Antibiotika

21. Dezember 2012 08:25; Akt: 21.12.2012 09:15 Print

Gegen die Gefahr aus der gesunden Kuh

von Hans Peter Arnold - Der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft ist für den Menschen höchst riskant. Jetzt macht der Konsumentenschutz Druck und will verdeckte Tests durchführen.

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Konventionell gemästete Kälber erhalten in der Schweiz durchschnittlich über 20 Tagesdosen Antibiotika verabreicht. (Bild: Keystone)

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Werden Masttiere mit Antibiotika behandelt, kann dies für den Menschen gefährlich werden, da sich resistente Keime bilden können. Trägt ein Mensch solche Keime in sich, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass im Notfall das vom Arzt verabreichte Antibiotikum nicht mehr wirkt. «Fälle von mit antibiotikaresistenten Keimen verseuchten Lebensmitteln haben in den vergangenen sieben Jahren massiv zugenommen», sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz.

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Das Problem: In der Landwirtschaft werden Antibiotika nicht nur für die Behandlung einer Krankheit häufig und in hohen Dosen verabreicht, sondern auch flächendeckend für die «vorbeugende» Behandlung insbesondere in der Geflügel- und Schweinemast angewendet.

Jedes Kalb erhält 20-mal Antibiotika

Konventionell gemästete Kälber erhalten in der Schweiz durchschnittlich über 20 Tagesdosen Antibiotika verabreicht, vorwiegend, um Erkrankungen des Atemapparates vorzubeugen oder diese zu behandeln, schreibt Vetsuisse, die veterinärmedizinische Fakultät der Universität Bern. Antibiotische Behandlungen könnten tatsächlich in der Veterinärmedizin (genauso wie in der Humanmedizin) zu antibiotikaresistenten Keimen führen. Professor Adrian Steiner: «Die Resistenzgene können zwischen Bakterien ausgetauscht werden, was dazu führen kann, dass Menschen zu Trägern von multiresistenten Keimen werden.» Dies führe in Extremsituationen dazu, dass die Anzahl wirksamer Antibiotika zur Behandlung einer Krankheit stark eingeschränkt ist.

Eine nationale Forschungsarbeit im Jahr 2011 über antibiotikaresistente Keime in Kotproben von Schlachtrindern und Schlachtschweinen hat bei 15 Prozent der Schweine- und 17 Prozent der Rinderproben (vorwiegend Kälber) antibiotikaresistente Bakterien nachgewiesen.

EU will den Absatz eindämmen

In der EU ist das Problem erkannt worden: Eine Kommission will das Problem zunehmender Resistenzbildungen gegen Antibiotika angehen und generell den Antibiotika-Einsatz eindämmen. In der Schweiz gab es zu diesem Thema Gespräche an einem runden Tisch mit Vertretern der Gesellschaft Schweizer Tierärzte (GST), des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) und des Bundesamts für Landwirtschaft.

Nun hat die Stiftung für Konsumentenschutz angekündigt, die Antibiotika-Resistenz zu thematisieren. «Wir wollen dabei ein Sprachrohr sein», sagte Stalder. Jetzt sollen die Fakten auf den Tisch. Deshalb würden Anfang 2013 in den Lebensmittelläden verdeckte Tests durchgeführt. Es sei illusorisch, Antibiotika per sofort zu verbieten; man müsse aber den Einsatz auf allen Ebenen, sowohl in der Humanmedizin wie in der Tiermedizin, umgehend reduzieren, sagte Stalder gegenüber der SRF-Sendung «Espresso».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudio am 21.12.2012 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    nice to know

    Besten Dank für den interessanten Bericht.. Der Fleischkonsum muss sowieso reduziert werden.. es gibt unterdessen genug Alternativen.

  • Janik Gygi am 22.12.2012 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erzählt doch mal alles!

    Also jetzt mal im ernst bedenken sie was passiert wenn 40 kälber aus 38 verschiedenen Ställen zusammenkommen..... Es kommen 38 verschiedene Bakterien und Krankheitserreger zusammen und irgend ein Kalb ist sicher nicht Immun gegen diese jenen Bakterien! Wollen sie das pro woche pro Betrieb 10 kälber daran verenden? Aber selbst wenn wir können nicht anders! Unsere lieben Konsumenten mit dem Drang immer weniger zu Bezahlen, kosten uns praktisch den Kopf! Im Ausland produziert mann in viel grösseren Mengen und somit viel billiger.....

