Schlechte Stimmung

10. Mai 2011 11:41; Akt: 10.05.2011 11:52 Print

Geld bleibt wohl weiterhin billig

von Balz Bruppacher - Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nationalbank im Juni die Zinsen erhöht, ist weiter gesunken. Zum starken Franken kommen nun zögerliche Konsumenten.

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SNB-Chef Philipp Hildebrand wird den Zins wohl auch im Juni nicht erhöhen. (Bild: Keystone)

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Anfang April schien alles klar: Nach der ersten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Beginn der Finanzkrise gingen die meisten Ökonomen davon aus, dass auch für die Schweizerische Nationalbank (SNB) der Moment für den Ausstieg aus der Nullzinspolitik gekommen ist. Spätestens am 16. Juni bei der vierteljährlichen Lagebeurteilung – so die verbreitete Meinung – werde die Nationalbank den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt erhöhen.

Inzwischen zeigen die Vorzeichen wieder in die andere Richtung. Und zwar vor allem aus vier Gründen: Erstens führte die Zinserhöhung der EZB nicht zur erhofften Abschwächung des Frankenkurses. Im Gegenteil: Die ungelöste Staatsschuldenkrise und vorsichtige Äusserungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bezüglich weiterer Zinserhöhungen liessen den Euro-Kurs weiter fallen. Anfang dieser Woche fiel die Einheitswährung erstmals seit dem Rekordtief von Ende 2010 wieder unter die Marke von 1,25 Franken. Zudem verbilligte sich der Dollar auf weniger als 90 Rappen.

Angst vor Produktionsverlagerungen

Zweitens hinterlässt der starke Franken nun noch deutlichere Spuren bei den Exporten. SNB-Präsident Philipp Hildebrand selber verwies Ende April auf die schrumpfenden Margen der Exporteure. Er erwähnte auch Hinweise, wonach vermehrt Produktionsverlagerungen ins Ausland erwogen werden. «Diese Anzeichen mahnen zur Vorsicht: Möglicherweise könnte die erfolgte deutliche Aufwertung des Frankens die Wirtschaft doch stärker in Bedrängnis setzen, als die bisher ersichtlichen Daten vermuten lassen», sagte der oberste Währungshüter.

Heute Dienstag kamen nun zwei weitere Faktoren hinzu, die gegen eine Zinserhöhung der Nationalbank im Juni sprechen. Zum einen erlitt der Index der Konsumentenstimmung einen deutlichen Rückschlag, von plus zehn Punkten im Januar auf minus einen Punkt im April. Zum anderen sank die Jahresteuerungsrate von 1,0 Prozent im März auf 0,3 Prozent im April.

Konsumenten sehen Sparmöglichkeiten schwinden

Überraschend ist vor allem die Verschlechterung der Konsumentenstimmung. Die Bankökonomen hatten mit einer stabilen oder bloss leicht rückläufigen Entwicklung gerechnet. In der vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) vierteljährlich durchgeführten Umfrage bei 1100 Haushalten wurde vor allem die Möglichkeit, in den kommenden 12 Monaten zu sparen, deutlich schlechter eingestuft als im Januar. Dieser Teilindex sackte von plus 30 auf minus neun Punkte ab.

SECO-Ökonom Bruno Parnisari glaubt nicht, dass ein einzelnes Ereignis wie zum Beispiel die Atomkatastrophe in Japan den Ausschlag für den Stimmungsumschwung gab. Vielmehr seien mehrere Faktoren unterschwellig schon seit längerem vorhanden gewesen. «Sie haben sich aufsummiert hätten und sind nun zum Tragen gekommen», sagte der Ökonom. Dazu gehöre die Erwartung einer steigenden Teuerung und höherer Zinsen. Dies wiederum könnte erklären, dass Hauseigentümer ihre Sparmöglichkeiten schlechter einstuften, weil sie höhere Hypothekarkreditkosten befürchteten.

