US-Steuerstreit

05. Mai 2014 18:19; Akt: 05.05.2014 20:17 Print

Geheimplan von Rohner soll die CS retten

von Yves Hollenstein - CS-Präsident Urs Rohner hat eine Tochterbank gegründet. Diese könnte der CS helfen, den Kopf aus der Schlinge der US-Justiz zu ziehen. Ein Bankenprofessor findet das legitim.

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Steht wegen dem Steuerstreit mit den USA stark unter Druck: Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Grossbank Credit Suisse. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Die Credit Suisse steht in den USA am Pranger. Laut US-Medienberichten droht der Grossbank ein Strafanzeige wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung (20 Minuten berichtete). Im schlimmsten Fall könnte der CS die Banklizenz in den USA entzogen werden.

Dank einem Schachzug des Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner, Ex-Chefjurist der Bank, könnte die CS aber mit einem blauen Auge davon kommen. Im letzten Dezember gründete die Credit Suisse mit der CS International Advisors AG eine Tochterbank. Gemäss dem Finanzportal Inside Paradeplatz soll diese Bank nun dem US-Steuerstreit geopfert werden.

Hohe Busse und USA-Verbot

Laut dem Bericht habe Rohner angeordnet, alle geschlossenen und zu schliessenden US-Konti auf diesen separaten Geschäftszweig zu transferieren. Dazu hätte der CS-Präsident eine Reihe von Kaderleuten zusammengeschart, welche die neue Bank führen sollen. Statt der CS könnten die US-Justizbehörden nun diese Tochterbank anklagen. Zudem könnte die CS mit diesem Konstrukt auch der Forderung nach einem Schuldeingeständnis gerecht werden.

Negativ ins Gewicht fallen würde einzig eine allfällige hohe Busse – in verschiedenen Medien ist von bis zu zwei Milliarden die Rede. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen den Führungskräften der neuen Bank ebenfalls Bussen und ein lebenslanges USA-Verbot. Eine hohe Geldprämie dürfte sie aber dafür entschädigen, schreibt Inside Paradeplatz.

CS-Sprecher Marc Dosch bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass die CS International Advisors AG letzten Dezember gegründet und in den Medien bereits im März darüber berichtet wurde. Dass man den nicht-strategischen Kundenbereich in die neue Bank auslagere, habe juristische Gründe, so Dosch. Zur Frage, ob die neue Tochterbank ein Instrument im Steuerstreit sei, wollte er sich nicht äussern.

Lösung dürfte «nicht ganz günstig» werden

Der Wirtschaftsprofessor Maurice Pedergnana erachtet die Bildung eines solchen Konstrukts als legitim. «Von einer Bank wie der Credit Suisse wird eine solche Struktur erwartet. So dass auch einzelne Bereiche wegfallen können, die Bank als solches aber überleben wird.» Sollte etwas schiefgehen, würde also die neue Tochterbank dafür geradestehen und nicht das Mutterhaus. Aus diesem Gesichtspunkt mache die neue CS-Tochterbank durchaus Sinn, so Pedergnana.

Zudem haben auch schon viele andere Finanzinstitute wie die UBS oder die Schweizerische Nationalbank faule Kredite in eine separate Bank verlegt. Im Allgemeinen glaubt der Wirtschaftsprofessor, dass sich die CS «nicht ganz günstig» aus der Affäre ziehen kann: «Ich tendiere zu einer aussgerichtlichen Einigung mit einem Schuldbekenntnis seitens der Credit Suisse.» Das Wichtigste sei aber, dass die Schweizer CS-Kunden durch die Schaffung dieses Konstrukts nicht tangiert würden.

Trotz des möglicherweise klugen Schachzugs droht CS-Präsident Rohner am Freitag aber eine unangenehme Generalversammlung. Laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» fordert der amerikanische Aktionärsberater Glass Lewis die Investoren dazu auf, Rohner nicht im Amt zu bestätigen.

Der Präsident sei dafür verantwortlich, dass die Verwaltungsräte der CS deutlich mehr verdienten als jene anderer Banken, heisst es bei der Beratungsfirma, bei der auch einige der grössten CS-Aktionäre Kunden sein dürften.

Investoren kaum verunsichert

Am Montag reagierte die CS-Aktie auch erstmals auf die Verunsicherung im US-Steuerstreit. Kurz nach Handelseröffnung tauchte der Kurs um über drei Prozent. Dies könnte aber auch mit der allgemein schlechten Börsenstimmung am Montag zusammenhängen.

