Raiffeisenbank

23. August 2013 20:20; Akt: 23.08.2013 20:20 Print

Genossenschafter müssen Risiko nicht mehr decken

von Lukas Hässig - Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz fährt mit seiner Raiffeisen einen riskanten Kurs. Für allfälliges Scheitern standen bisher über 1,8 Millionen Genossenschafter gerade. Nun wird deren Nachschusspflicht gestrichen.

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Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz muss sich den Spielregeln der übrigen Banken anpassen. (Bild: Keystone)

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Die Schweizer Raiffeisen-Gruppe ist ein spezielles Konstrukt. Die Zentrale in St. Gallen mit deren bekanntem Chef Pierin Vincenz ist formell eine Tochter der über 300 Raiffeisenbanken im Land. Wie eine Pyramide, die auf dem Kopf steht, ist die Spitze des Verbunds unten und die Masse oben – ähnlich wie beispielsweise bei der Migros.

Aus dem Setup folgt eine weitere Eigenart. Ganz oben auf der umgekehrten Pyramide sitzen die Besitzer der vielen Raiffeisenbanken. Es sind dies die Genossenschafter. Sie halten Anteilsscheine in den Händen und stellen auf diese Weise der dritten Kraft von Swiss Banking das nötige Eigenkapital zur Verfügung. Mit dem Geld können Vincenz und seine Mitarbeiter draussen in den Dörfern und Städten Hypotheken vergeben und KMU-Kredite sprechen.

Migros Bank ist besser kapitalisiert

Insgesamt hat Raiffeisen 1,8 Millionen Genossenschafter. Diese zahlten im Schnitt 5'500 Franken ein. Damit kamen eigene Mittel von rund 10 Milliarden zusammen. Für eine Bank von der Grösse der Raiffeisen ist das soweit gut. In Relation zur Bilanzsumme, also dem Total aller Anlagen und Verpflichtungen, entspricht das Eigenkapital 6 Prozent, doppelt so viel wie bei der UBS und der CS, wo das Handelsgeschäft immer noch gross ist. Die Migros Bank ist mit gut 7 Prozent aber solider kapitalisiert als die Raiffeisen.

Riesige Nachschusspflicht erlaubte grosse Sprünge

Die Raiffeisen hat bisher einen grossen Trumpf in der Hinterhand gehabt. Die unzähligen Genossenschafter – immerhin praktisch jeder vierte Einwohner des Landes gehört zum «Club» – mussten im Fall eines Lochs in der Bilanz frisches Kapital einschiessen. Die sogenannte Nachschusspflicht ist einschneidender, als sich das manch ein Genossenschafter möglicherweise bewusst ist. Jeder Einzelne ist verpflichtet, einen Zuschuss «bis zum Betrag von 8'000 Franken zu leisten», sobald das heute einbezahlte Kapital nicht mehr vollständig gedeckt sei, hält Raiffeisen fest. Und: «Die Nachschusspflicht der Genossenschafter beträgt insgesamt 14,4 Milliarden Franken».

Damit liess es sich für Vincenz & Co. lange gut leben. Die Behörden betrachteten die Verpflichtung als praktisch gleichwertig wie das einbezahlte Eigenkapital. Die spezielle Erlaubnis ermöglichte es den Raiffeisenbanken, im Vergleich zur Konkurrenz mehr Geschäfte einzugehen. Allein die Verpflichtung der Genossenschafter, im Notfall nochmals einige Tausend Franken pro Kopf einzuschiessen, reichte aus, um noch mehr Hypotheken und noch mehr KMU-Kredite zu sprechen.

Fertig lustig

Erst 2012 nützte das viele versprochene, aber nicht einbezahlte Kapital nichts mehr. Die Aufsichtsbehörde in Bern hatte auf diesen Zeitpunkt hin die Regeln für die Raiffeisen- und die Kantonalbanken angepasst. Neu zählte für die Berechnung des benötigten Eigenkapitals nur noch das, was auch wirklich in der Kasse lag. Irgendwelche Verpflichtungen der Eigentümer, in der Krise Gelder nachzuschiessen, waren für die Berechnungen des Regulators nichts mehr Wert.

