zu trocken um zu schimmeln

    wow, der burger muss uralt sein. bei mcdonalds ist ja bekannt, dass die burger und pommes viel länger brauchen, bis sie anfangen zu schimmeln. aber wer dort hingeht, ist selber schuld.