Kein gutes Geschäft

15. Dezember 2008 13:33; Akt: 15.12.2008 15:50 Print

Gastgewerbe von Euro 08 ernüchtert

Das Schweizer Gastgewerbe zieht eine durchzogene Bilanz der Euro 2008. Auch wenn es Betriebe gab, die von der Fussball-Europameisterschaft profitierten, so wurde sie von einer Vielzahl von Betrieben als negativ empfunden.

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Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich wäre das Umsatzwachstum im Schweizer Gastgewerbe in den Monaten Mai bis August vermutlich ohne Euro 2008 höher ausgefallen als mit dem sportlichen Grossanlass. Die Umfrage wurde im September bei rund 620 Gastgewerbeunternehmen durchgeführt.

Im Beherbergungssektor scheint laut Studie eine zeitliche Verschiebung des Umsatzes von Juni in die anderen Frühlings- und Sommermonate stattgefunden zu haben.

Umsatzeinbruch im Gastgewerbe

Während in den Monaten Mai, Juli und August der Umsatz im Beherbergungssektor und in den Gaststätten jeweils um rund 10 Prozent wuchs, brach im Euro-Monat Juni der Umsatz in den Gaststätten regelrecht ein. In den Beherbergungsstätten gingen die Umsätze merklich zurück.

In ihrer Umfrage untersuchte die KOF auch die so genannte Umsatzprämie, die Differenz zwischen dem realisierten Umsatzwachstum und dem fiktiven Umsatzwachstum wie es ohne Euro 2008 erwartet worden wäre. Auch die Umsatzprämie ging in allen Tourismuszonen im Juni in den Gaststätten zurück.

In den Austragungssorten der Euro meldeten die Gaststätten lediglich eine Umsatzprämie von minus 4 Prozentpunkten. Die KOF erklärt dies damit, dass die einheimischen Fans die Übertragung der Spiele zu Hause vor dem Fernseher verfolgten und dabei relativ günstige Getränke und Speisen konsumierten.

Für die Beherbergungsstätten in den Austragungsorten dürfte die Euro allerdings ein grosser Erfolg gewesen sein (Umsatzprämien von 8 Prozentpunkten).

Die positiven Zahlen in den Monaten Mai, Juli und August deuten ausserdem darauf hin, dass Euro-Besucher ihren Aufenthalt verlängerten oder dass Touristen ihren Besuch auf die Monate vor oder nach der Euro verschoben, um dem Fussballtaumel zu entgehen.

Bescheidene Erwartungen

Auch die längerfristigen positiven Effekte sind stark vom Standort des Betriebes abhängig. Bei den Beherbergungsstätten variiert der Anteil der Betriebe, die längerfristig positive Effekte der Euro erwarten, zwischen knapp 20 Prozent (Bergzone) und 60 Prozent (grosse Städte).

Noch skeptischer sind die Gaststätten. In der Berg- und Seezone erwarten knapp 5 Prozent, respektive 20 Prozent positive langfristige Auswirkungen. In den grossen Städten und der übrigen Zone ist der Anteil mit etwa 30 Prozent auch vergleichsweise niedrig.

(sda)