Das machte es für Vincenz einfach, die Nachschusspflicht der Genossenschafter, die ihm lange zupass gekommen war, jetzt abzuschaffen. Wie die Handelszeitung diese Woche berichtete, soll die Nachschusspflicht der 300 Banken des Verbunds nächstes Jahr beerdigt werden. Der Entscheid ist gefallen, zur Umsetzung braucht es noch formelle Beschlüsse der Generalversammlungen.

Für Vincenz bedeutet die Anpassung an die Spielregeln der übrigen Bankhäuser, dass er anderweitig Kapital beschaffen muss, wenn er weiter wachsen will. Bereits im April hat die Raiffeisen eine spezielle Anleihe im Markt platziert. Für das Geld, das zum Eigenkapital gerechnet wird, musste die Raiffeisen 3 Prozent Zins offerieren. Der Zins wird nach ein paar Jahren dem Markt angepasst. Was bisher gratis und franko war, hat nun einen Marktpreis.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andri am 25.08.2013 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raiffeisen ist super...

    Raiffeisen ist Top und die Abschaffung der Nachschusspflicht ist meiner Meinung nach nicht notwendig, beruhigt jedoch sicherlich den Einen oder Anderen! Und das Schönste: der Konkurrenz fehlt ein Argument mehr! Go go go... Weiter so Pierin! --> Was ist noch sicher wenn nicht Schweizer Immobilien!?

  • Manfred F. am 24.08.2013 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Raiffeisen

    Lächerlich einzelne Kommentare hier, wer wegen der Nachschusspflicht nicht Mitglied geworden ist, sollte es auch jetzt nicht werden. Die Raiffeisenbanken hatten auch vorher schon 2-3 Anlaufstellen, welche vor den Mitglieder hätten zahlen müssen. Zudem ist die Sache noch nicht beschlossen. Raiffeisen fährt seit Jahren einen sicheren Kurs und wird dies auch weiterhin machen, jedoch leidet auch sie, zu unrecht, am Bankenimage, welches die Grossbanken in der Schweiz hinterlassen haben. Schlussendlich muss man ein Konto haben und da ist es mir lieber, wenn Leute aus meinem Dorf/Stadt mich bedienen.

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  • Ronn Sommer am 24.08.2013 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Genossenschafter sind die Dummen

    Der will doch nur den Zins der Genossenschafter abschaffen. Das spart hunderte Millionen. Damit kann er sich wieder tausende Honorar mehr bewilligen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andri am 25.08.2013 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raiffeisen ist super...

    Raiffeisen ist Top und die Abschaffung der Nachschusspflicht ist meiner Meinung nach nicht notwendig, beruhigt jedoch sicherlich den Einen oder Anderen! Und das Schönste: der Konkurrenz fehlt ein Argument mehr! Go go go... Weiter so Pierin! --> Was ist noch sicher wenn nicht Schweizer Immobilien!?

  • Anirahtak Renhäl am 25.08.2013 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leidenschaftliche Raiffeisenangestellte

    Raiffeisen ist das gesündeste und kundenfreundlichste Finanzinstitut auf dem Schweizer Bankenplatz. Erfolg macht neidisch. Vincenz ist weder abgehoben noch arrogant. Sein Gehalt inkl Bonus ist für die Leistung mehr als angebracht. Kein anderer Manager würde für dieses Jahresgehalt inkl. aufstehen...das ist mehr als klar! Raiffeisenbanken sind vor Ort und die Regulatorien sind so streng...die Risiken wohl eher kalkulierbar als bei allen Übrigen Finanzinstituten. Der Erfolg der Raiffeisengruppe basiert auf guter Beratung, Kundennähe und strengen Regulatorien und auf nichts Anderem.

