Negative Effekte

29. März 2019 12:52; Akt: 29.03.2019 13:21 Print

TUI büsst wegen Boeing-Flugverbot 200 Mio ein

Wegen der gegroundeten Boeing 737 Max 8 muss der Reisekonzern einen Gewinnrückgang in Kauf nehmen. Er ist nicht der einzige.

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Der Reisekonzern TUI rechnet wegen der Belastung durch seine mit Startverbot belegten Boeing-Flugzeuge in diesem Jahr mit einem Gewinnrückgang. Es werde ein Einmaleffekt von ungefähr 200 Millionen Euro erwartet, teilte TUI am Freitag mit.

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TUI hat in seiner 150 Flugzeuge grossen Flotte 15 Maschinen des Modells 737 Max 8 im Einsatz, das nach zwei Flugzeugabstürzen weltweit am Boden bleiben muss. Bis Ende Mai wollte der Reiseanbieter weitere acht in Betrieb nehmen.

TUI hofft, dass gegroundete Flieger ab Juli wieder abheben

Jetzt fallen Kosten an für verlängerte und neue Leasingverträge, um die ausfallenden Maschinen zu ersetzen und die Urlauber ans Ziel zu bringen. TUI geht ausserdem von negativen Effekten der Krise um das Unglücksflugzeug auf das Buchungsgeschäft aus und von höheren Treibstoffkosten.

Das operative Ergebnis für das Gesamtjahr (EBITA) werde gegenüber dem Gewinn 2018 von 1,18 Milliarden Euro um 17 Prozent sinken – vorausgesetzt, die Boeing-Flieger können ab Mitte Juli wieder abheben. Bisher hatte TUI mit einem Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau gerechnet.

Weitere Fluggesellschaften mit Einbussen

Sollte das Modell noch länger gesperrt bleiben, erwartet der in London und Frankfurt börsennotierte Konzern weitere 100 Millionen Euro Kostenerhöhung bis Ende September und einen Gewinnrückgang um 26 Prozent. An der Börse verloren TUI-Aktien zum Handelsstart mehr als zehn Prozent und fielen auf ein Sechs-Jahrestief von 8,01 Euro.

Auch die US-Fluggesellschaft Southwest Airlines musste wegen der Boeing-Krise bereits die Gewinnprognose kappen. Am 10. März war zum zweiten Mal eine noch neue 737 Max 8 von Ethiopian Airlines wenige Minuten nach dem Start in Äthiopien abgestürzt. Dabei kamen 157 Menschen ums Leben.

Das Unglück ähnelte dem Absturz einer 737 Max 8 von Lion Air in Indonesien, dem alle 189 Menschen an Bord zum Opfer fielen. Die Unglücksursachen stehen nicht fest, doch es wird ein Defekt des Kontrollsystems MCAS als Auslöser vermutet. Dieses sei auch bei dem verunglückten Ethiopian-Flugzeug aktiviert gewesen, berichtete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider am Freitag. Ein vorläufiger Unfallbericht werde in der kommenden Woche veröffentlicht, erklärten US-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Bestellungen bei Boeing storniert

Boeing hat ein Software-Update für das MCAS-System angekündigt, das bei drohendem Strömungsabriss automatisch die Flugzeugnase senkt, sowie bisher ausgebliebene Trainings für die Piloten. Der Flugzeugbauer hofft, damit eine Freigabe für das geschäftlich wichtige Modell zu bekommen.

Für den Verkaufsschlager hat Boeing Aufträge von mehr als einer halben Billion Dollar ausstehen. Doch die ersten Airlines widerrufen mittlerweile ihre Aufträge. Die indonesische Sriwijaya Air hat den Leasingvertrag für zwei 737 Max 8 gekündigt, wie ein Sprecher erklärte.

Zuvor hatte deren Muttergesellschaft Garuda aus Indonesien als erste einen Auftrag über 49 Flugzeuge des Typs storniert mit der Begründung, die Passagiere hätten das Vertrauen in dieses Modell verloren. TUI gehört zu den grösseren Bestellern aus Europa, wollte sich am Freitag aber nicht dazu äussern, ob die Order bestehen bleibt oder womöglich Schadenersatz von Boeing gefordert wird.

(vro/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • a. ber am 29.03.2019 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entschädigung

    Hoffe das die Amis auch mal zur Kasse gebeten werden.

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  • Tommi am 29.03.2019 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Dann hoffe ich dass tui boeing auf schadenersatz verklagt....

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  • Findnicht am 29.03.2019 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Amerikanisches Geschäftsgebaren

    Das Design der 737 stammt aus den 1960-ziger Jahren und stösst mit all seinen Weiterentwicklungen nun definitiv an seine Grenzen. Während dessen Airbus mit seinem A320 über ein neueres Produkt verfügt, hat Boeing seine Cash-cow 737 wie eine Zitrone ausgequetscht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • fredy am 16.04.2019 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boeing nein danke

    Boeing darf nicht mehr in die Luft. Europweites Flugverbot für alle Boeing 7... Sicherheit und Komfort nicht mehr gewährleistet. Chancen für Airbus

  • speedy am 16.04.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlechter Service

    Tui hat nicht nur Probleme mit Boeing sondern auch der Service hat sich erheblich verschlechtert. Boeing darf nie mehr eingesetzt werden. Angebote mit falschen Angaben sind auch nicht Kundenfreundlich.

  • Martial2 am 12.04.2019 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Software noch lange nicht OK!

    Passagiere die in diesem Flugzeug Typ einsteigen, sind wirklich lebensmüde. Hier würde ich mich zuerst erkundigen... Lieber den Flug verpassen und Airbus wählen¨

  • Martial2 am 12.04.2019 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es sieht schlecht aus für Boeing...

    Für Boeing sieht es düster aus: Annullierung von Bestellungen von hunderte von Airlines, Entschädigung an die Angehörigen, Klagen von Reisegesellschaften die Geld verlieren, wie TUI... Das kann ihnen den Kragen kosten. Mr. Trump gibt aber die Schuld an WTO und Airbus... Leicht gesagt und getan!

  • Stefan am 02.04.2019 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rückversicherer

    Diese Entschädigungen werden durch Rückversicherer gedeckt. Boeing trifft das nicht wirklich. Wurde so auch bestättigt.