Digitalisierung

09. April 2019 10:52; Akt: 09.04.2019 10:52 Print

Zahl der typischen Büro-Jobs schrumpft rasant

von R. Knecht - Klassische Sachbearbeiter- oder Sekretariatsstellen werden rar. Ohne Weiterbildung wirds für KV-Abgänger schwer.

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Das KV gilt als die beliebteste Lehre der Schweiz. Aber gibt es den klassischen Büro-Job überhaupt noch? Laut dem Job-Index von Adecco sinkt die Zahl der offenen Stellen in kaufmännischen und administrativen Berufen seit zwei Jahren. Grund für die schrumpfende Zahl der Büroberufe ist vor allem die Digitalisierung: Administrative und repetitive Jobs werden zunehmend automatisiert, wie der Temporärarbeit-Vermittler schreibt. Dadurch herrscht bei diesen Berufen bereits seit längerer Zeit ein Überangebot an Fachkräften. «Spezialisierungen sowie Um- und Weiterbildungen, vor allem auch in digitalen Bereichen, werden in dieser Berufsgruppe immer wichtiger», sagt Nicole Burth, CEO Adecco Schweiz. Häufig fängt die Spezialisierung direkt nach der Lehre an: Rund 30 Prozent der KV-Abgänger 2018 haben direkt nach Lehrabschluss eine Weiterbildung begonnen, wie eine Sprecherin des Kaufmännischen Verbands Schweiz zu 20 Minuten sagt. «Ohne Weiterbildung gehts künftig wohl nicht», sagt auch Michaela Reimann, Sprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung. Die Bankenbranche gehört zu den grössten Schweizer KV-Ausbildnern. Eine Sprecherin des Schweizerischen Versicherungsverbands sagt zu 20 Minuten: «‹Einfache›, mehrheitlich datenverarbeitende und repetitive Aufgaben werden grossenteils verschwinden.» Lebenslanges Lernen und Weiterbilden nach der Grundausbildung seien bereits heute unablässig, um in der Arbeitswelt bestehen zu können. Die Versicherungsbranche ist ebenfalls einer der grössten KV-Ausbildner. Zwar gibt es weniger klassische Büroberufe, über alle Branchen ist die Zahl der offenen Stellen Anfang 2019 aber um 7 Prozent gestiegen. Das zeigt der Job-Index von Adecco: Rang 1: Unterricht und öffentliche Dienstleistungen mit 19 Prozent mehr ausgeschriebenen Stellen. Rang 2: Management und Organisation mit 16 Prozent. Rang 3: Informatik mit 13 Prozent. Rang 4: Gastgewerbe und persönliche Dienstleistungen mit 7 Prozent. Rang 5: Gesundheit mit 6 Prozent. Rang 6: Bau und Ausbau mit 5 Prozent. Rang 7: Technik und Naturwissenschaften mit 5 Prozent. Rang 8: Industrie und Transport mit 4 Prozent. Rang 9: Handel und Verkauf mit 3 Prozent. Die Entwicklung in der Übersicht.

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Bei den Bürojobs schrumpft die Zahl der offenen Stellen seit zwei Jahren. Auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres setzt sich die Entwicklung fort: Laut dem Job-Index von Adecco gab es 3 Prozent weniger Stellen in Büro und Verwaltung. Im Vorjahresquartal lag das Minus sogar bei 16 Prozent. Zu den betroffenen Jobs gehören etwa kaufmännische und administrative Berufe. Sie bilden dabei eine Ausnahme: Über alle Branchen stieg die Zahl der offenen Stellen Anfang 2019 um 7 Prozent.

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Grund für die schrumpfende Menge an Büroberufen ist vor allem die Digitalisierung: Administrative und repetitive Jobs werden zunehmend automatisiert, wie Adecco schreibt. Dadurch herrscht bei diesen Berufen bereits seit längerer Zeit ein Überangebot an Fachkräften.

Sekretariatsarbeiten verschwinden

Laut der St. Galler Berufsberaterin Simone Rüedi Baumgarten dürften digitale Lösungen die repetitiven Arbeiten etwa im Sekretariat künftig ersetzen: «Insofern ist davon auszugehen, dass einfachere kaufmännische Arbeiten immer mehr verschwinden werden.»

Zwar habe die Digitalisierung auch im Rest der Arbeitswelt ähnliche Folgen. Da der KV-Bereich neben dem Detailhandel bisher die meisten Lehrstellen generiert habe, seien die Veränderungen aber besonders deutlich.

Weiterbildung direkt nach der Lehre

Das Phänomen beobachet man auch beim Schweizerischen Versicherungsverband. Sprecherin Sabine Alder sagt zu 20 Minuten: «‹Einfache›, mehrheitlich datenverarbeitende und repetitive Aufgaben werden grösstenteils verschwinden.» Lebenslanges Lernen und Weiterbilden nach der Grundausbildung seien bereits heute unerlässlich, um in der Arbeitswelt bestehen zu können. Die Versicherungsbranche ist einer der grössten KV-Ausbildner in der Schweiz.

