Kosten pro Person

20. November 2018 09:23; Akt: 20.11.2018 12:27 Print

Ausgaben für Gesundheit steigen auf 10’397 Franken

Die Gesundheitskosten steigen und steigen. Die Forscher der ETH rechnen für 2019 mit einem Anstieg von 3,9 Prozent oder rund 300 Franken.

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Das Schweizer Gesundheitswesen kostet viel Geld. Die Konjunkturforscher der ETH schätzen das Wachstum der Gesundheitskosten für 2019 und 2020 auf je 3,9 Prozent. Bezahlte jeder Schweizer 2017 für seine Gesundheit 9824 Franken, dürften die Ausgaben 2018 auf 10'397 Franken steigen. Und 2020 veranschlagt die KOF die Pro-Kopf-Ausgaben sogar auf 10'705 Franken. Enormes Wachstum: Machten die Gesundheitsausgaben 1980 erst knapp 15 Milliarden Franken oder etwa 6,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus, werden es im Jahr 2018 rund 85 Milliarden Franken oder um die 13 Prozent der Wirtschaftsleistung sein. Die Ergebnisse der KOF werden durch einen Forschungsbeitrag von Comparis ergänzt. Der Vergleichsdienst kommt zum Schluss, dass nicht der Gesamtanstieg der Gesundheitskosten in der Schweiz problematisch sei. Im Fokus stehen gemäss Comparis vor allem die Pensions- und Betreuungskosten für Pflegeheime mit rund 5,5 Milliarden Franken. Mit einem durchschnittlichen Betrag von 4715 Franken pro Jahr sind die Grundversicherungsprämien ein bedeutender Budgetposten. 1,2 Millionen erwachsene Grundversicherte können gemäss der Comparis-Analyse nächstes Jahr 40 bis 53 Prozent Prämien sparen, indem sie von einer teureren Kasse zu einer der fünf günstigsten Anbieter wechseln, gegebenenfalls ihr Modell anpassen und die Franchise erhöhen Sparen können Versicherte auch, indem sie zwar beim bisherigen Anbieter bleiben, dafür aber das Modell wechseln. Auch wer bei der eigenen Kasse bleibt, hat Sparpotenzial. «Versicherte sollten bei einem Wechsel im Speziellen auch auf die Kundenzufriedenheit achten», sagt der Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Die Versicherungsdeckung der Grundversicherung ist gesetzlich vorgegeben und bei jeder Kasse gleich. Aber die Servicequalität kann sehr unterschiedlich sein. 2019 wächst die mittlere Prämie um 1,2 Prozent. Seit 2008 ist es der tiefste Wert. Am stärksten steigen die Prämien im Kanton Wallis. Bundesrat Alain Berset zeigt sich an der Pressekonferenz zufrieden. Er kann eine moderate Erhöhung präsentieren. Die Prämie der jungen Erwachsenen zwischen 19 und 25 Jahren sinkt, weil das Parlament entschieden hat, diese Altersgruppe zu entlasten, informierte Gesundheitsminister Berset. Der Bund weist neu die Entwicklung der mittleren Prämie aus und nicht mehr die Standardprämie eines Erwachsenen mit der Franchise von 300 Franken. Der Grund: Die Standardprämie ist nicht mehr repräsentativ, weil viele Versicherte andere Franchisen wählen. So entwickeln sich die Prämien der Kinder, jungen Erwachsenen und der über 25-Jährigen. Je nach Kasse gibt es grosse Unterschiede bei den Prämien.

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Gehen wir zu oft zum Arzt? Beziehen wir zu viele teure Medikamente? Oder leisten wir uns einfach eine luxuriöse medizinische Versorgung? Klar ist: Die Gesundheitskosten steigen und steigen. Machten diese Ausgaben 1980 erst knapp 15 Milliarden Franken oder etwa 6,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus, werden es im Jahr 2018 rund 85 Milliarden Franken oder um die 13 Prozent der Wirtschaftsleistung sein. Dies zeigt eine am Dienstag publizierte Prognose der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH.

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Die KOF schätzt das Wachstum der Gesundheitskosten für 2019 und 2020 auf je 3,9 Prozent. Bezahlte jeder Schweizer 2017 für seine Gesundheit 9824 Franken, dürften die Ausgaben 2018 damit auf 10’397 Franken steigen. Und 2020 veranschlagt die KOF die Pro-Kopf-Ausgaben sogar auf 10’705 Franken.

Hohe Betreuungskosten in Pflegeheimen

Einerseits stiegen die Einkommen sowie die Zahl älterer Personen stärker als im Vorjahr. Andererseits bremsten die wirksam werdenden politischen Massnahmen den Ausgabenanstieg etwas ab, wie die Ökonomen in ihrer Begründung schreiben. Im Prognosezeitraum bis Ende 2020 dürfte das Lohnwachstum weiter anhalten. Die demografische Entwicklung werde sich beschleunigen, ab dem Jahr 2020 aber etwas abflachen, heisst es weiter.

