Tschüss Wall Street

11. Juli 2014 21:01; Akt: 11.07.2014 22:37 Print

Genervte Banker tauschen Anzug gegen Kochschürze

von Arno Meili - Immer mehr Banker haben die Nase voll von ihrem Job und starten eine zweite Karriere im Gastrobereich. Jüngstes Beispiel: Ein BNP-Top-Banker, der jetzt in New York Crêpes verkauft.

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In den nächsten Wochen eröffnet in Manhattan der Laden Crêpes & Delices, der seinen Kunden hausgemachte, frische und leckere Crêpes verspricht. Ein Geschäft mit Spezialitäten an der Upper West Side – auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Das Besondere am Laden ist sein Besitzer Florent Cohen. Der Derivatehändler verlässt seinen gut bezahlten Job bei der französischen Grossbank BNP Paribas nach acht Jahren, um seinen Kunden den «französischen Geschmack» näherzubringen.

«Ich war nicht mehr so begeistert davon, in der Finanzwelt zu arbeiten», sagt er zur Nachrichtenagentur Bloomberg. Zwar habe er keine Ausbildung im Gastronomiebereich gemacht, dafür habe er aber ein zweiwöchiges Training in Frankreich absolviert, um zu lernen, wie man Crêpes macht.

Zwei Aussteiger innerhalb eines Monats

Cohen ist nicht der erste Banker, der innerhalb eines Monats den Anzug gegen die Kochschürze tauscht. Jeremie Banet, ehemaliger Vermögensverwalter bei der Investmentgesellschaft Pimco, kündigte seinen Job, um in Los Angeles in einem Imbisswagen französische Schinken-Käse-Sandwiches zu verkaufen.

Ein hierzulande berühmter Aussteiger aus der Finanzwelt ist der Deutsche Rudolf Wötzel, der in Klosters die Berghütte Gemsli betreibt. Der ehemalige Top-Banker hat sogar schon Bücher über seine Sinnkrise als Banker geschrieben hat und berät andere Manager mit denselben Problemen. Bevor er seinen Job hinschmiss, arbeitete er als Spezialist für Fusionen und Übernahmen bei der UBS, der Deutschen Bank und bei Lehman Brothers. Dabei war er unter anderem am Verkauf der Swiss an die Lufthansa beteiligt.

Weitere Beispiele von Bankern, die Computer gegen Kochlöffel getauscht haben, finden Sie oben in der Bildstrecke.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • spassbremse am 11.07.2014 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    volles Konto

    Mit den fetten Boni auf meinem Konto würd ich auch nach ein paar Jährchen meinen Job an den Nagel hängen und das machen was mir Spass macht. Ist ja nicht wirklich etwas ausergewönliches.

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  • Roman Bieri am 11.07.2014 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach

    Ja, wenn man dann mal die Millionen auf der Seite hat, vorzugsweise anderen Leuten abgeknöpft, lässt es sich relaxter leben mit einem Restaurant, oder als Crepesverkäufer.

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  • Yves am 11.07.2014 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht haben sie!

    Es werden noch viel mehr folgen! Auf einer (Gross)Bank arbeitet man heute maximal noch, weil man keine Erfahrung in anderen Branchen hat. Spass macht's für die meisten Angestellten schon lange nicht mehr, für viele ist's nur noch die Hölle. Die Aerzte und Psychiater haben Hochkonjunktur wegen Bankangestellten. Meistens wegen den ehrlichen, fleissigen kleinen Fischen, die heute mehr denn je für die Topmanager hinhalten müssen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jasmin am 13.07.2014 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt ohne Erfolg endlich keine Boni

    Als Würschtli- oder Crêpe-Verkäufer ihres mit praktisch gestohlenem Geld finanzierten Unternehmens tragen sie wenigstens endlich Eigenverantwortung, und es wird ihnen nicht möglich sein, auch bei Misserfolg Boni zu kassieren.

  • Tomy am 12.07.2014 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer nichts wird wird Wirt

    Ist ihm das nicht gelungen macht er mit Versicherungen. Hier mal den umgekehrten Weg.

  • bkv am 12.07.2014 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bänkervater

    Habe selber einen Bankervater und ich finde den Artikel witzig, weil mein Vater auch überlegt einen Gastrobetrieb aufzumachen. Nicht alle Banker sind schlecht!

