Harter Winter

27. März 2018 10:32; Akt: 27.03.2018 11:36 Print

Bei H&M bricht der Gewinn weg

Die Modekette verdient zum Jahresstart massiv weniger. Schuld sind die kalten Temperaturen - und hausgemachte Fehler

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Beim schwedischen Modehaus H&M klemmts: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs ist der Gewinn um rund 60 Prozent eingebrochen. Ein Problem für H&M ist das sehr dichte Filialnetz. Während die Kundschaft immer mehr ins Internet abwandert, setzte H&M bisher zu stark auf den stationären Handel. Anders ergeht es dem spanischen Konkurrenten Zara. Beim Mutterkonzern Inditex stiegen zuletzt sowohl Umsatz als auch Gewinn. Die Zahl der Filialen sei so gross, dass viele sich selber kannibalisieren würden, sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung. Zara dagegen hält sich bei Standorten zurück und lässt sich in lukrativen Metropolen nieder. «Das Unternehmen hat eine gut ausgewählte Standortpolitik», sagt Stumpf. In Zürich hat sich Zara seit ein paar Jahren im ehemaligen Bally-Gebäude an der Bahnhofstrasse eingenistet (im Bild). Der hart umkämpfte Markt ist gesättigt. «Das Format Filiale hat seine Grenzen erreicht. Im stationären Handel herrscht ein 100-prozentiger Verdrängungswettbewerb», sagt der Experte. Ein Problem von H&M ist, dass der Konzern träge auf Modetrends reagiert. Er besitzt keine eigenen Fabriken und lässt in günstigen Ländern wie Indien, Kambodscha oder China produzieren. Das ist zwar günstiger. Doch bis die Kollektion in den Läden ist, vergeht viel Zeit. Im ersten Quartal musste H&M ein viel grössere Kleider-Menge als sonst in den Ausverkauf stellen. Der kalte Winter sorgte dafür, dass die Kunden warme Jacken sowie Pullis suchten und die Frühlingskleider in den H&M-Geschäften links liegen liessen.

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Das schwedische Modehaus kommt nicht in Fahrt und startet schwach wie kaum zuvor ins neue Geschäftsjahr: Der Gewinn ist im ersten Quartal zwischen Dezember und Februar um rund 60 Prozent auf 1,2 Milliarden Kronen oder umgerechnet rund 140 Millionen Franken eingebrochen, wie der Konzern am Dienstag mitteilt. Das ist der niedrigste Gewinn in einem ersten Quartal seit 16 Jahren.

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Das Resultat ist unter Erwartungen: Analysten rechneten mit einem Gewinn von 1,4 Milliarden. Der Umsatz hingegen sank nur leicht auf 23 Milliarden Kronen. «Der schnelle Wandel im Detailhandel geht weiter», wird H&M-CEO Karl-Johan Persson in einer Mitteilung zitiert. Der Start ins Jahr sei schwierig gewesen. 2018 sei zudem ein Übergangsjahr für den H&M-Konzern.

Digitalisierung vorantreiben

Persson will die Digitalisierung vorantreiben, um von den Möglichkeiten im schnell wachsenden Online-Geschäft profitieren zu können. In diesem Bereich will H&M um mehr als ein Viertel wachsen. So soll das laufende Jahr unter dem Strich bessere Resultate liefern.

Zu schaffen machte dem Modehaus der kalte Winter: Eine unüblich grosse Menge an Frühlings-Kleidern wanderte verfrüht in den Ausverkauf, weil die Kunden warme Kleider suchten. Das Vorgehen vermasselte das Frühlingsgeschäft.

Von Zalando und Amazon überfahren

Dass es bei H&M nicht mehr rund läuft, ist auch auf hausgemachte Probleme zurückzuführen. Das Modehaus hat die Digitalisierung verschlafen und im Onlinehandel zu spät reagiert. Das rächt sich gnadenlos: Zalando und Amazon haben längst das Zepter in der Hand und jagen den Schweden die Kunden ab. Zuletzt sorgten auch Rassismusvorwürfe aufgrund einer Werbekampagne für Negativschlagzeilen.

(vay)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Johnny am 27.03.2018 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuld ist Qualität

    Naja, schuld ist meiner Meinung nach die schlechte Qualität der Kleider. T-Shirts oder Pullover halten kein Jahr durch. Deswegen kaufe ich jedenfalls nicht mehr dort ein.

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  • Thomas F am 27.03.2018 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht lernen sie es Mal

    Es wäre schön wenn sie es lernen würden mit den Jahreszeiten und nicht im Winter Sommerkleider verkaufen und umgekehrt. Weiss ja nicht welche komischen Leute sich Kleider kaufen und dann zuerst 3 Monate lagern bis endlich die richtige Saison ist.

  • Helen am 27.03.2018 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    H und m - eine kette wie zig andere

    Sehr schade- vor 10-20 jahren zurück hatte h und m super kleider die durchaus mit label kleider mithalten konnten. Und eine grosse diverzität punkto materialien farben und stoffe.Heute ist es leider nur noch eine kette wie zig andere und der entsprechenden basic- mode.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Lenz am 29.03.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Lumpenhändler haben viele Probleme

    Die Bevölkerung wird immer dicker und älter. Trotzdem gibt es immer weniger Mode für diese, stark wachsende Gruppe- und schon gar nicht in diesen Teenieläden. Zum Glück gibt es noch ein paar kleinere Geschäfte, die sehr gut leben vom Versagen der Grossen. Die Qualität ist in diesen Billigläden meistens unterirdisch und das Preis-Leistungsverhältnis eine Katastrophe. Da ziehe ich es vor mehr auszugeben und dafür gute und beständige Ware zu kaufen.

  • Erna am 28.03.2018 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    für mich gestorben

    H&M hat kaum tragbare Kleider und offenbar wirkt auch die Werbung mit Kopftuchmodels nicht.

  • Dragan Shiva am 28.03.2018 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Noch ein weiteres Problem

    Ein weiteres Problem sind die Grössenangaben an den Kleidern. Die Kleidungsstücke bei H&M sind tendanziell kleiner als angeschrieben. Vermutlich eine Folge des Magerwahns. Hatte schon Sachen gesehen, die mit Euro 44 angeschrieben waren, aber nur gerade mal effektive Grösse 36 hatten.

  • Loxx am 28.03.2018 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal...

    ...eine super Kleiderkette, die sich H&M nannte und endlich in die Schweiz kam. Vor 25 Jahren hatten sie wirklich gute und schöne Kleider, modisch und qualitativ ansprechend. Nie wirklich hochwertig, aber modern und schön. Ich habe heute noch Teile aus dieser Zeit, und die halten noch immer. Auch die Shirts von LOGG waren unzerstörbar. 1000x gewaschen und immer noch schön. Habe Anzüge, zeitlos schön und immer noch modern. - Und heute gehe ich nicht mal mehr rein. Alles riecht schon nach Appretur und sieht garagenmässig aus. Alles von Grauschleier überzogen und billig.

    • Kokolores am 28.03.2018 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz genau!

      Absolut 1:1 gleiche Erfahrung gemacht!

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  • Rolando Fleckflitzer am 28.03.2018 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Und noch einer

    Und auch hier sind die Preise im Keller. Auch hier ist Qualität nicht optimal. H&M wird wie viele andere Mitarbeiter entlassen. Die Schweiz im Verkaufs-Rausch.