Häufig fängt die Spezialisierung unmittelbar nach der Lehre an: Rund 30 Prozent der KV-Abgänger 2018 hätten direkt nach Lehrabschluss eine Weiterbildung begonnen, heisst es beim Kaufmännischen Verband Schweiz. «Ohne Weiterbildung geht es künftig wohl nicht», sagt auch Michaela Reimann, Sprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung. Die Bankenbranche gehört ebenfalls zu den grössten Schweizer KV-Ausbildnern.

Keine attraktive Stelle ohne Fortbildung

Eine KV-Grundbildung, die als die beliebteste Lehre der Schweiz gilt, ist also längst nicht mehr genug: «Wenn man eine KV-Lehre abschliesst und glaubt, man habe ‹ausgelernt›, wird man vermutlich Mühe haben, langfristig im Arbeitsmarkt eine attraktive Stelle zu halten», sagt Veronica Weisser, Jobmarkt-Analystin bei der UBS, zu 20 Minuten. Die Fähigkeit, sich über das gesamte Arbeitsleben hinweg immer wieder in neue Abläufe einzuarbeiten, sei heute bei vielen Bürojobs eine Voraussetzung.

Zwar betonen Berufsverbände, dass die KV-Lehre als Grundlage weiterhin ihre Berechtigung habe. Der Lehrplan soll sich aber schon bald massgeblich verändern. Unter dem Projektnamen «Kaufleute 2022» arbeitet die Schweizerische Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen derzeit an der Basis für die nächste Aktualisierung des Bildungsplans. Dabei spielen vor allem Digitalisierung, Flexibilität und der Trend zur Dienstleistungsgesellschaft eine wichtige Rolle.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 09.04.2019 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Da nützt die beste Weiterbildung nichts

    wenn stattdessen ein sehr viel billigerer MA aus dem Ausland angestellt wird...

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  • Aussenseiter am 09.04.2019 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    ihr schafft das....

    Tja, und was tun wir? Wir lassen weiterhin tausende Menschen einwandern. Früher oder später wird das ein gewaltiges soziales Problem geben. Aber macht nur weiter so. Ihr schafft das....hiess es ja mal!

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  • TheRealSchnauz am 09.04.2019 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    Auch mit Witerbildung wirds schwer. Es werden generell alle typischen aus diesen Bereichen verschwinden. Auf dem Sozialamt wird bald Hochbetrieb herrschen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kauf Mann am 14.04.2019 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Büro

    Im kaufmännischen und administrativen Bereich arbeiten zu können, gibt halt scho ein gutes Gefühl.

  • Bea am 14.04.2019 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich lerne von Kollegen und vom selbst Interesse ha

    Weiterbildungen sind hauptsächlich lukrative für Ausbildner. Lernende lernen da in ein paar Wochen NIX. Die beste Weiterbildung ist regelmässig Zeitungen lesen. Aber nicht den BLICK und anderen Gossip! Wichtig ist auch, gesellschaftsfähig zu sein, denn von Mensch zu Mensch lernt man am meisten. Werft euer Geld nicht "Schulen" und "Lehrern" nach....das ist nur Geldmacherei!

  • Beobachterin am 10.04.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bald wird es wohl krachen

    Fakt ist, Computer, AI, Roboter und 3D Drucker werden immer mehr Jobs übernehmen. Immer mehr Menschen haben zu wenig zum Leben. Die Bevölkerung explodiert, aber der Wohlstand wird immer mehr konzentriert. Wo wird das enden?

  • Fairness am 10.04.2019 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    JA zurBegrenzungsinitiative

    am 19. Mai, um die Gier der Unternehmer und Investoren abzustellen und den tiefen Löhnen der zu vielen Zuwanderer ein Endezu setzen. Für faire Löhne für jeden.

    • Frizzy am 10.04.2019 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fairness

      Ja, ja, immer die gleichen Stereotypen und "Argumente", in dem man auf Unternehmer, Investoren und Ausländern zeigt anstatt bei sich selbst anzufangen und sich weiterzubilden! Solche Typen braucht einfach niemand. Die sind von gestern!

    • Die Pessimistin am 20.04.2019 17:46 Report Diesen Beitrag melden

      Zum Schutz der Jungen und der Schweiz

      Ein Ja, um die neoliberalen Volksvertreter, Volks- und Landesverräter zu bremsen und um das soziale Fiasko zu verhindern, da die Jungen dafür die Zeche über Steuererhöhungen und Erhöhung der Sozialabgaben zahlen.

    • li am 24.04.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frizzy

      Gutmenschen haben auch ein Ablaufsdatum, um Teilen zu können, muss etwas Vorhanden sein... Die Resoursen sind begrenzt und werden noch schrumpfen, nicht von gestern, aktuelle, offizielle Studien.

    • li am 24.04.2019 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Die Pessimistin

      Wie agieren, wie stimmen unsere Jungakademiker? So viele Jobs wie nötig wäre, gibt's nirgendwo.

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  • Leonore am 10.04.2019 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Primär ist Profitmaximierung schuld

    Noch ist es oft nicht die Digitalisierung. Wenn nun auch SwissRe ihre Assistenten/innen in Bratislava ansiedelt, ist daseinfach nur etwas krank?