Böse Konsequenzen

13. Dezember 2011 14:59; Akt: 13.12.2011 14:59 Print

Geschäftsausflug ins Puff endet mit Rausschmiss

Aussendienst-Mitarbeiter einer deutschen Bausparkasse vergnügten sich auf einer Geschäftsreise mit Prostituierten in Rio de Janeiro. Jetzt kommt es zum «Koitus interruptus».

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Nach dem Spass kam die Ernüchterung. (Bild: Keystone)

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Die Bausparkasse Wüstenrot zieht nach der Lustreise von Vertretern des Unternehmens in Brasilien erste Konsequenzen. Zwei selbstständige Handelsvertreter, die die Reise als Führungskräfte begleitet haben, seien mit sofortiger Wirkung suspendiert worden, teilte das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mit. In Zukunft würden auch keine Vergnügungsreisen zur Belohnung einzelner Vertreter mehr durchgeführt. Reisen der vergangenen drei Jahre sollten intensiv auf ein Fehlverhalten der Teilnehmer geprüft werden.

Rund 20 Aussendienstler besuchten einem Bericht des «Handelsblatts» (Montagausgabe) zufolge im April 2010 den Nachtclub «Barbarella» in Rio de Janeiro, einen Kontakthof für käuflichen Sex.

Auch Kader dabei

Ein Bus habe die Handelsvertreter vor dem Bordell abgesetzt. «Die Bustüren gingen auf, und etwa die halbe Gruppe stieg aus, inklusive Bereichsleiter und Direktoren», berichtete ein Teilnehmer der Zeitung. «Ich habe nur gedacht: Das kann ja wohl nicht sein, dass uns die Wüstenrot hier zum Puff kutschiert.»

Nach Erkenntnissen der Bausparkasse besuchten 14 bis 20 der insgesamt 50 mitgereisten Handelsvertreter das «Barbarella». Mindestens drei, darunter auch Führungskräfte, hätten sich Prostituierte mit aufs Zimmer genommen.

Munteres Treiben auf den Hotelfluren

Auf den Hotelfluren habe ein munteres Treiben geherrscht. «Die brasilianische Polizei griff einen unserer Direktoren nachts im Beisein einer Prostituierten am Strand auf», zitierte das Blatt den Reiseteilnehmer.

Wüstenrot teilte am Montag mit, man unterstütze, organisiere oder finanziere keine Aktivitäten, die gegen den Verhaltenskodex der Bausparkasse verstossen. Die Vorfälle in Rio de Janeiro würden derzeit intensiv geprüft.

Gegen Kodex verstossen

«Eindeutige Ausschweifungen im Rahmen einer Dienstreise verstossen selbstverständlich gegen unsere Verhaltensrichtlinien», erklärte Wüstenrot-Vorstand Bernd Hertweck. «In diesen Fällen werden wir, wenn es angemessen und rechtlich möglich ist, personelle Konsequenzen ziehen». Das ist jetzt geschehen.


Die Vorfälle bei Wüstenrot erinnern an den im Mai dieses Jahres bekanntgewordenen Skandal bei der Hamburg-Mannheimer. Die Versicherung hatte 2007 die traditionsreiche Gellert-Therme in Budapest angemietet und eine ausschweifende Betriebsfeier veranstaltet. Zahlreiche Prostituierte sollen bezahlt worden sein, um die 100 besten Vertreter zu belohnen.

(ap)