Öko-Mobilität

04. Juli 2019 12:56; Akt: 04.07.2019 13:21 Print

Sind Gasautos wirklich sauberer als Benziner?

von Dominic Benz - Getränkehersteller Coca-Cola setzt in der Schweiz ab sofort auf Autos mit Gasbetrieb. Greenpeace hat daran keine Freude.

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Obwohl Elektroautos boomen, setzen einige Schweizer Firmen auf Fahrzeuge mit Erdgas- und Biogasantrieb. So etwa Coca-Cola Schweiz. Bis zum November will der Getränkehersteller seinen Mitarbeitern eine Flotte von insgesamt 180 Personenwagen mit Gasmotor zur Verfügung stellen. Das schreibt der Konzern in einer Mitteilung.

Mit dem Wechsel gibt sich Coca-Cola umweltbewusst. «Wir haben uns bewusst für diesen Umstieg auf Erdgas- und Biogasantrieb entschieden, um unseren CO2-Fussabdruck weiter zu senken», teilt eine Sprecherin 20 Minuten mit. Neben Coca-Cola hat auch Telecomanbieter Salt die Hälfte seiner Dieselfahrzeuge durch Gasautos ersetzt. Entsprechende Autos hat auch die Kantonspolizei Zürich im Einsatz.

Etwa gleich sauber wie ein Elektroauto

Christian Bach begrüsst den Einsatz von Gasautos, die mit CNG (Compressed Natural Gas) getankt werden: «Bereits ein nur mit Erdgas betriebenes Auto ist um rund ein Fünftel sauberer als ein Benzinauto», sagt der Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) zu 20 Minuten.

Die Ökobilanz verbessert sich, wenn Biogas beigemischt wird. In der Schweiz hat sich die Gasbranche dazu verpflichtet, dass der Gas-Treibstoff an den bisher rund 140 Gastankstellen einen Biogas-Anteil von 10 Prozent haben muss. Tatsächlich ist dieser noch höher und liegt derzeit bei rund einem Fünftel. «Damit hat ein Gasauto im Schnitt etwa die gleiche Ökobilanz wie ein Elektroauto, das mit europäischem Strom betrieben wird», sagt Bach. Er plädiert dafür, dass der Anteil weiter steigt.

Tiefere Kosten

Laut Bach eignen sich Gasautos aus ökologischer Sicht insbesondere für Autobahnfahrten. «Bei grossen Distanzen belastet ein nur mit Biogas betriebenes Auto die Umwelt um bis zur Hälfte weniger als ein Elektroauto mit grossen Batterien, das mit schweizerischem Strom betrieben wird», so der Experte. Bei Kurzstrecken etwa in der Stadt verhalte es sich aber genau umgekehrt. «Für Firmen wie Coca-Cola macht es daher Sinn, weite Distanzen mit Gasautos zu fahren», so Bach.

Letztlich ist ein Gasauto günstiger. Gemäss der Nationalen Koordinationsstelle für die CNG-Mobilität in Bern sind die Treibstoffkosten für ein Gasauto im Schweizer Schnitt rund ein Viertel Prozent tiefer als für ein vergleichbares Benzin- oder Dieselfahrzeug. Je nach Auto lassen sich so auf einer Strecke von 100 Kilometern einige Franken einsparen. Ist Coca-Cola nur wegen der günstigeren Kosten auf Gas umgestiegen? Der Konzern winkt ab. «Die gesamten Betriebskosten der Flotte bleiben in etwa gleich», so die Sprecherin.

Erdgas aus Russland

An einigen Schweizer Tankstellen können die Autos auch mit 100 Prozent Biogas getankt werden. Dann wird es allerdings etwas teurer. «100 Prozent Biogas kostet umgerechnet auf einen Liter Benzin 1.90 bis 2 Franken», sagt Bach. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Benzinpreis in diesem Jahr liegt laut Shell bei rund 1.63 Franken, Diesel kostet im Schnitt 1.77 Franken.

Das Erdgas an Schweizer Zapfsäulen stammt laut Bach vorwiegend aus Russland und Europa. Hingegen wird das Biogas ausschliesslich hierzulande aus Bio-Abfällen und Gülle hergestellt.

Keine Lösung für Greenpeace

Wenig Freude an Gasautos hat Greenpeace. Zwar seien solche Fahrzeuge eine etwas klimafreundlichere Alternative zu Benzin- oder Dieselmotoren. «Um aber unsere Klimakrise abzuwenden, müssen wir vollständig auf fossile Brennstoffe wie etwa Erdgas verzichten», sagt Greenpeace-Sprecherin Yvonne Anliker zu 20 Minuten.