Dass sich die CS-Valoren so stabil halten, ist für Pedergnana ein Zeichen dafür, dass sich die Investoren keine grossen Sorgen über den Ausgang des Streits der CS mit den US-Justizbehörden machen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pierre Lang am 05.05.2014 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plan von Rohner?

    Bisher nur offensichtlich, dass Rohner in den letzten Jahren keinen (brauchbaren) Plan hatte. Banklizenz in USA weg? Wäre das beste was der CS passieren könnte. Dort hat die CS unter dem Strich noch keine einzigen Dollar verdient. 1 Dollar Gewinn = 2 Dollar Bonus plus 3 Dollar Busse. Bezahlt wurde das immer aus den CH Gewinnen. Meine Forderung als Aktionär: Rohner weg und Dougan (und alle Amis) weg - sofort.

  • Belinda Kupsch am 05.05.2014 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair

    Ich finde es eigenartig, dass nur Schweizerbanken so gehandelt haben und der Rest auf dieser Welt ist sündenfrei und schön brav gewesen. Die Amis haben den Fokus auf die Schweiz gerichtet und bekämpfen uns bis zum Schluss. Sie haben es in den 90er Jahren angedeutet!

    einklappen einklappen
  • Bischi am 05.05.2014 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bezahlt die Zeche?

    Am Schluss zahlen wieder die Anleger und Herr Rohner kassiert einen fetten Boni weil nichs schlimmeres passiert ist. Viel Spass heute schon am Zurich Filmfestival beim Cüpli Trinken und Models anschauen.............

Die neusten Leser-Kommentare

  • Doris Knuchel am 06.05.2014 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen

    Der verstorbene Bundesrat Herr Delamuraz war der einzige, der erkannt hat, was die Amis beabsichtigen. Zu bedenken ist, dass zu dieser Zeit die Steuerhinterziehungen noch nicht bekannt waren. Also hatten die Absichten der Geldamis andere Gründe!!!!!!

  • Maja vom Berg am 06.05.2014 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    CS wird schon wieder angeklagt?

    Irre ich mich oder diese Anklagen seitens der USA gegen eine CH - Bank nicht bereits 5te oder mehr? Wie viele Millionen wenn nicht Milliarden wurden der USA schon von CH - Banken im "Steuerstreit" schon bezahlt? Ich kann das langsam nicht mehr hören. Weshalb setzt man sich nicht ein für alle Mal zusammen, sieht was auf dem Tisch liegt, bewertet den Mist, bezahlt wenn es was zu bezahlen gibt und danach ist Schluss?

  • M. Beyeler am 06.05.2014 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    einmal mehr...

    Genau! Und sich damit einmal mehr mit zur Zeit noch legalen Mitteln aus der Affäre ziehen. Ich verstehe immer noch nicht, wie abgebrüht man sein muss, um an der Spitze einer Grossbank zu stehen.

  • Ozzi Rom am 06.05.2014 03:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Augenwischerei und Luegen

    Es waere an der Zeit zu fragen was mit den Banken auf den Cayman Inseln, Bahamas, Delaware, Seychelles Channel Islands sowie Hongkong und Singapore passsieren wird? NICHTS! UBS und CS haben in Singapore eine ueberdimensionierte Taetigkeiten welche heute weltweit alles abdeckt bis in die frueheren europaeischen Ostblock Staaten. Man macht froehlich weiter, straft die Kleinanlger und Sparer und erhoeht die Gebuehren. Als Naechste werden die Franzosen und die Italiener und Andere die USA imitieren. Zu glauben dass mit dem USA Streit alles i.O. sein wird sind naive Spekulationen!

  • Pierre Lang am 05.05.2014 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plan von Rohner?

    Bisher nur offensichtlich, dass Rohner in den letzten Jahren keinen (brauchbaren) Plan hatte. Banklizenz in USA weg? Wäre das beste was der CS passieren könnte. Dort hat die CS unter dem Strich noch keine einzigen Dollar verdient. 1 Dollar Gewinn = 2 Dollar Bonus plus 3 Dollar Busse. Bezahlt wurde das immer aus den CH Gewinnen. Meine Forderung als Aktionär: Rohner weg und Dougan (und alle Amis) weg - sofort.