Prognose

17. Juni 2019 11:03; Akt: 17.06.2019 16:29 Print

Gesundheitskosten steigen um drei Prozent

Die Atempause bei der Entwicklung der Krankenkassenprämien ist vorbei. Der Krankenkassenverband Santésuisse rechnet mit drei Prozent Kostenwachstum.

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Die Krankenkassenprämien dürften in den kommenden Jahren wieder stärker steigen, denn die Kosten wachsen. 2019 und 2020 werden die Gesundheitsausgaben um je drei Prozent steigen, schätzt Santésuisse. Physiotherapie und Spitexbereich gehören dabei zu den grössten Kostentreibern. Im Laborbereich sei der Trend ebenfalls «besorgniserregend». Weil medizinische Labordiagnostik immer zahlreicher durchgeführt werde, erwartet Santésuisse hier einen Kostenanstieg von fünf Prozent. Mit einem durchschnittlichen Betrag von 4715 Franken pro Jahr sind die Grundversicherungsprämien ein bedeutender Budgetposten. 1,2 Millionen erwachsene Grundversicherte können gemäss der Comparis-Analyse nächstes Jahr 40 bis 53 Prozent Prämien sparen, indem sie von einer teureren Kasse zu einer der fünf günstigsten Anbieter wechseln, gegebenenfalls ihr Modell anpassen und die Franchise erhöhen Sparen können Versicherte auch, indem sie zwar beim bisherigen Anbieter bleiben, dafür aber das Modell wechseln. Auch wer bei der eigenen Kasse bleibt, hat Sparpotenzial. «Versicherte sollten bei einem Wechsel im Speziellen auch auf die Kundenzufriedenheit achten», sagt der Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Die Versicherungsdeckung der Grundversicherung ist gesetzlich vorgegeben und bei jeder Kasse gleich. Aber die Servicequalität kann sehr unterschiedlich sein. 2019 wächst die mittlere Prämie um 1,2 Prozent. Seit 2008 ist es der tiefste Wert. Am stärksten steigen die Prämien im Kanton Wallis. Der Bund weist neu die Entwicklung der mittleren Prämie aus und nicht mehr die Standardprämie eines Erwachsenen mit der Franchise von 300 Franken. Der Grund: Die Standardprämie ist nicht mehr repräsentativ, weil viele Versicherte andere Franchisen wählen. So entwickeln sich die Prämien der Kinder, jungen Erwachsenen und der über 25-Jährigen. Je nach Kasse gibt es grosse Unterschiede bei den Prämien.

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2019 und 2020 werden die Gesundheitsausgaben um je drei Prozent steigen. Das besagt eine Schätzung von Santésuisse, der Branchenorganisation der Schweizer Krankenversicherer. Nachdem die Prämien in den vergangenen zwei Jahren etwas weniger stark gewachsen sind, sei die «Atempause für die Prämienzahler zu Ende», heisst es in einer Mitteilung. Die Schätzung deckt sich mit einer Prognose des Vergleichsdiensts Comparis, die ebenfalls ein Wachstum von drei Prozent voraussagt.

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Gemäss der Analyse von Santésuisse droht in mehreren Bereichen ein überdurchschnittlich starkes Wachstum: In der Physiotherapie erwartet der Verband wegen der Zunahme der Anzahl Physiotherapeuten und der Anzahl Behandlungen ein gleichbleibend hohes Wachstum von sechs Prozent.

Auch im Spitexbereich sei mit höheren Kosten zu rechnen. Statt in Pflegeheimen werden ältere Menschen vermehrt zu Hause betreut, deshalb werde hier ein Kostenwachstum von sechs Prozent erwartet.

Mehr Labortests

Im Laborbereich sei der Trend ebenfalls «besorgniserregend». Weil medizinische Labordiagnostik immer zahlreicher durchgeführt werde, erwartet Santésuisse hier einen Kostenanstieg von fünf Prozent.

Für den ambulanten Spitalbereich werde für das laufende und das kommende Jahr mit einer Kostensteigerung von fünf Prozent gerechnet. Auch bei den Medikamenten sei in den kommenden zwei Jahren mit einem Kostenwachstum von mehr als drei Prozent zu rechnen.

Pauschalen gefordert

Laut Santésuisse könnte es sogar noch schlimmer kommen: So fürchtet der Verband, dass der Ausbau der Pflege, neue, teure Medikamente und ein neuer ambulanter Ärztetarif die Prämien noch weiter hochtreiben könnten.