    • moja am 12.07.2014 21:49 Report Diesen Beitrag melden

      aber...

      nicht alle banker eignen sich als gastronomen! einen eigenen betrieb erfolgreich führen bedingt erfahrung, know-how und leidenschaft. ausserdem ist es ein knochenjob, der kaum raum lässt für familie, freunde und spontane unternehmungen. ich verstehe nicht, warum jeder glaubt, dies sei ein einfacher und erst noch lukrativer job!

    • Daniel B. am 13.07.2014 10:38 Report Diesen Beitrag melden

      @moja

      Das ist doch nur ein momentanter Hype ums Kochen. Schon mal bemerkt wieviele Kochsendungen es gibt? Jeder glaubt doch der zweite Jamie Oliver zu sein und die wenigsten wissen, wie hart es es ein eigenes Restaurant erfolgreich zu führen.

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  • joachim am 12.07.2014 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verständnis

    kann ich schon verstehen, wenn man das leben lang nichts reales produziert und immer nur geld verschoben hat, muss einem würstchenverkäufer als grossen dienst an der menschheit und der welt vorkommen...da hat man dann tatsächlich auch ein wenig verantwortung), kriegt aber keinen bonus dafür...

  • Anja Trommer am 12.07.2014 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Berufs-Wechsel

    Wenn die uns als Beizer oder Imbiss-Buden-Besitzer so abzocken, wie sie es sich aus ihrem früheren Beruf gewohnt sind, möchte ich da nicht essen gehen.

    • sandro am 12.07.2014 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      was für abzocke?

      ich behaupte, dass du noch nie von einem banker abgezockt wurdest oder hast du ein persöbliches beispiel??

    • Rechnen und schauen am 12.07.2014 15:01 Report Diesen Beitrag melden

      Klar doch

      schau einmal die Zinsen auf Deinem Konto an. Dann schaust Du wie viele Spesen Du bezahlst das Du Dein Geld ihnen (Banken) geben darfst damit sie es für sich vermehren können. Wenn Du einen Kredit willst oder das Konto überziehst wie hoch sind dann die Zinsen und Spesen? So hohe Zinsen wie Du auf Dein Konto bekommst? Also Sandro erst einmal schauen, dann denken und abwägen. Einer macht nicht viel aus aber viele geben sehr viel Geld.

    • Anja Trommer am 12.07.2014 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      @ sandro

      Sandro, behaupten kannst du vieles. Natürlich kommt kein Banker daher und zockt dich persönlich ab. Das besorgen die ehrenwerten Bankinstitute als solche bestens. Angefangen schon bei Kleinigkeiten, wie fast halbjährlich steigende, dem Kunden verrechnete Bankspesen; sehr oft für dubiose, rein fiktive "Leistungen". Die ganz grosse Abzocke erfolgt über die Boni der Manager, welche völlig ungerechtfertigt astronomische Summen einsacken, die kein Mensch wirklich "verdienen" kann. Geld, das wir Bankkunden aufbringen müssen. Wer das nicht sieht / nicht sehen will, ist blind, oder selbst Banker.

    • Andre Holler am 12.07.2014 16:34 Report Diesen Beitrag melden

      Das Haus gehört der Bank

      Doch er hat mir eine laufzeit von 110 jahre aufgebrummt und ich wollte doch nur einen Kredit für unser kleines Häuschen . jetzt hat es die Bank!

    • Elisabeth am 13.07.2014 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      @ Sandro

      zB wertlose, aufgepauschte Anlage"übersichten", aber für die Steuererklärungen nützliche Zusammenfassungen bei den meisten Banken erst bei sehr grossen Vermögen.

    • Anna am 13.07.2014 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unglaublich

      @Rechnen und schauen: Hohe Spesen und Zinsen wenn man sein Konto überzieht oder einen Kredit will? Klar, ist auch gut so. Wieso schon sollte man sein Konto überziehen? Geld ausgeben, welches man nicht hat, gratuliere. Wenn du einen Kredit willst, gibt dir die Bank Geld, du beziehst eine Dienstleistung, logisch bezahlst du dafür. Manche Menschen sind einfach unglaublich, alles wollen aber keinen Rappen bezahlen. Aber wehe einer der hart arbeitet verdient mehr, dann ist er sofort böse und ein Abzocker. Du wärst genauso ein Abzocker wenn du für diese Dinge nichts bezahlen willst.

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