Die Ergebnisse des KOF werden zudem mit einem Forschungsbeitrag von Comparis ergänzt. Der Vergleichsdienst kommt zum Schluss, dass nicht der Gesamtanstieg der Gesundheitskosten in der Schweiz problematisch sei. «Die Selbstzahlungen an die Gesundheitskosten entsprechen 85 Prozent der Grundversicherungsprämien», so Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly. Das bedeutet: In der Schweiz ist die Zahlungsbereitschaft für Gesundheit nach wie vor hoch und wächst parallel zu den Grundversicherungsausgaben weiter. Im Fokus stehen gemäss der Comparis-Analyse vor allem die Pensions- und Betreuungskosten für Pflegeheime mit rund 5,5 Milliarden Franken.

Quersubventionierung

Problematisch sind laut dem Experten hingegen die Grundversicherungsprämien. Diese würden vor allem für den unteren Mittelstand wegen des steten Anstiegs und der zunehmend restriktiven Prämienverbilligung zur Last, schreibt der Vergleichsdienst. Ohne die aktuelle Quersubventionierung wären die Prämien in den Rabattmodellen laut dem Helsana-Prämienreport 2018 pro Jahr nämlich im Schnitt rund 550 Franken tiefer und die des regulären Standardmodells mit ordentlicher Franchise rund 1800 Franken höher.

Versicherte sollten belohnt werden

«Die Krankenkassen müssen dringend mehr Spielraum bekommen, um Versicherte zu belohnen, die aktiv zur Eindämmung des Kostenanstiegs beitragen», fordert deshalb Schneuwly. Denn heute sei es den Versicherern von Gesetzes wegen nicht erlaubt, den Versicherten mit alternativen Grundversicherungsmodellen günstigere Prämien anzubieten.

Der Gesundheitssektor wird zu einem immer wichtigeren Zweig der Schweizer Wirtschaft. Im Jahr 2017 waren 7,3 Prozent der Gesamtbeschäftigten in diesem Sektor tätig. Der Anteil des Gesundheitswesens an der gesamten Wertschöpfung lag im Jahr 2016 bei nunmehr 5,4 Prozent.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Kaufmann am 20.11.2018 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz bezahlt alles!

    Hohe Arzt und Spitalkosten für Personen die NIE Prämien bezahlten, dies wird langfristig nicht aufgehen.

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  • Samfan am 20.11.2018 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Arztminuten

    Es besteht kein Interesse diese Kosten zu senken. Erst mal alle Ärztestunden >24h pro Tag streichen - dann besserts sich. Bin 5min beim Arzt und der schreibt 45min auf.

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  • Niepper am 20.11.2018 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ein krankes Land

    Wer sind diese Leute? Ich habe eben erfahren, dass mein Hausarzt seit über 10 Jahren verstorben ist. Weil ich nie zum Arzt muss, hab ich das vorher nicht bemerkt. Es ist eine Frechheit, wie die Medizin den typischen Schweizer Hypochondrismus noch unterstützt.. Wir werden alle mal sterben, gewöhnt euch an den Gedanken und hört auf unnötige Kosten zu generieren!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dumby am 12.12.2018 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht Ironie

    Ist sicher wegen der Homöopathie so. Nochmals: Das ist Ironie Leute!!

  • Lugano-Joe am 26.11.2018 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weihnachten...

    ...hatte ich mir ein Bein gebrochen. Notaufnahme Lugano "Italiano" K.Hs. Vor mir ein ca. 45jähriger. "Ich habe stärken Husten" !!! Anzahl der Wartenden ca. 30. Alles ähnlich "schwere Fälle" Habe 3 Std. warten müssen. Der "Husten" war natürlich vor mir dran...

    • Jugni am 06.12.2018 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lugano-Joe

      immer zuerst richtige Notfälle behandeln wie zb einen Beinbruch etc.Oder vorallem solche wo echt pressiert wenn es um leben geht.Alles andere können warten apropos Husten oder ein Verstauchung kann man auch beim Arzt behandeln lassen.

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  • Rene G. am 24.11.2018 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pharma

    Das Problem des Gesundheitssystems sitzt in Basel.

  • Peter Soists am 22.11.2018 03:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solange sich die KK-Chefs so exorbitante

    Löhne zuschanzen - wäre wohl noch genügend Geld in den Kassen vorhanden! Zudem sollten die übereifrigen ETH- und Konjunktur-Forscher endlich einmal den Finger auf das echte Problem des enormen Kostenwachstums im Gesundheitsbereich legen! Es sind NICHT immer die zu Unrecht genannten älteren Personen (und von vielen despektierlich genannten Alten!) die das Kostenwachstum in die Höhe treiben, die zudem jahrzehntelang immer die hohen Prämien bezahlt haben! Überlegt mal, wer noch nie einen Rappen Prämien bezahlt hat - und es sich in der CH gut gehen lässt - mit wachsendem reichen Kindersegen?!

    • Soistes am 23.11.2018 03:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Soists

      Absolut korrekt, sehr guter Kommentar.

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  • leontine am 21.11.2018 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Zusätzlich

    Allein die zusätzlichen ärztlichen Untersuchungen bei langjährigen IV-Verfahren kosten bei 270 000 Patienten 2 Milliarden aufwärts ...

    • Jugni am 06.12.2018 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @leontine

      Auch das stimmt alles wird immer teurer.Von A bis Z.Und es gibt leider Menschen wo wegen jedem Po Po zum Arzt rennen.Vorallem solche wo es nicht selber es berappen müssen.

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