  • Manfred F. am 24.08.2013 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Raiffeisen

    Lächerlich einzelne Kommentare hier, wer wegen der Nachschusspflicht nicht Mitglied geworden ist, sollte es auch jetzt nicht werden. Die Raiffeisenbanken hatten auch vorher schon 2-3 Anlaufstellen, welche vor den Mitglieder hätten zahlen müssen. Zudem ist die Sache noch nicht beschlossen. Raiffeisen fährt seit Jahren einen sicheren Kurs und wird dies auch weiterhin machen, jedoch leidet auch sie, zu unrecht, am Bankenimage, welches die Grossbanken in der Schweiz hinterlassen haben. Schlussendlich muss man ein Konto haben und da ist es mir lieber, wenn Leute aus meinem Dorf/Stadt mich bedienen.

    • Clufe am 24.08.2013 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Bin ziemlich der gleichen Meinung! Eigentlich lächerlich, wenn ein einzelner Journalist eine Plattform erhält, seine Antipathie gegenüber einer bestimmten Bank kund tun zu können. Wir Kunden wissen wenigstens, dass wir uns richtig entschieden haben. P.S. von weger lascher Kreditvergabe: Kantonalbanken haben noch doppelt soviel Volumen und die Grossbanken auch fast doppelt soviel... Da macht mir die ZKB viiiel mehr Angst, welche fast ausschliesslich Immobilien in Zürich finanziert!

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  • Ronn Sommer am 24.08.2013 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Genossenschafter sind die Dummen

    Der will doch nur den Zins der Genossenschafter abschaffen. Das spart hunderte Millionen. Damit kann er sich wieder tausende Honorar mehr bewilligen.

    • Ina am 24.08.2013 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Falsch gelesen!

      Die Anteilscheine bleiben. Du hast ja gelesen, Herr Hässig meinte es sei kostenloses Eigenkapital...

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  • S. Gebert am 24.08.2013 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für einen riskanten Kurs?

    Ich verstehe nicht ganz was der riskante Kurs von Raiffeisen ist? Die hatten doch noch nie Probleme oder? Nicht mal im Immo-Crash anfangs der 90iger Jahre soviel ich weiss! Alle Banken haben ja Hypotheken, das würde für mich heissen, dass alle Banken riskant unterwegs sind - komische Aussage! Hilfreicher für mich als Bankkunde wäre ein Vergleich oder kann ich da einfach die Ratings miteinander vergleichen? Auf der Homepage von Raiffeisen steht AA3, was gut zu sein scheint.

    • Bankerin am 24.08.2013 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Raiffeisen -Schweizer Werte

      Raiffeisen hat das beste Rating der Banken in der Schweiz ohne Staatsgarantie. Die Nachschusspglicht ist ein Überbleibsel aus der Zeit der Gründung und somit nicht mehr zeitgemäss. Bezüglich der Risiken: Jedes Geschäft hat ein Risiko. Bei Raiffeisen bleiben die im vernünftigen Rahmen und sind gut abgesichert.

    • Roger Meier am 25.08.2013 04:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Warum der Vergleich?

      Warum soll die Staatsgarantie nicht mehr Zeitgemäss sein? Wie viel Genossenschaften werden denn Heute noch gegründet? - Es sind doch beides zwei Unternehmensformen, die ihre Berechtigung haben?! Dä verstehe ich die Aussage schon nicht ganz... MfG, Roger Meier

    • Bankerin am 25.08.2013 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roger Meier

      Ganz einfach: Es braucht keine staatlich subventionierten Banken im heutigen Umfeld. Es gibt genügend Banken in der Schweiz, welche die Bevölkerung mit Krediten ausstatten. Staatsgarantie ist ein alter Zopf und gehört umgehend abgeschafft. Ansonsten soll diese risikoadäquat abgegolten werden inkl. der günstigeren Refinanzierung! Ansonsten ist es nur Marktverzerrend!

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