Parnisari räumte ein, dass es sich bei den Erklärungen nur um Hypothesen handle. Ungewiss ist gemäss dem Ökonomen auch, wie weit dem erst Ende 2009 revidierten Index der Konsumentenstimmung nun vorauslaufende Eigenschaften zukommen. Es lässt sich also mit anderen Worten nicht voraussagen, ob die Verschlechterung auch einen Rückgang der Konsumausgaben zur Folge haben wird. Der private Konsum trägt als mit Abstand wichtigste Komponente rund 60 Prozent zum Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. Trotz der unerwarteten Abschwächung bei der Konsumentenstimmung gehen die Ökonomen der Credit Suisse (CS) nach wie vor von einer Zunahme des privaten Konsums von 1,7 Prozent aus.

Teuerung unbedeutend

CS-Ökonom Fabian Heller schliesst aber eine Zinserhöhung der Nationalbank im Juni praktisch aus. Der deutliche Rückgang der Teuerung im April verringert den Druck auf die Nationalbank, die Geldpolitik rasch zu straffen. Die Kerninflation, die Änderungen bei Energie- und Nahrungsmittelpreisen ausklammert, sank auf Jahresbasis sogar leicht ins Minus. Wie rasch die Nationalbank den mittelfristig unumgänglichen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes vollzieht, hängt nach Überzeugung vieler Beobachter vom Wechselkurs ab. Eine deutliche Abschwächung des Frankenkurses würde eine Zinserhöhung erleichtern.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jugo am 10.05.2011 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Geldbeutel

    Ein Grossteil der CH-Bevölkerung lebt in Städten. Die Mieten sind derart hoch angestiegen, dass weniger geld den Leuten zur verfüngung steht...mE einer dwer Gründe.

  • Stefan am 10.05.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Teuerung ohne Krankenassenprämien

    Ich zahle für meine 4-Köpfige Familie knapp 1000 sfr Krankenkassenprämie pro Monat. Tendenz steigend... wie soll man da noch grossartig Sparen können?

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  • Dienstag am 10.05.2011 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    schon gemerkt...

    Die Wirtschaft brummt dank den tiefen Zinsen und nicht wegen der Personenfreizügigkeit!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jamc am 10.05.2011 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    USD ?

    So zur info, der USD ist seit den 12.04 permanent unter 0,90 CHF ...

  • Patrick Ryf am 10.05.2011 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sauerstoff für die Zombie-Banken

    Der Kollaps des Finanz-Schneeball-System kann nicht mehr aufgehalten werden. Ohne die tiefen Zinsen würden die Zombie-Banken sofort untergehen. Der Kollaps wird jetzt nur noch zur effizienten Ausplünderung der Bürger hinausgezögert. Danach dürfen wir mal wieder als Kanonen-Futter im nächsten grossen Krieg herhalten. Dann steht einem Reset des Finanz-Schneeball-Systems ,dass unsere Peiniger dann beim nächsten Schneeball-system mit noch mehr Macht ausstattet, nichts mehr im Weg. Dank Propaganda werden wir sie als unsere Retter sehen und ihnen noch artig zu jubeln.

    • R. Graf am 11.05.2011 08:30 Report Diesen Beitrag melden

      Staat oder Privatwirtschaft

      Ich verstehe, dass viele das Problem nicht nachvollziehen können, welches nicht von den Banken verursacht wurde sondern vielmehr vom Staat resp. der Politik, welche eine solch hohe Verschuldung zulässt. Die künstlich tiefgehaltenen Zinsen bewirken, dass der Staat seine immensen Schulden noch bedienen kann. Griechenland ist ein Beispiel für Alle. Oder waren dort etwa auch die Banken schuld ? Dass die Privatwirschft heute besser dasteht als der eigene Staat ist nicht ungefähr. In den Schuldnerstaaten hat einfach die Politik versagt und nicht die Privatwirtschaft

    • censiliaventeminuti am 11.05.2011 10:27 Report Diesen Beitrag melden

      @R Graf

      Griechenland erreichte die Beitrittsziele nur dank der fundierten Unterstützung von Goldmann Sachs! Da wurden Schulden mit interessanten Finanzvehikeln zu Guthaben umdeklariert! Also sind mindestens im Fall Griechenland sind die Banken (oder zumindest eine) mitschuldig! Übrigens ist der aktuelle Zustand des Finanzsystems völlig normal für Fiat money. Wenn "Geld" aus der Luft geschöpft und Zinsen darauf verlangt werden, kann der Staat diese gar nie tilgen!