Um die ausufernden Prämien einzudämmen, verlangt Santésuisse Massnahmen wie etwa einen jährlichen Auslandpreisvergleich für Medikamente, Pauschalpreise statt Einzelleistungstarife sowie kantonsübergreifende Koordination des medizinischen Angebots.

Weil die Leistungskosten in den vergangenen Jahren weniger stark anstiegen als prognostiziert, wollen einige Versicherer mit besonders hohen Reserven freiwillig Rückzahlungen vornehmen. Laut Santésuisse belaufen sich die Reserven über alle Krankenversicherer gesehen derzeit auf rund 850 Franken pro versicherte Person.

(rkn/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 17.06.2019 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke für nichts

    Und der Lohn bleibt wieder gleich...

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  • Alexi am 17.06.2019 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitskosten

    Wann hört der Wahnsinn auf:( Krankenkasse bald ein Luxus der sich nicht mehr viele leisten können!

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  • Michu77 am 17.06.2019 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fertig lustig

    Ab nächstes Jahr, werde ich die KK-Prämien nicht mehr bezahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • HPM am 18.06.2019 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie wird die Teuerung berechnet und von wem?

    Wer berechnet eigentlich die Jährlich Teuerung der Krankenkassen stimmt das wirklich wie wird es berechnet ? Hoffentlich wird das ganz genau überprüft und nachberechnet langsam überlege ich mir ob die jährliche Teuerung wirklich berechtigt ist und ob diese wirklich stimmt.

  • franz am 18.06.2019 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für mich passt das

    ich bezahle mein arzt und medikamente aus eigener tasche. einfacher geht es nicht sofern du das nötige kleingeld hast. eine op soll und darf die krankenkasse gerne übernehmen

  • Silvan Joost am 18.06.2019 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Homeopathie nicht mehr in die Grundversicherunf

    Homeopathie streichen. Man sollte nur noch Sachen bezaheln die gemäss Studien wirken. Homeopathie gehört da nicht dazu und dürfte nach meiner Meinung nicht mehr von den Kassen bezahlt werden. Die Globuli Kügelchen gehen über den Placebo Effekt nicht heraus. Homeopathie ist wenn jemand in Bern einen Autoschlüssel in die Aare wirft und in Olten versucht mit einer Wasserprobe sein Auto damit zu starten.

    • Peter am 18.06.2019 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Silvan Joost

      Eben. In keinem anderen hoch entwickelten Land ist Homöopathie kassenpflichtig. Und wenn wir diesen Spass haben wollen dann sollen wir ihn ohne zu meckern auch bezahlen. Punkt.

    • Seep am 18.06.2019 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Doch Peter, in Deutschland, dem Erfinder von diesem Quatsch.

    • Xeno72 am 18.06.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Silvan Joost

      Ich bin absolut mit Ihrer Forderung einverstanden, würde ich sofort unterstützen. Man muss aber der Fairness halber sagen, dass der Einfluss auf die Kosten minimal wäre.

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  • Ursula Krieger am 18.06.2019 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparvorschläge

    Wie wäre es,mal in den Betrieben erst ab einer gewissen Frist ein Arztzeugnis zu verlangen und nur bei häufigen Absenzen individuell kürzere Frist verlangen? Das würde viel sparen... Im hohen Alter nicht mehr alles Lebensverlängernde unternehmen...Bei gewissen Leistungen mehr Selbstbehalt verlangen.Ein Nesuch auf der Notfallstation wird nur übernommen,wenn wirklich nötig..

    • Realist am 18.06.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ursula Krieger

      Wie wäre es Wellness, Erholungspseudokuren, Massagen, Fitness Abos, Homöopathie und andere Hokuspokus " Medizin" aus dem Grundleistungskatalog zu entfernen????

    • Xeno72 am 18.06.2019 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Scheinlösung@Ursula

      Die Arztbesuche wegen Zeugnissen fallen praktisch nicht ins Gewicht.

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  • Hakima am 18.06.2019 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uvg sich nicht ganz unschuldig

    Die Krankenkassen haben auch so hihe kosten weil viele die Unfall haben, von der Unfallversicherung ohne grund an die KK übergeben werden. Dann geht es über 2 jahre mit gericht usw bis slles wieder auf unfall geht. Obwohl die undallversicherung genau wüsste dass sie bezahlen muss. Das ist auch ein grund wsrum die kk immer mehr kostet