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  • Ex Bäuerin am 21.12.2012 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Wunder 

    so sah ich selber wie ein Bauer das eben erst geborene Kalb der Mutter weg nahm und es in eine kleine Box legte. die Box stellte er anschliessend mit einem Mitarbeiter draussen vor dem Stall ab. dem Schnee ausgesetzt. eben den warmen Bauch der Mutter verlassen, nun mit wenig Stroh, alleine in einer Box im Schnee. das Kalb blieb einige Tage in der Box, ohne Unterschlupf. Nach ein paar Tagen hustete das Kalb zum Gott erbarmen. Nach der Antibiotikakur konnte es dann in den Stall zu den grösseren Kålber wechseln. Furchtbare Zustände. Und der TA sagt dazu nichts...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Janik Gygi am 22.12.2012 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erzählt doch mal alles!

    Also jetzt mal im ernst bedenken sie was passiert wenn 40 kälber aus 38 verschiedenen Ställen zusammenkommen..... Es kommen 38 verschiedene Bakterien und Krankheitserreger zusammen und irgend ein Kalb ist sicher nicht Immun gegen diese jenen Bakterien! Wollen sie das pro woche pro Betrieb 10 kälber daran verenden? Aber selbst wenn wir können nicht anders! Unsere lieben Konsumenten mit dem Drang immer weniger zu Bezahlen, kosten uns praktisch den Kopf! Im Ausland produziert mann in viel grösseren Mengen und somit viel billiger.....

    • Frank am 24.12.2012 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Es geht um den Menschen.

      Wieviele tote Kälber ist ein Menschenleben wert?

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  • Thomas am 21.12.2012 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH Arzt

    Die Swissmedic oder damals die Vorgängerinstitution hätte es vor Jahren in der Hand gehabt. Antibiotikas die in der Humanmedizin gebraucht werden in der Nutztiermedizin zu verbieten. Aber nein, jetzt schiebt man den Schwarzen Peter an die Ärzte und Tierärzte weiter, indem man ihnen vorwirft unsachgemäss Antibiotika einzusetzen. Das Problem der Resistenzübertragung kennt man schon lange (20 Jahre), aber Swissmedic reagiert immer noch nicht!

  • Christa Pardeller am 21.12.2012 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Tiere nicht mästen

    Tiere nicht züchten und auch nicht mästen. Tiere sind Lebewesen. Es gibt "nicht-tierische" Lebensmittel, die zudem auch viel gesünder sind.

  • Dani Bürge am 21.12.2012 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Erhalt der kleinen und mittleren Betrieb

    Ja das ist die Folge des immer Grösserwerdens der Betriebe . Ich denke dass alle Stimmberechtigten in der Schweiz die Möglichkeit hätten sich dagegen zu wehren! Nehmt noch mehr Gesetze an ,dann kommt es bestimmt noch schlimmer mit den Medikamenten (Tierseuchengesetz) die Pharmaindustrie hat ein grosses Intresse möglichst viele Medis zu verkaufen , die schlussendlich auf irgendwelche Art auf unserem Mittagstisch landen ! Darum fördert die natürliche Mutterkuhhaltung mit überschaubarer Grösse und minimalem Medikamenteneisatz !

  • Bäuerin am 21.12.2012 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ ex Bäuerin 

    das kann ja wohl nicht ihr ernst sein oder? Kälber Rinder und Kühe haben kein problem mit Kälte das sollten sie als ex Bäuerin wissen! die bösen Bauern immer....Kleinbetriebe zb 30 Kühe, haben hunderte von vorschriften, Kontrollen jedes Jahr mehr, mehr Platz für die Tiere, (unsere Tiere leben sehr gut mit viel Platz und Auslauf ) doch immer wieder sollte man umbauen das viel Geld kostet! !!soviel zu Kontrollen und Tierschutz kauft euer Fleisch beim Bauern und nicht im aldi! !!! immer gegen die Bauern doch alke wollen sie Fleisch Milch Butter käse usw

    • Zukünftige Mutterkuhbäuerin am 21.12.2012 12:09 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Probleme mit Kälte???

      Aber Hallo Bäuerin Ich glaube eher, dass Sie keine Ahnung haben. Oder nicht lesen können. Für noch feuchte Kälber, welche direkt in die Kälte kommen oder Zugluft haben, ist dies sehr wohl gefährlich und führt sehr oft zu Lungenentzündungen. Und wenn zusätzlich die Kolostralmilch nicht innerhalb von 24 h zugefüttert wird, kann das Kalb auch kaum eine Immunität aufbauen, was natürlich zu Krankheiten führt und wieder Antibiotikaeinsätze erfordert. Kühe, Rinder und Kälber ertragen am besten eine Temperatur zwischen 15 und 18°C...Minustemperaturen sind kein Problem, sofern die Tiere trocken sind!!

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