    • Patrick Ryf am 11.05.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht Schwarz oder Weiss

      R. Graf@ In Griechenland hat Goldman Sach aktiv mitgeholfen die Bücher zu friesieren. Selbst Heiner Geissler hat gestern öffentlich gesagt, dass im Westen die Banker die Macht haben und nicht die demokratisch gewählten Regierungen. Die Intl. Zentral- und Gross-Banken (nicht alle Banken und Bänker) und die angehängten Grosskonzerne mit ihren bezahlten Politik-Marionetten (nicht alle Politiker)sind ein und dasselbe. Gemäss Mussolini nennt man diese Fusion Faschismus.

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  • Anti-Spekulant am 10.05.2011 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Banken happy

    Die Banken wird's freuen. Kohle zu tiefen Zinsen aufnehmen und zu bald 25% nach Griechenland weiterverleihen. Wenns dann wieder "klöpft" ist das halb so schlimm. Der Steuerzahler kann ja dann dafür gerade Stehen. Gewinne privatisieren und Verluste verstaatlichen. So läuft das.

    • Tom Dubach am 10.05.2011 23:20 Report Diesen Beitrag melden

      Die meisten Banken hätten lieber

      bisschen höhere Zinsen. Da können sie nämlich mehr Marge rausnehmen. Welche Bank verleiht GR Geld für 25 %?!

    • und peinlich am 11.05.2011 10:57 Report Diesen Beitrag melden

      Traurig traurig

      Banken sind doch an allem Schuld - es ist ja immer so einfach alles als schlecht zu bezeichnen - aber eine Lösung oder Verbesserung hört man nie. Dazu muss man ja auch leider sagen, dass es meistens diejenigen sind, die sich meckern, die keine Ahnung vom System haben, aber unbedingt als besser-wisser dastehen wollen - traurig traurig.

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  • Dienstag am 10.05.2011 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    schon gemerkt...

    Die Wirtschaft brummt dank den tiefen Zinsen und nicht wegen der Personenfreizügigkeit!

    • dixi am 11.05.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      ja genau

      und was war denn der Motor vor der Krise? Sie haben wohl gar keine Ahnung oder?!

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  • Supermario am 10.05.2011 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Inflation ist nicht gleich Inflation

    "Kerninflation" ist für OttoNormalverbraucher eben nicht ganz das gleich wie für die doktorierten Oekonomen der Natibank. Nach Mieten und KGV begehren nun auch noch die OeV-Genossen nach mehr Geld. All dies trifft die Inflation kaum, weil - wie schon vorgängig bemerkt - nicht adäquat im Warenkorb vertreten. Allerdings richten sich die Löhne nach wie vor auf diesen Basket aus. Nimmt mich Wunder wie lange das die Bürger noch so hinnehmen!

    • Mops am 11.05.2011 09:14 Report Diesen Beitrag melden

      Teufelskreis

      Höhere Löhne werden über höhere Preise finanziert, was wiederum die Inflation steigert.

    • dummdummgeschoss am 11.05.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Mops

      Falsch! Höhere Löhne werden durch WACHSTUM finanziert, was eine Nachfragesteigerung zur Folge hat und somit steigen die Preise! Solange die Löhne und die "Preise" linear ansteigen, gibt es trotz Geldmengenwachstum KEINE Inflation! Wenn in Zeiten einer Stagnation die Geldmenge durch tiefe Zinsen künstlich aufgeblasen wird, führt dies zur Inflation. In dieser Kombination auch Stagflationskriese genannt! Inflation ist für Staaten ganz gut. Sie stellt eine kalte Enteignung der Bürger dar, die von denen nicht mal erkannt wird.

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