Beim Treibstoff voll auf Biogas zu setzen, sei ebenfalls keine Option. Um den steigenden Bedarf an Biogas zu decken, müssten Energiepflanzen im grossen Stil angebaut werden, so Anliker. «Das wäre kaum mit einer ökologischen Landwirtschaft zu vereinen und würde die Lebensmittelproduktion konkurrenzieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Josef am 04.07.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Was möchte Greenpeace?

    Die Autos verbieten. Elektroautos sind im Moment nicht wirklich eine Alternative. Wohl eher dazu da, den Leuten die Lust am Autofahren zu vermiesen. Gibt es nur noch Elektroautos wird das Problem der Stromerzeugung, der Batterienherstellung und Entsorgung der Grund für das Verbieten dieser Fahrzeuge sein.

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  • Elias Wolters am 04.07.2019 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Greenpeace und sauber

    Die sollen erstmal vor der eigenen Tür kehren. Deren Schiffe laufen mit Schweröl!

  • C. Glatzer am 04.07.2019 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    vergesst Greenpeace

    Greenpeace hat nie Freude. Die würden lieber Cola zu Fuss ausliefern,natürlich ohne nachzutanken unterwegs. Nur unmögliche Forderungen und überall dreinsprechen und Einsprachen. Kein Sinn fürs Leben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Klima am 07.07.2019 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Besserwisser

    Es wiederholt sich immer wieder: Forscher zeigen Wege auf und dann kommen sogenannte "Experten" (Besserwisser) ohne Alternative und sagen, dass der Forscher nicht recht habe. Warum glauben wir nicht mal den Leuten, die echte Resultate erarbeiten (z.B. CO2-Reduktion durch Aufforstung, durch Biogasautos, durch Elektroautos, durch Hochtemperaturfuels und lassen die Besserwisser (Experten) weg?

  • Sch. N. Aebi-Ketscher am 07.07.2019 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht statistisch belegbar

    Nun...."die Treibstoffkosten für ein Gasauto (sind) rund ein Viertel Prozent tiefer". Das ist derart wenig, dass man es nicht beweisen kann. Zu gross ist der Unterschied im Streckenprofil, Fahrweise, Temperatur, Luftdruck, Gewicht des Fahrers, Tank voll oder fast leer, etc. etc. etc. Ein klassisches Nicht-Argument!

    • Chrigi S. am 09.07.2019 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht jedes geschriebene Wort glauben

      Wohl nicht an Schreibfehler des Autoren gedacht? Ziemlich sicher ist das Wort "Prozent" an der Stelle falsch, sonst wären Einsparungen im Bereich von "einigen Franken" auf 100km kaum realisierbar.

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  • RentABrain am 07.07.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Treibstoff-Industrie adé

    Würde ich in der Treibstoff-Industrie arbeiten, würde mittelfristig nach einem neuen Job suchen. Dasselbe gilt für die Unternehmen. Innovativ sein, neu ausrichten. Das Schlechtmachen von E-Autos mit Lügen, Halbwahrheiten und Ignoranz (Lobbys) hilft niemandem auf diesem Planeten weiter! Der Verbrenner stirbt, das weiss mittlerweile jeder, der die Wahrheit nicht verdrängt!

  • Sunpower am 07.07.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Mein neues E-Auto hat jetzt einen

    eingebauten Dieselgenerator, mit dem werden die Batterien laufend geladen!

    • Ruedi am 07.07.2019 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Wieso nicht? Da so kaum mehr Lastwechsel auf dem Dieselmotor stattfinden ist dieser nahezu wartungsfrei und steigert den Wirkungsgrad nochmals um ein paar Prozent. In Hybrid-Autos mit diesem System ist übrigens nur sehr wenig Lithium verbaut. Die Ökobilanz geht durchwegs besser auf als wenn der Diesel via Getriebe das Auto bewegt.

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  • Joe Pereda am 07.07.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Das richtige Gas

    Wasserstoff H2 ist absolut CO2 Neutral.

    • Sch. N. Aebi-Ketscher am 07.07.2019 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Joe Pereda

      Aufgrund der sehr verbreiteten Verwendung fossiler Energieträger zur Herstellung von Wasserstoff wird dabei genauso viel von dem Treibhausgas "Kohlenstoffdioxid" (CO2) freigesetzt wie bei deren Verbrennung. Über den Sinn lässt sich also trefflich debattieren....

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